Teil 3: Die besten hessischen Leichtathletik-Initiativen im Corona-Jahr 2020
  10.03.2021 •     HLV , Breitensport


Wir Bewegen Hessen – GEMEINSAM

Im Rahmen der HLV-Reporte beschäftigen wir uns in der Zeit der Corona-Pandemie speziell mit dem Breitensport. In dieser neuen Reihe stellen wir wöchentlich eine hessische Leichtathletik-Initiative vor.

Seit rund einem Jahr stellt die Corona-Pandemie die Welt auf den Kopf. Betroffen von den Einschränkungen sind alle Lebensbereiche, so auch der Sport, so auch die Leichtathletik in Hessen. Im Dezember vergangenen Jahres startete der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) eine Kampagne und suchte bundesweit „die beste Leichtathletik-Initiative im Corona-Jahr 2020“. Mit dieser Aktion wollte der DLV diejenigen in den Mittelpunkt rücken, die mit besonderem Engagement dafür gesorgt haben, dass die Leichtathletik weiter stattfinden konnte. Auch wenn wir uns Ende Februar 2021 schon wieder in einem Lockdown befinden, so hoffen wir, dass sich die allgemeine Situation schnell und nachhaltig verbessert und Leichtathletik – in welcher Form auch immer – wieder möglich sein wird.

Ihre Bewerbung hatten auch zahlreiche hessische Vereine eingereicht. Mit großem Einsatz und Kreativität hatten sich die Verantwortlichen Ideen ausgedacht, wie sie auf verantwortungsvolle Weise attraktive Bewegungsangebote auch unter erschwerten Bedingungen anbieten konnten. Es ist fantastisch zu sehen, welches Engagement von einzelnen Personen, Gruppen und Vereinen geleistet wird – und das von der kleinen bis zur großen Bühne.

Der HLV möchte über diese bemerkenswerten Initiativen berichten und in einer wöchentlichen Serie vorstellen. Sicherlich gab es noch viele weitere Initiativen hessischer Leichtathletikvereine. Das macht uns als Verband stolz und wir ermuntern dazu, auch zukünftig, sobald es wieder möglich ist, solche verantwortungsvollen Projekte anzubieten.

Im dritten Teil der Serie stellen wir den „Virtuellen Silvesterlauf“ des Leichtathletikzentrums (LAZ) Gießen vor. Normalerweise „rollen“ bei dieser traditionsreichen Veranstaltung am letzten Tag des Jahres bis zu 900 Läufer*innen über die fünf und zehn Kilometer sowie die Halbmarathondistanz. Doch die Corona-Pandemie stellte die Verantwortlichen frühzeitig vor die Grundsatzentscheidung, ob die 48. Ausgabe am 31. Dezember 2020 überhaupt stattfinden sollte. „Eine Absage, wie so viele andere Läufe im Frühjahr und Sommer, wollten wir wenn irgend möglich verhindern“, sagt Projektkoordinator Jörg Theimer. „Also haben wir nach Alternativen gesucht, und da kam uns die Idee mit der virtuellen Ergebnisliste.“

Zwar blieben die drei klassischen Distanzen erhalten, die Streckenwahl konnte jedoch völlig individuell gestaltet werden. Die Teilnehmer*innen konnten ihren Lauf in der Zeit von 10 bis 14 Uhr absolvieren, wobei den Aktiven auch die Originalstrecke „Rund um den Schiffenberg“ zur Verfügung stand. Eine separate Wertung für (Nordic-) Walker wurde nach längerer Zeit wieder angeboten. Die Aufzeichnung erfolgte mit Hilfe einer Lauf-Uhr oder Lauf-App, wobei das Beweisfoto über einen Upload-Link zur Ergebnisauswertung transferiert wurde. Alle Teilnehmer*innen konnten sich eine Startnummer sowie eine Urkunde ausdrucken. Über dieses Basis-Paket hinaus bestand erstmalig die Möglichkeit, sich im Rahmen des Komfort-Pakets eine Finisher-Medaille mit zu buchen.

Die Organisatoren setzten bewusst einen Schwerpunkt im Konzept auf die sozialen Netzwerke. Theimer: „Die Idee war es, wenn es schon kein Gemeinschaftserlebnis gibt, dass die Läuferinnen und Läufer dann ein Teil des gesamten Events werden. Alle waren dazu aufgerufen Bilder- und Video-Postings oder andere kreative Ideen beizutragen.“ Die Ankündigung erfolgte maßgeblich über Facebook und Instagram, wobei sich schnell eine hohe Interaktionsbereitschaft zeigte. Zusätzlich nutzten die Organisatoren ihre sehr guten Kontakte zur Presse, nicht zuletzt, um auch die nicht so Internetaffinen abzuholen.

„Wir konnten wirklich nicht einschätzen, wie viele Teilnehmer wir aktivieren würden. Über die ersten 100 Anmeldungen haben wir uns sehr gefreut, aber von der Dynamik wurden wir dann doch überrascht. Über Mund-zu-Mund-Propaganda ist die Zahl der Anmeldungen kontinuierlich angestiegen und diese Erfolgswelle sind wir dann gerne geritten.“ Aber eines muss der Projektkoordinator zugeben: „Wir haben sehr viel Zeit in Werbemaßnahmen gesteckt. Das war wirklich viel Arbeit, aber der Aufwand hat sich gelohnt.“ Am Ende waren 783 Teilnehmer*innen registriert.

Die Veranstalter zeigten sich kreativ bei der Generierung neuer Zielgruppen. So wurde ein Team-Wettbewerb ausgerufen, der sich letztlich zu einer regelrechten Vereins-Challenge entwickelte. Hier stellte der Laufstall Weilburg ein mehr als 50-köpfiges Team. Als Anerkennung spendierte eine bekannte regionale Bierbrauerei ein 50-Liter Fass. In der Kategorie „Gassi gehen“ meldeten sich stolze 45 „Teams“ für die 2,5 Kilometer Runde an. „Das war wirklich so eine Fun-Idee“, so Theimer und ergänzt: „Da nimmst du den Hashtag „Hundeliebhaber“ und plötzlich folgen dir Dutzende Hundefans.“ Zudem hatten die Sponsoren zum ersten Mal die Möglichkeit, über ein Gewinnspiel kostenlose Startplätze zu verlosen.

Pünktlich um 10 Uhr am Silvestertag schickte Theimer die ersten Läufer auf die Originalstrecke. Zu diesem Zeitpunkt waren Zweiergruppen mit Abstand erlaubt. Sogar die Hessenschau berichtete über dieses Ereignis. Das Fazit von Jörg Theimer: „Wir haben durchweg positives Feedback bekommen. Das zeigt alleine die schier unendliche Zahl an Instagram-Beiträgen der Community. Auch technisch hat alles hervorragend funktioniert. Das waren so meine größten Bedenken. Außerdem haben nur zwei oder drei das Upload nicht geschafft.“ Auch über den Anteil von fast 50 Prozent Frauen freuten sich die Veranstalter. Bei Volksläufen liegt diese Quote in der Regel deutlich darunter. Acht Starter übermittelten ihre Ergebnisse aus dem Ausland. Die Ehrung der sieben Sieger fand konsequenter Weise auch virtuell statt.

Bei allen positiven Aspekten wollte es Theimer dennoch nicht versäumen darauf hinzuweisen, dass es bei einem solchen Format, auf Grund der unterschiedlichen Streckenprofile, keine echte Wettbewerbsgleichheit geben kann. Diese soll es am besten am Ende diesen Jahres wieder geben, wenn dann der 49. Silvesterlauf des LAZ Gießen stattfinden soll. „Vermutlich wird es eine Hybrid-Veranstaltung geben“, lässt Theimer durchblicken. „Ein gemeinschaftlicher Lauf mit 800 oder 900 Teilnehmern erscheint uns in der jetzigen Zeit unrealistisch. Vermutlich wird es eine Begrenzung geben. Also planen wir zum normalen Lauf zusätzlich wieder eine virtuelle Variante.“

Nebenstehend finden sich einige Bilder von Teilnehmer*innen, Instagram-Posts, ein Zeitungsausschnitt sowie Promotionsmaterial. Auf der Vereinshomepage, der offiziellen Internetseite des Events und dem eigenen Instagram-Account gibt es eine Fülle an sehenswerten Fotos, Impressionen und Videos zu sehen.

Quellen: LAZ Gießen

 

Alle HLV-Reporte können unter der Rubrik „Vereinsservice in Coronazeit“ auf der HLV-Homepage eingesehen werden.

Die nächste Folge erscheint am Dienstag, den 16. März.

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