Teil 4: Die besten hessischen Leichtathletik-Initiativen im Corona-Jahr 2020
  16.03.2021 •     HLV , Breitensport


Wir bewegen Hessen – GEMEINSAM

Im Rahmen der HLV-Reporte beschäftigen wir uns in der Zeit der Corona-Pandemie speziell mit dem Breitensport. In dieser neuen Reihe stellen wir wöchentlich eine hessische Leichtathletik-Initiative vor.

 

Seit einem Jahr stellt die Corona-Pandemie die Welt auf den Kopf. Betroffen von den Einschränkungen sind alle Lebensbereiche, so auch der Sport, so auch die Leichtathletik in Hessen. Im Dezember vergangenen Jahres startete der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) eine Kampagne und suchte bundesweit „die beste Leichtathletik-Initiative im Corona-Jahr 2020“. Mit dieser Aktion wollte der DLV diejenigen in den Mittelpunkt rücken, die mit besonderem Engagement dafür gesorgt haben, dass die Leichtathletik weiter stattfinden konnte. Auch wenn wir uns Ende Februar 2021 schon wieder in einem Lockdown befinden, so hoffen wir, dass sich die allgemeine Situation schnell und nachhaltig verbessert und Leichtathletik – in welcher Form auch immer – wieder möglich sein wird.

Ihre Bewerbung hatten auch zahlreiche hessische Vereine eingereicht. Mit großem Einsatz und Kreativität hatten sich die Verantwortlichen Ideen ausgedacht, wie sie auf verantwortungsvolle Weise attraktive Bewegungsangebote auch unter erschwerten Bedingungen anbieten konnten. Es ist fantastisch zu sehen, welches Engagement von einzelnen Personen, Gruppen und Vereinen geleistet wird – und das von der kleinen bis zur großen Bühne.

Der HLV möchte über diese bemerkenswerten Initiativen berichten und in einer wöchentlichen Serie vorstellen. Sicherlich gab es noch viele weitere Initiativen hessischer Leichtathletikvereine. Das macht uns als Verband stolz und wir ermuntern dazu, auch zukünftig, sobald es wieder möglich ist, solche verantwortungsvollen Projekte anzubieten.

Im vierten Teil der Serie stellen wir die Praxisvideos von Dominic Ullrich vor. Ullrich ist Lehrertrainer und Leistungssportkoordinator an der Carl-von-Weinberg-Schule (CvW) in Frankfurt, einer „Eliteschule des Sports“. Mit seinen Praxisvideos als Trainingsideen in Coronazeit hat er einen Nerv getroffen – die Serien „HomeAthletics“ und „Training mit Abstand“ wurden und werden auf YouTube hoch frequentiert angeklickt.

Zu Beginn des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 wollte Dominic seinen geförderten Athleten Trainingsimpulse anbieten. So entstand das Format „HomeAthletics – Training zuhause“, kurze Videos zur einfachen Umsetzung von Training ohne Gruppe, ohne echte Sportstätten, mit einfachen Mitteln, gedacht als Motivation und Unterstützung einer eigenständigen Trainingsumsetzung. Im Laufe des Jahres machte es sich Ullrich zur Aufgabe, seinen und anderen Trainingsgruppen Beispiele an die Hand zu geben, wie ein methodisch-didaktisches Training mit einfachen Mitteln aussehen könnte, das in Gruppen organisiert werden kann, aber unter der Einhaltung der notwendigen Abstands- und Hygieneregeln. Das „Training mit Abstand – Praxisideen zum Training in der Gruppe“ war geboren.

Für Dominic Ullrich war der Umgang mit YouTube kein Neuland. Seit nunmehr vier Jahren stellt der Leistungssportkoordinator der CvW-Schule Praxisvideos unter dem Titel „Athletics and more“ auf der Videoplattform ein. Ursprünglich hatte er eine kleine Auswahl für die damalige Welttrainerkonferenz produziert, um die CvW-Schule als Eliteschule des Sports vorzustellen. Das Format stieß auf große Resonanz und zeigte national wie international einen immensen Bedarf auf. Also machte er weiter. Zunächst liefen die Clips im Rahmen von TrueAthletes@Home, der DLV-Initiative für Bewegung, Wissen und Gesundheit. Später lud er sie auf seiner eigenen YouTube-Präsenz hoch.

„Bei mir soll es keine Materialschlacht geben“, erklärt Ullrich seinen Beitrag zur Leichtathletikförderung. „Die Videos sollen leicht verständlich und selbsterklärend sein, deshalb sind sie auch ohne Sprache aufgenommen. Gefilmt wird im Umkreis der Schule und die Protagonisten kommen alle aus internen Trainingsgruppen angeschlossener Vereine der Sportfördergruppe.“ Und wer gedacht hat, die Produktion für Kamera, Ton und Schnitt benötige mehrere Personen, der irrt. Der Lehrertrainer ist sein eigenes Produktionsteam.

Die Clips von „HomeAthletics“ waren zwischen 30 und 120 Sekunden lang und wurden immer dienstags und donnerstags eingestellt. Das Premierenvideo mit dem Titel „Kräftigen in der Wohnung“ lief am 7. April 2020 und wurde bis heute 6.746 Mal aufgerufen. Die Klickzahlen der insgesamt 28 Teile lagen zunächst bei mehreren Tausend, gegen Ende immer noch im hohen dreistelligen Bereich. „Die Beteiligung in unseren Trainingsgruppen war sehr hoch“, schildert Ullrich die Reaktion auf das Angebot. Dieser digitale Weg der Kommunikation hat sich als erfolgreich und nachhaltig herausgestellt. Das liegt wesentlich am Format, das es schafft, die notwendige Eigeninitiative bei den Athleten*innen zu wecken.

„Die Praxisvideos "Training mit Abstand" sind als Ideengeber und Orientierung für andere Vereine und Trainingsgruppen gedacht, um gemeinsam fit zu bleiben und zu zeigen, dass vieles möglich ist.“ Die Serie läuft bis heute und umfasst mittlerweile 50 Folgen. Vom „Sprung- und Sprinttraining im Sand“, über das „Weihnachtsspringen“ bis zum „Kreativen Einsatz von Matten“ erstreckt sich die Themenvielfalt. Die Anregungen erscheinen drei Mal in der Woche und werden regelmäßig tausendfach angewählt. „Der Zuspruch ist enorm und spiegelt sich in relativ hohen Zugriffszahlen sowie erhöhten Abonnentenzahlen wider.“ Wenn das Interesse weiter so anhält, rechnet Ullrich im Herbst mit einer Abonnentenzahl von 10.000 für seinen Stammkanal „Athletics and more“.

Dass Dominic Ullrich mit seinen Videoclips eine gewisse Bekanntheit erreicht hat, merkt er ab und an, wenn er darauf angesprochen wird. „Neulich habe ich mit einem Kollegen aus Hamburg telefoniert und der meinte sofort: Ach, ihr seid doch die mit den coolen Videos.“ Inzwischen sind auch Hochschulen und Sportverbände auf ihn aufmerksam geworden und fragen sein Material an, verlinken es auf ihren Homepages oder nutzen es zur Planung von Trainingseinheiten oder als Lehrmaterial. Den Leichtathletikspezialisten erreichte sogar eine Anfrage aus Spanien für einen Online-Kongress, der bis Südamerika gestreamt wurde.

Das positive Feedback bestärkt ihn darin weiterzumachen und sein Format weiterzuentwickeln. „Aktuell beschäftigt mich die Frage, wie ich den normalen Weg umkehren kann und die Leute auch aktiv auf mich zugehen.“ Für seinen Geschmack könnte es noch mehr Interaktion mit den Usern geben. Ullrich möchte seine Videos „global verständlich“ halten: „Meine Maxime ist es, die Videos kurz zu halten, sie sollen unkompliziert und verständlich daherkommen, weiterhin ohne Sprache auskommen, sodass jeder schnell mal reinschauen und sich eine Übung abgreifen kann.“ Es soll auch mehr Struktur bei der Bereitstellung der Videos geschaffen werden, zum Beispiel in Form einer Kategorisierung. Allen Überlegungen liegt ein entscheidender Aspekt zugrunde, nämlich was aus Trainersicht interessant sein könnte.

Quellen: Dominic Ullrich

 

Alle HLV-Reporte können unter der Rubrik „Vereinsservice in Coronazeit“ auf der HLV-Homepage eingesehen werden.

Die nächste Folge erscheint Anfang April.

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