Leichtathletik im Ganztag: Chancen durch Kooperation Schule–Verein

Seit dem 1. August 2026 ist bundesweit der Rechtsanspruch auf ganztägige Förderung in den Grundschulen in Kraft. Das bedeutet, dass sehr viele Kinder zukünftig noch mehr Zeit in der Schule verbringen werden. 

Für Sportvereine eröffnet sich damit eine große Chance. Denn Sportvereine können Kooperationen mit Schulen abschließen, um Kindern am Nachmittag im Ganztag eine hochwertige Betreuung durch sportliche Angebote zu bieten.

Wenn Sie noch keine Schulkooperation haben, sollten Sie handeln, denn Vereine mit einer Schulkooperation sind in der Regel für die Herausforderungen durch die demografische Entwicklung besser aufgestellt als Vereine ohne Schulpartnerschaft!

Es gibt vielfältige Gründe und Vorteile eine Kooperation mit einer Schule bzw. einem Leichtathletikverein abzuschließen:

- Mitgliedergewinnung
- Möglichkeit der Talentsichtung
- Imageverbesserung
- Möglichkeit der Sportstättennutzung von Schule bzw. Verein
- Mitarbeitergewinnung (Sportlehrer bzw. Vereinsmitarbeiter/ Eltern)
- Erfahrungsaustausch zwischen Sportlehrern und Trainern
- Erweiterung der täglichen Bewegungszeit
- Leichtathletik als Ausgleich zum Schulalltag

Nachdem Sie den Nutzen und die Notwendigkeit einer Schulkooperation erkannt haben, gilt es, planmäßig und schrittweise vorzugehen, um von Beginn an ein positives Klima zu schaffen und den Verein als kompetenten Partner der Schule zu positionieren. Zögern Sie nicht, als Vereinsverantwortlicher die Initiative zu ergreifen und auf Schulen in Ihrer Nähe zuzugehen. Denn das Interesse für eine Zusammenarbeit besteht oft, es muss lediglich der erste Schritt gemacht werden.
 

FÜNF SCHRITTE ZU EINER KOOPERATION MIT DER SCHULE

Schritt 1: Vereinsinterne Prüfung: Ist eine Kooperation realisierbar?
Bevor Sie das Gespräch mit der Schule suchen, sollten Sie intern in Vorgesprächen klären, ob eine Zusammenarbeit realisierbar ist und ob man über Ressourcen verfügt, um die Zusammenarbeit aufrechtzuerhalten. Die Ziele der Kooperation sollten klar definiert und Verantwortlichkeiten festgelegt werden. Ein fester Ansprechpartner für die Schule ist genauso wichtig wie qualifizierte Trainer!

Schritt 2: Formulieren Sie ein Kooperationsprofil für ihren Verein
Starten Sie Ihre Kooperationsanfrage nicht unvorbereitet. Sie wissen nicht, wie genau Ihre Gesprächspartner in der Schule Ihren Verein bereits kennen. Meist wird auch nicht sofort eine Zusage gemacht, sondern die Schule will darüber beraten – oder der Sportlehrer will die Schulleitung und seine Fachkonferenz umfassend informieren. Deshalb ist es von Vorteil, wenn Sie vor dem ersten Treffen ein Kooperationsprofil formulieren und stichwortartig zu Papier bringen. Es sollte herausstellen, dass Ihr Verein der richtige Partner für die künftige Zusammenarbeit ist.

Inhalte eines Profils
  • Kurzbeschreibung des Vereins: Mitgliederzahl, Sparten, Zahl der Übungsleiter, Darstellung der Sportanlagen, Benennung des Vorstands und der Ansprechpartner.
  • Infos zur Leichtathletikabteilung: Trainings- und Wettkampfangebote für die verschiedenen Altersklassen, Anzahl und Qualifikation der Übungsleiter, Anzahl der aktiven Kinder und Jugendlichen. Ggf. weitere "Stärken" des Vereins herausstellen: z. B. Auszeichnungen, die der Verein erhalten hat, Nennung bereits bestehender Partnerschaften, jährliche Veranstaltungen.
  • Pädagogische/gesellschaftliche Zielsetzung Ihres Vereins: Betonen Sie, dass sich der Verein als „gesundheitsfördernder Bildungsort“ versteht, der den Kindern und Jugendlichen über die sportliche Ausbildung hinaus Werte und soziale Kompetenz vermitteln will.
  • Beschreibung des Kooperationswunsches/Kooperationsangebotes: Kurze Beschreibung dessen, was Sie von der Schule möchten und was Sie der Schule anbieten.


Schritt 3: Ergreifen Sie die Initiative: Gehen Sie auf die Schule zu
Jetzt können Sie auf eine Schule zugehen. Wagen Sie den ersten Schritt, und suchen Sie den Kontakt zur Schulleitung und der Fachkonferenz „Sport“! Im ersten Gespräch sollten alle relevanten Fragen geklärt und die Zielsetzungen von beiden Partnern vorgetragen werden. Gehen Sie gut vorbereitet ins Gespräch und nutzen Sie diese Gelegenheit, um die Vereinsarbeit zu präsentieren.

Schritt 4: Konkretisieren Sie ihren Kooperationswunsch
Mit den Ergebnissen des Erstgesprächs können nun der Umfang der Kooperation und die Leistungen der beiden Partner konkretisiert werden. Kernstück einer Schulkooperation ist immer eine von einem qualifizierten Vereinstrainer betreute Leichtathletik-AG. Die Ansprüche und Ziele von Schule und Verein sollen klar formuliert werden. Gehen Sie bei Ihrem Kooperationsangebot auf die Besonderheiten der Schule ein. Verfügt die Schule über einen Sportplatz oder Hallenzeiten für die AG? Was ist an Material vorhanden? Für Schulen ist es sehr wichtig, dass der AG-Leiter, neben der fachlichen Qualifikation, zuverlässig ist. Benennen Sie einen Vertreter, um Ausfälle kompensieren zu können. Ein wichtiger Hinweis zum Thema „Finanzierung“ (Übungsleiter-Honorar): Klären Sie gemeinsam mit der Schule, welche Gelder zur Verfügung stehen, um die Tätigkeit des Trainers zu entlohnen. Sowohl der Verein als auch die Schule können im Rahmen der Kooperation ggf. eine Förderung beantragen. Finanzielle Unterstützung bieten zum Beispiel:  Landesprogramme („Schule und Verein“ sowie „Talentsuche/Talentförderung“), Schul- und/oder Ganztagsbudgets, Kommunuale oder regionale Unterstützung (Stadt, Landkreis oder Sportkreis), Eigenmittel des Sportvereins, Förderverein der Schulen, Elternbeiträge (sollten die Ausnahme sein).

Schritt 5: Treffen Sie eine schriftliche Kooperationsvereinbarung
Erstellen Sie nun mit der Schule zusammen eine Kooperationsvereinbarung (Muster), in der sowohl inhaltliche als auch organisatorische Details schriftlich festgehalten werden.

Die Vereinbarung sollte folgende Punkte beinhalten:
  • Beginn und Dauer der Vereinbarung
  • Aufgaben der Partner
  • Zielsetzung der Zusammenarbeit
  • Umfang
  • Personal (Ansprechpartner, Übungsleiter, Vertretung)
  • Zeiten

Wenn die Vertreter von Schule und Verein die Kooperationsvereinbarung unterzeichnet haben, ist das eine Meldung auf der Vereinshomepage und in der lokalen Presse wert. Denn Ihre Zusammenarbeit soll von Beginn an auch in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden – das nutzt der Schule und Ihrem Verein!

Landesprogramm Schule & Verein 
Das Hessische Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen (HMKB) hat im April 2026 einen neuen Erlass zum Landesprogramm Schule & Verein verabschiedet. Damit gelten einige Änderungen für die Förderung von Kooperationen zwischen Schulen und Sportvereinen.

AG-Förderung
AG-Angebote werden zunächst für ein Jahr beantragt und bewilligt. Eine Fortsetzung ist anschließend unkompliziert für bis zu zwei weitere Jahre möglich. Die bisherige Festlegung auf eine dreijährige Förderung entfällt.

Die Förderung beträgt weiterhin bis zu 700 Euro pro Jahr. Diese Summe wird künftig bereits für ein Angebot von 45 Minuten pro Woche über 40 Schulwochen gewährt. AGs können weiterhin auch 60 oder 90 Minuten umfassen; eine höhere Förderung ist damit jedoch nicht verbunden.

Projektförderung
Neu ist die Möglichkeit, zeitlich begrenzte Kooperationen zwischen Schule und Verein zu fördern. Dazu zählen beispielsweise Projektwochen, kompakte Angebote innerhalb eines Schulhalbjahres oder Ferienprogramme mit einem Umfang von bis zu 20 Unterrichtsstunden. Dafür können bis zu 350 Euro beantragt werden.

Antragsfrist
Die reguläre Antragsfrist wird dauerhaft vom 15. April auf den 1. Mai verlängert. Darüber hinaus kann ein weiterer Antrag nach Beginn des Schuljahres gestellt werden, sofern nach der ersten Antragsfrist noch Fördermittel für das laufende Schuljahr zur Verfügung stehen.

Entscheidungsverfahren
Die bisherigen Programmgruppen werden aufgehoben. Über die Aufnahme neuer Projekte entscheidet künftig der bzw. die Generalist/in für den Schulsport des zuständigen Staatlichen Schulamtes. Vertreterinnen und Vertreter der Sportkreise können weiterhin in die Entscheidungsfindung einbezogen werden.

Der neue Erlass sowie die aktuellen Antrags- und Abrechnungsunterlagen stehen auf der Homepage des Landessportbundes Hessen zum Download bereit.


Landesprogramm Talentsuche & Talentförderung
Das Landesprogramm "Talentsuche & Talentförderung" ist ein Kooperationsprogramm des Hessischen Ministeriums für Kultus, Bildung und Chancen (HMKB) und des Landessportbundes Hessen (LsbH) mit seinen Landesfachverbänden. Es soll Kindern und Jugendlichen, die nach sportlichem Erfolg streben, einen verantwortungsvollen Einstieg in leistungsorientiertes Training ermöglichen. Von sportartübergreifender Förderung im Grundschulalter bis hin zu sportartspezifischer Förderung an weiterführenden Schulen kombiniert das Programm spezielle Trainingsmöglichkeiten mit besonderen pädagogischen Ressourcen zur Sicherung des schulischen Erfolgs. Das Landesprogramm ist in Hessen flächendeckend verankert und in die Regionalkonzepte der Sportfachverbände eingebunden. Die Maßnahmen werden auf der Ebene der Staatlichen Schulämter von den Schulsportzentren koordiniert und umgesetzt.

Informationen zum Programm, den beteiligten Sportarten, den Schulsportzentren in Hessen und weiteren Themen des Schulsports bietet die Talentbroschüre "Landesprogramm Talentsuche - Talentförderung" und die Seite http://talentfoerderung.info/wir-ueber-uns/konzept/


Förderprogramm "Sport für alle Kinder (Soforthilfe Kinderarmut)
Hessische Sportvereine, Sportkreise und Fachverbände können sich bei der Sportjugend Hessen um finanzielle Unterstützung für ihr Engagement gegen die Folgen von Kinder- und Jugendarmut bewerben. Zentrales Ziel der Sportjugend Hessen ist es, dass mehr Kinder aus einkommensschwachen Familien am Vereinsleben teilnehmen. Alle Kinder und Jugendlichen, auch die, deren Familien es sich finanziell nicht leisten können, sollen (weiterhin) im Sportverein aktiv sein können.


Kampagne "Sport bildet und bewegt in Schule und Verein"
Der Grundgedanke lässt sich in einem reduzierten Satz zusammenfassen: Wer Sport treibt und sich regelmäßig bewegt, lernt vieles und er lernt zudem vieles leichter! Auf diesen zwar bekannten, aber von vielen Menschen nicht wahrgenommenen Zusammenhang will der Landessportbund Hessen e.V. (lsb h) mit einer landesweit angelegten Kampagne aufmerksam machen. Mit unterschiedlichen Maßnahmen und Projekten soll das Bewusstsein der Bevölkerung auf die positiven Wechselwirkungen von Sport und Bildung gerichtet werden.


Gesundheitsfördernde Schule - Teilzertifizierung "Bewegung und Wahrnehmung"
Jede hessische Schule kann das Zertifikat „Gesundheitsfördernde Schule“ erwerben. Für das Erreichen des Gesamtzertifikats muss die Schule bestimmte Kriterien erfüllen - beispielsweise in den Bereichen Ernährungs- und Verbraucherbildung, Bewegung und Wahrnehmung, Sucht- und Gewaltprävention sowie ein eigenes gesundheitsbezogenes Profilelement (Umweltbildung, Verkehrserziehung oder die Gesundheit von Lehrerinnen und Lehrern).

Orientierungsplan „Leichtathletik im Ganztag“
Die Sportjugend Hessen startete im Jahr 2014 in Kooperation mit 22 hessischen Sportfachverbänden das Programm „Sportarten im Ganztag“. Zentrales Ziel war und ist bis heute die qualitative Weiterentwicklung von sportartbezogenen Kooperationsangeboten für den Nachmittag an Schulen. Im Rahmen dieses Programms erstellte der HLV unter anderem einen "Orientierungsplan" für die Sportart Leichtathletik im Ganztag. AG-Leitende finden Tipps für die sportartspezifische Praxis wie auch für den Umgang mit den veränderten Rahmenbedingungen in der Schule.
Download: Orientierungsplan "Leichtathletik im Ganztag" (PDF)

Broschüre "Schule und Sportverein - gemeinsam für einen bewegten Tag" und Positionspapier Sport im Ganztag
Die Zusammenarbeit von Vereinen und Schulen ist ein wichtiger Bestandteil des Schulalltags - insbesondere vor dem Hintergrund der Entwicklung zu mehr ganztägig arbeitenden Schulen. Der Landessportbund Hessen, die Sportjugend Hessen und das Hessische Kultusministerium sehen die sportliche Förderung von Kindern und Jugendlichen als ein gemeinsames Anliegen. Die Broschüre informiert über Chancen und Möglichkeiten der Kooperation von Schule und Sportverein und gibt Auskunft über die in diesem Zusammenhang geltenden Rahmenbedingungen.
Download: Schule und Sportverein - gemeinsam für einen bewegten Tag (PDF, 1.23 MB)
Download: Positionspapier Sport im Ganztag (PDF)

Kostenlose Broschüren des Deutschen Leichathletik-Verbandes (DLV)
Bestelladresse für die gedruckte Form der kostenlosen DLV-Broschüren: Deutscher Leichtathletik-Verband, Referat Jugend, Alsfelder Str. 27, 64289 Darmstadt; E-Mail: jugend@leichtathletik.de
Download: Ganztagsförderung – Der organisierte Sport im außerunterrichtlichen Sportangebot der Schule (PDF, 2.69 MB)
Download: Positionspapier des DLV zur Ganztagsförderung (PDF, 334 KB)

Informationsangebot der Sportjugend Hessen (SjH)
Die Sportjugend Hessen bietet auf seinen
Internetseiten viele weitere, umfangreiche Hilfestellungen und Informationen zum Thema "Schule und Sportverein" u.a. in folgenden Rubriken an: Ganztagsschulentwicklung in Hessen, Aus- und Fortbildungen "Sport im Ganztag", Kooperationsfeld Schule-Verein.
- Information zur Zusammenarbeit zwischen Sportvereinen und Schulen mit Ganztagsangeboten in Hessen
- Gelingensbedingungen einer Kooperation
- Muster für Kooperationsvertrag Schule - Sportverein

Projekt Kinderleichtathletik-Kooperationsschulen des HLV
Landesprogramm Schule & Verein

Erste Antragsfrist für AG- und Projektförderungen: 1. Mai

Download Antrags- und Abrechnungsdokumente (LsbH)