Weltrekord! TSV Friedberg-Fauerbach läuft eine Marathon-Staffel in 1:37:47 Stunden
  24.09.2017


Cheforganisator Holger Beims hatte sich wenige Tage vor dem Weltrekordversuch eine Zerrung zugezogen, aber diesen Moment ließ er sich nicht nehmen. Etwas unrund sprintend, mit seiner Tochter Greta an der Hand, überquerte er die Ziellinie auf dem Friedberger Burgfeld: Der TSV Friedberg-Fauerbach hatte den anvisierten Weltrekord im Marathonlauf deutlich geknackt, schon nach 1:37:47 Stunden konnte die Staffel jubeln. 65 Läufer hatten sich unter der Federführung von Beims zum Ziel gesetzt, im Team schneller zu sein als der Weltrekord des Kenianers Dennis Kimetto. Also schneller als 2:02:57 Stunden, erzielt vor drei Jahren beim Berlin-Marathon. <ENDE/>
Beims hatte die Idee vor rund einem Jahr, als sein alter Verein aus Bremen mit 25 Läufern 1:53 Stunden gelaufen war. „Diese Zeit wollten wir auf jeden Fall knacken.“ Eine Anfrage beim Guinness Buch der Rekorde ergab jedoch, dass ein Eintrag nur bei einer Staffel mit höchstens vier Läufern möglich sei. So stellte Beims die Regeln selbst auf - mit dem Ziel, quasi zum Spaß schneller zu sein als sein Ex-Verein. Heraus kam eine Mammut-Staffel: 65 Läufer liefen in 280 Abschnitten die 42,195 Kilometer. Jeder Läufer legte 100 oder 200 Meter zurück, und das bis zu acht Mal. „Wir hatten Athleten zwischen elf und 62 Jahren dabei. Je nach Alter und Leistungsstand habe ich die Einteilung vorgenommen“, erzählt Beims.

Dabei konnte er auf nahezu alle Leistungsträger aus dem Verein zurückgreifen. In allen Altersklassen. Selbst die Jüngsten - rund zwei Drittel der Athleten waren höchstens 16 Jahre alt - gehören im Kreis oder in der Region zu den Schnellsten, einige haben schon auf hessischer Ebene Erfolge gefeiert. Aus den Reihen der Aktiven und älteren Jugendlichen bildeten Athleten wie die süddeutschen Staffelmeister Lars Hieronymi und Gordon Porsch, die komplette süddeutsche Silbermannschaft über 4x400 Meter der Männer (Clint Dotzert, Manuel Christof, Robin Flach, Nils Eckhardt) und die Mädels Abike Tabel und Anna Hülsmann die Leistungsträger. Außerdem dabei: die deutschen Seniorenmeister Ulrike Steinhaus und Monika Rieschel, der ehemalige deutsche Marathonmeister Philipp Ratz, der ehemalige hessische Marathonmeister Benedikt Heil und weitere schnelle (Lang-)Sprinter wie Sven Vesmanis, Karim El-Malki und Till Helmke.
Der 33-jährige Helmke nahm an zwei Olympischen Spielen teil und ist über 200 Meter noch immer Sechstbester der ewigen deutschen Bestenliste. „Ich habe einige Tage vor dem Weltrekord mal wieder 200-Meter-Intervalle trainiert und gesehen, dass es nicht mehr so leicht geht wie früher. Aber ich wollte natürlich unbedingt dabei sein.“ Mittlerweile ist Helmke HLV-Vizepräsident Jugend und kämpft im Amateur-Volleyball um Punkte und Siege. Der Familienvater hatte auch beim letzten seiner sechs „200er“ sichtlich Spaß, auch wenn die Beine schwer geworden waren.

Ratz ist indes der einzige Läufer, der aus der Guinness-Rekordstaffel von 1998 übrig geblieben ist. Vor 19 Jahren schaffte es der TSV in das offizielle Weltrekord-Buch, als man über 100x1.000 Meter so schnell lief wie kein Verein zuvor. Der Langstrecklenläufer rannte seinerzeit zehnmal den Ein-Kilometer-Abschnitt. In der Marathonstaffel waren es „nur“ sechsmal 200 Meter. „Aber das kann genauso anstrengend sein, wenn man nicht mehr so regelmäßig kurze Intervalle läuft.“
Die Zwischenzeiten deuteten relativ schnell auf eine Verbesserung der Zeit von Beims’ Ex-Verein hin, hatte er doch relativ konservativ kalkuliert. In unter 14 Sekunden legten die TSVler die 100 Meter im Schnitt zurück, das dürfte nur von wenigen Vereinen in Deutschland mit einem Starterfeld dieser Altersstruktur zu knacken sein.