Melat Yisak Kejeta deutsche Staatsbürgerin
  19.03.2019 •     Leistungssport


Das lange Warten hat ein gutes Ende gefunden: Melat Yisak Kejeta ist deutsche Staatsbürgerin. Der 26-jährigen Langstrecken- und Halbmarathonläuferin vom Laufteam Kassel wurde im Baunataler Rathaus die offizielle Urkunde ausgehändigt. „Ich freue mich sehr, dass ich nun endlich Deutsche bin“, sagte die gebürtige Äthiopierin, die in den vergangenen Jahren im Trikot von Grün-Weiß Kassel sportliche Erfolge gesammelt hat.

Für Melat Yisak Kejeta schließt sich damit ein Kreis. Denn sie wird fortan offiziell als Deutsche in den DLV-Bestenlisten geführt. „Ich bin so froh, dass ich nun endlich wieder Meisterschaften laufen darf“, sagt sie. 2016 war sie in Hamburg deutsche Meisterin über 10 Kilometer geworden, anschließend änderte der DLV die Regeln und nur Läufer/innen mit einem deutschen Pass konnten nationale Titelträger werden. Der deutsche Startpass für einen deutschen Verein reichte nicht mehr. Was auch dazu führte, dass die Wahl-Nordhessin seither auf Straßenläufe ausweichen musste.

In den Fokus einer breiteren Öffentlichkeit war Melat Yisak Kejeta Ende März 2018 gerückt, als sie beim Halbmarathon in Venlo (Niederlande) mit 1:08:41 Stunden gestoppt wurde. Die offizielle DLV-Jahresbestenliste führt Alina Reh an, sie war fast eine Minute langsamer. Die Ulmerin wird sich künftig auch im 10 Kilometer Straßenlauf mit der neuen Konkurrenzsituation auseinandersetzen müssen. 2018 führt Alina Reh mit 31:23 Minuten das Ranking an, Melat Yisak Kejeta wurde in Venlo mit 31:41 Minuten gestoppt. Die deutschen Rekorde sind über beide Distanzen nicht utopisch weit entfernt: Irina Mikitenko (TV Wattenscheid) lief im Jahr 2008 30:57 Minuten, die Berliner Uta Pippig im Jahr 1995 1:07:58 Stunden.

Gemeinsam mit ihrem Trainer und Förderer Winfried Aufenanger sind die Planungen auf das Olympia-Jahr 2020 ausgerichtet. Um dort im Marathonrennen für Deutschland an den Start gehen zu können, will sich Melat Yisak Kejeta im nächsten Herbst qualifizieren - auf der Weltrekordstrecke in Berlin, wo sie ihr Debüt über 42,195 Kilometer geben wird.     

Melat Yisak Kejeta war vor sechs Jahren aus ihrer Heimatstadt Achebe über Umwege nach Deutschland gekommen. Ihr Vater hatte in Äthiopien erhebliche Probleme mit der politischen Situation; seine Tochter sollte gegen ihn aussagen, weigerte sich aber. Nach einem Wettkampf in Italien kehrte die junge Läuferin nicht zurück. Die Flucht führte sie von Italien über Dortmund in die Hessische Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Gießen. Melat Yisak Kejeta schloss sich zunächst der LG Eintracht Frankfurt an und kam anschließend nach Kassel, wo ihr großes Talent erkannt wurde. Mit Ehemann Rafael wohnt sie in Baunatal.


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