Leichtathletik im Ganztag – Chancen der Kooperation zwischen Schule und Leichtathletik-Verein

Neben dem verpflichtenden Sportunterricht gewinnt der freiwillige Teil, nämlich der außerunterrichtliche Schulsport insbesondere in Zeiten der Ganztagsschulen immer mehr an Bedeutung. Sportarbeitsgemeinschaften, spezielle Schulsporttage oder auch Projektwochen sind hier beispielhaft aufzuführen.

Für Schulen und Vereine stellt der außerunterrichtliche Schulsport eine hervorragende Gelegenheit der gegenseitigen Zusammenarbeit dar, von der beide Seiten profitieren und die nicht ungenutzt bleiben sollte.

Dabei stehen die Chancen aber auch Herausforderungen der Kooperation von Ganztagsschule und Sportverein im Mittelpunkt. Nur gemeinsam kann es gelingen, die notwendigen Voraussetzungen zu schaffen, um die Grundlagensportart Leichtathletik in der Schule langfristig und nachhaltig zu sichern und weiterzuentwickeln. Von beiden Seiten - sowohl von denjenigen, die Verantwortung in den Schulen tragen als auch von denen, die die Leichtathletik mit Leben erfüllen - ist ein aufeinander Zugehen und eine breite Kompromissbereitschaft gefordert.

Wenn Sie noch keine Schulkooperation haben, sollten Sie handeln, denn Vereine mit einer Schulkooperation sind in der Regel für die Herausforderungen durch die demografische Entwicklung besser aufgestellt als Vereine ohne Schulpartnerschaft!

Es gibt vielfältige Gründe und Vorteile eine Kooperation mit einer Schule bzw. einem Leichtathletik-Verein abzuschließen:

·         Mitgliedergewinnung

·         Möglichkeit der Talentsichtung

·         Imageverbesserung

·         Möglichkeit der Sportstättennutzung von Schule bzw. Verein

·         Mitarbeitergewinnung (Sportlehrer bzw. Vereinsmitarbeiter/ Eltern)

·         Erfahrungsaustausch zwischen Sportlehrern und Trainern

·         Erweiterung der täglichen Bewegungszeit 

·         Leichtathletik als Ausgleich zum Schulalltag

Nachdem Sie den Nutzen und die Notwendigkeit einer Schulkooperation erkannt haben, gilt es, planmäßig und schrittweise vorzugehen, um von Beginn an ein positives Klima zu schaffen und den Verein als kompetenten Partner der Schule zu positionieren. Zögern Sie nicht, als Vereinsverantwortlicher die Initiative zu ergreifen und auf Schulen in Ihrer Nähe zuzugehen. Denn das Interesse für eine Zusammenarbeit besteht oft, es muss lediglich der erste Schritt gemacht werden.

FÜNF SCHRITTE ZU EINER KOOPERATION MIT DER SCHULE

Schritt 1: Vereinsinterne Prüfung: Ist eine Kooperation realisierbar?
Bevor Sie das Gespräch mit der Schule suchen, sollten Sie intern in Vorgesprächen klären, ob eine Zusammenarbeit realisierbar ist und ob man über Ressourcen verfügt, um die Zusammenarbeit aufrechtzuerhalten. Die Ziele der Kooperation sollten klar definiert und Verantwortlichkeiten festgelegt werden. Ein fester Ansprechpartner für die Schule ist genauso wichtig wie qualifizierte Trainer!

Schritt 2: Formulieren Sie ein Kooperationsprofil für ihren Verein
Starten Sie Ihre Kooperationsanfrage nicht unvorbereitet. Sie wissen nicht, wie genau Ihre Gesprächspartner in der Schule Ihren Verein bereits kennen. Meist wird auch nicht sofort eine Zusage gemacht, sondern die Schule will darüber beraten – oder der Sportlehrer will die Schulleitung und seine Fachkonferenz umfassend informieren. Deshalb ist es von Vorteil, wenn Sie vor dem ersten Treffen ein Kooperationsprofil formulieren und stichwortartig zu Papier bringen. Es sollte herausstellen, dass Ihr Verein der richtige Partner für die künftige Zusammenarbeit ist.

Inhalte eines Profils
  • Kurzbeschreibung des Vereins: Mitgliederzahl, Sparten, Zahl der Übungsleiter, Darstellung der Sportanlagen, Benennung des Vorstands und der Ansprechpartner.
  • Infos zur Leichtathletikabteilung: Trainings- und Wettkampfangebote für die verschiedenen Altersklassen, Anzahl und Qualifikation der Übungsleiter, Anzahl der aktiven Kinder und Jugendlichen. Ggf. weitere "Stärken" des Vereins herausstellen: z. B. Auszeichnungen, die der Verein erhalten hat, Nennung bereits bestehender Partnerschaften, jährliche Veranstaltungen.
  • Pädagogische/gesellschaftliche Zielsetzung Ihres Vereins: Betonen Sie, dass sich der Verein als „gesundheitsfördernder Bildungsort“ versteht, der den Kindern und Jugendlichen über die sportliche Ausbildung hinaus Werte und soziale Kompetenz vermitteln will.
  • Beschreibung des Kooperationswunsches/Kooperationsangebotes: Kurze Beschreibung dessen, was Sie von der Schule möchten und was Sie der Schule anbieten.


Schritt 3: Ergreifen Sie die Initiative: Gehen Sie auf die Schule zu

Jetzt können Sie auf eine Schule zugehen. Wagen Sie den ersten Schritt, und suchen Sie den Kontakt zur Schulleitung und der Fachkonferenz „Sport“! Im ersten Gespräch sollten alle relevanten Fragen geklärt und die Zielsetzungen von beiden Partnern vorgetragen werden. Gehen Sie gut vorbereitet ins Gespräch und nutzen Sie diese Gelegenheit, um die Vereinsarbeit zu präsentieren.

Schritt 4: Konkretisieren Sie ihren Kooperationswunsch
Mit den Ergebnissen des Erstgesprächs können nun der Umfang der Kooperation und die Leistungen der beiden Partner konkretisiert werden. Kernstück einer Schulkooperation ist immer eine von einem qualifizierten Vereinstrainer betreute Leichtathletik-AG. Die Ansprüche und Ziele von Schule und Verein sollen klar formuliert werden. Gehen Sie bei Ihrem Kooperationsangebot auf die Besonderheiten der Schule ein. Verfügt die Schule über einen Sportplatz oder Hallenzeiten für die AG? Was ist an Material vorhanden? Für Schulen ist es sehr wichtig, dass der AG-Leiter, neben der fachlichen Qualifikation, zuverlässig ist. Benennen Sie einen Vertreter, um Ausfälle kompensieren zu können. Ein wichtiger Hinweis zum Thema „Finanzierung“ (Übungsleiter-Honorar): Klären Sie gemeinsam mit der Schule, welche Gelder zur Verfügung stehen, um die Tätigkeit des Trainers zu entlohnen. Sowohl der Verein als auch die Schule können im Rahmen der Kooperation ggf. eine Förderung beantragen. Finanzielle Unterstützung bieten zum Beispiel: Landesprogramme, Sportkreis, Schulgelder, Förderverein der Schulen.

Schritt 5: Treffen Sie eine schriftliche Kooperationsvereinbarung
Erstellen Sie nun mit der Schule zusammen eine Kooperationsvereinbarung (Muster), in der sowohl inhaltliche als auch organisatorische Details schriftlich festgehalten werden.

Die Vereinbarung sollte folgende Punkte beinhalten:
  • Beginn und Dauer der Vereinbarung
  • Aufgaben der Partner
  • Zielsetzung der Zusammenarbeit
  • Umfang
  • Personal (Ansprechpartner, Übungsleiter, Vertretung)
  • Zeiten

Wenn die Vertreter von Schule und Verein die Kooperationsvereinbarung unterzeichnet haben, ist das eine Meldung auf der Vereinshomepage und in der lokalen Presse wert. Denn Ihre Zusammenarbeit soll von Beginn an auch in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden – das nutzt der Schule und Ihrem Verein!

  • Landesprogramm Schule - Verein
    Das "Landesprogramm zur Förderung der Zusammenarbeit von Schulen und Sportvereinen" wurde bereits 1992 ins Leben gerufen und im Jahr 2018 neu aufgelegt. Ziel ist die Schaffung einer kind- und jugendgerechten Freizeitgestaltung an Schulen, die partnerschaftliche Zusammenarbeit von Schulen und Sportvereinen sowie die „Öffnung der Schule“ im Rahmen freiwilliger Nachmittagsangebote.
    Das Programm bietet eine Hilfe für den Einstieg in die Kooperationsarbeit. Mit einer Anschubfinanzierung werden die ausgewählten Kooperationen für drei Jahre finanziell unterstützt. In diesem Förderzeitraum sollen die organisatorische und inhaltliche Zusammenarbeit installiert und Wege für eine weiterführende Finanzierung gefunden werden. Die Neuerungen, die gemeinsam von Vertretern des Landessportbundes Hessen, der Sportjugend Hessen und des Hessischen Kultusministeriums erstellt wurden, sind ab dem Schuljahr 2018/2019 in Kraft getreten. Dabei wurde u.a. die Anschubfinanzierung für neue Kooperationen auf 700 Euro im ersten Jahr, 700 Euro im zweiten Jahr und 700 Euro im dritten Jahr umgestellt, zudem steigt auch die Gesamtzahl geförderter Projekte.
    Anträge für Kooperationen können bis zum 15. April eines jeden Jahres an das jeweilige Staatliche Schulamt gestellt werden.
    Weitere Informationen zur Neuerung des Landesprogrammes sowie zum Antragsverfahren finden Sie auf den Internetseiten des Landessportbundes Hessen.

  • Talentsuche - Talentförderung
    Das Landesprogramm "Talentsuche - Talentförderung" ist ein Kooperationsprogramm des Hessischen Kultusministeriums und des Landessportbundes Hessen mit seinen Landesfachverbänden. Es soll Kindern und Jugendlichen, die nach sportlichem Erfolg streben, einen verantwortungsvollen Einstieg in leistungsorientiertes Training ermöglichen. Von sportartübergreifender Förderung im Grundschulalter bis hin zu sportartspezifischer Förderung an weiterführenden Schulen kombiniert das Programm spezielle Trainingsmöglichkeiten mit besonderen pädagogischen Ressourcen zur Sicherung des schulischen Erfolgs. Das Landesprogramm ist in Hessen flächendeckend verankert und in die Regionalkonzepte der Sportfachverbände eingebunden. Die Maßnahmen der Talentsuche und Talentförderung werden auf der Ebene der Staatlichen Schulämter von den Schulsportzentren koordiniert und umgesetzt.
    ⇒ Informationen zum aktuellen Aufbau des Programms (TAG, TFG und E-Kader), zu den beteiligten Sportarten und die Verteilung der Schulsportzentren und Nebenzentren in Hessen sowie weitere interessante Informationen zum Schulsport enthält die Talentbroschüre "Landesprogramm Talentsuche - Talentförderung" und können auf der Internetseite talentfoerderung.info/wir-ueber-uns/konzept/ abgerufen werden.

    ⇒ Zu den 8 LEICHTATHLETIK-TALENTSTÜTZPUNKTEN in Hessen
 
  • Gesundheitsfördernde Schule - Teilzertifizierung "Bewegung und Wahrnehmung"
    Jede hessische Schule kann das Zertifikat „Gesundheitsfördernde Schule“ erwerben. Für das Erreichen des Gesamtzertifikats muss die Schule bestimmte Kriterien erfüllen - beispielsweise in den Bereichen Ernährungs- und Verbraucherbildung, Bewegung und Wahrnehmung, Sucht- und Gewaltprävention sowie ein eigenes gesundheitsbezogenes Profilelement (Umweltbildung, Verkehrserziehung oder die Gesundheit von Lehrerinnen und Lehrern).
 
  • Sport für alle Kinder
    Die Sportjugend Hessen möchte mit diesem Förderprogramm erreichen, dass mehr Kinder aus einkommensschwachen Familien am Vereinsleben teilnehmen können. Alle Kinder und Jugendlichen, auch die, deren Familien es sich finanziell nicht leisten können, sollen (weiterhin) im Sportverein aktiv sein können. Dies gilt auch für minderjährige (begleitete und unbegleitete) Flüchtlinge. Möglich wird diese Förderung durch die Bereitstellung von Mitteln durch das Hessische Ministerium des Inneren und für Sport sowie durch Spendeneinnahmen.

Orientierungsplan „Leichtathletik im Ganztag“

Immer mehr Sportvereine kooperieren mit Schulen und bieten im Rahmen der Ganztagsbetreuung Sport- und Bewegungsangebote an. Zwei Drittel aller Kooperationsangebote sind sportartspezifisch. Daher startete die Sportjugend Hessen im Jahr 2014 in Kooperation mit 22 hessischen Sportfachverbänden das Programm „Sportarten im Ganztag“. Zentrales Ziel ist die qualitative Weiterentwicklung von sportartbezogenen Kooperationsangeboten für den Nachmittag an Schulen. Dafür sind gegenüber dem Vereinstraining veränderte inhaltliche Konzepte und Qualifizierungen notwendig. Im Rahmen dieses Programms hat der HLV sechs Schule-Vereins-Kooperationen auf den Weg gebracht, ein Fortbildungskonzept entwickelt sowie einen "Orientierungsplan" für die Sportart Leichtathletik im Ganztag erarbeitet. Hiermit möchte der HLV vor allem seinen Trainer/innen Tipps für die sportartspezifische Praxis wie auch für den Umgang mit den veränderten Rahmenbedingungen in der Schule geben.
Download: Orientierungsplan "Leichtathletik im Ganztag" (PDF, 3.67 MB)

 

Broschüre "Schule und Sportverein - gemeinsam für einen bewegten Tag" des Hessischen Kultusministeriums und des Landessportbundes Hessen e.V. 

Die Zusammenarbeit von Vereinen und Schulen ist ein wichtiger Bestandteil des Schulalltags - insbesondere vor dem Hintergrund der Entwicklung zu mehr ganztägig arbeitenden Schulen. Der Landessportbund Hessen, die Sportjugend Hessen und das Hessische Kultusministerium sehen die sportliche Förderung von Kindern und Jugendlichen als ein gemeinsames Anliegen. Die Broschüre informiert über Chancen und Möglichkeiten der Kooperation von Schule und Sportverein und gibt Auskunft über die in diesem Zusammenhang geltenden Rahmenbedingungen.
Download: Schule und Sportverein - gemeinsam für einen bewegten Tag (PDF, 1.23 MB)

 

Kostenlose Broschüren des DLV

Bestelladresse für die gedruckte Form der kostenlosen DLV-Broschüren: Deutscher Leichtathletik-Verband, Referat Jugend, Alsfelder Str. 27, 64289 Darmstadt; E-Mail: jugend@leichtathletik.de

Download: Ganztagsförderung – Der organisierte Sport im außerunterrichtlichen Sportangebot der Schule (PDF, 2.69 MB)
Download: Positionspapier des DLV zur Ganztagsförderung (PDF, 334 KB)

 

Informationsangebot der Sportjugend Hessen

Die Sportjugend Hessen bietet auf seinen Internetseiten viele weitere, umfangreiche Hilfestellungen und Informationen zum Thema "Schule und Sportverein" u.a. in folgenden Rubriken an: Ganztagsschulentwicklung in Hessen, Aus- und Fortbildungen "Sport im Ganztag", Kooperationsfeld Schule-Verein. Zu den Internetseiten der Sportjugend Hessen wechseln.

Download: Information zur Zusammenarbeit zwischen Sportvereinen und Schulen mit Ganztagsangeboten in Hessen (PDF, 215 KB)
Download: Muster für Kooperationsvertrag Schule - Sportverein (DOC, 31 KB)