Hessisches Quintett in Sachsen-Anhalt unterwegs - Rebekka Haase gewinnt die 100 Meter, Michael Pohl beendet die Saison mit einem dritten Platz
  10.09.2020 •     Leistungssport , Wettkampfsport


Maryse Luzolo machte es spannend. Die Weitspringern vom Königsteiner LV begann den Wettkampf beim „22. Anhalt-Meeting“ gleich mal mit zwei ungültigen Versuchen. Da aber neun Athletinnen am Start waren, musste eine Springerin nach dem Vorkampf ausscheiden. Die KLVlerin war es dann aber nicht, sie lieferte im dritten Durchgang eher schwache 6,02 Meter ab. Das reichte für drei weitere Versuche. Das vorzeitige „Aus“ ereilte Merle Homeier (LG Göttingen), mit der sich Maryse in dieser Saison schon diverse Duelle geliefert hatte.

Das Finale läutete Luzolo dann mit 6,21 Metern ein. „Das war schon besser, aber trotzdem nicht so richtig gut. Ich habe in letzter Zeit ein paar technische Probleme. Bei einigen Sprüngen war der Anlauf gut, dann habe ich aber den Absprung oder die Landung versemmelt. Gerne hätte ich gezeigt, dass ich deutlich mehr kann. Nach den beiden ungültigen Sprüngen war es jedoch schwierig, wieder richtig in die Spur zu kommen. Besonders in diesem hochkarätigen Feld“, analysiert Luzolo den Wettkampf in Sachsen-Anhalt.

Absolut hochklassig war dann auch die Siegesweite in Dessau. Weltmeisterin Malaika Mihambo (LG Kurpfalz) ging das Springen, übrigens aus einem verkürzten Anlauf, ruhig an und steigerte sich kontinuierlich. Deutschlands „Sportlerin des Jahres“ begann mit 6,53 Metern, denen 6,60 und 6,63 Meter folgten. Im fünften Durchgang flog Mihambo dann auf überragende 7,03 Meter. Damit löste sie Nastassia Mironchyk-Ivanov (bisher 6,93 m) von der Spitze der Weltjahresbestenliste ab. Die Weißrussin war auch am Start und belegte mit 6,72 Metern den dritten Platz. Maryna Bekh-Romanchuk (UKR), die Vizeweltmeisterin von Doha, rückte Mihambo mit 6,85 Metern noch ein wenig auf die Pelle, konnte sie aber nicht mehr von der Spitze verdrängen.

„Ich habe jetzt noch einen Wettkampf am Wochenende in Berlin, dann endet für mich die Saison und es folgen rund drei Wochen Sportpause. In den Urlaub geht’s aber nicht, da bei mir dann wieder das Biologie-Studium mehr in den Fokus rückt. In nächster Zeit muss ich einige Projekte im Chemie-Labor erledigen“, verrät Sammert-Schützling Maryse Luzolo. Seit sechs Jahren sind die beiden ein sportliches Paar, auch während der schweren Verletzung und der damit verbundenen zweijährigen Pause. In dieser Saison meldete sich die KLV-Springerin mit gleich zwei deutschen Vizemeisterschaften (Halle und Freiluft) eindrucksvoll zurück. Als Saisonbestmarke konnten 6,53 Meter notiert werden und Bundestrainer Uli Knapp (Saarbrücken) hatte bei einer Wettkampfanalyse sogar einen (leider ungültigen) Sprung bei 6,65 Metern gemessen.

Das Hauptprogramm vor 1000 begeisterten Zuschauern im „Paul-Greifzu-Stadion“ wurde mit den Vorläufen der Frauen über 100 Meter eingeläutet. Im ersten Rennen machte Rebekka Haase (Sprintteam Wetzlar) als Siegerin mit 11,26 Sekunden die Teilnahme am A-Finale klar. Im zweiten Vorlauf machte sich Malaika Mihambo in 11,59 Sekunden „warm“, verzichtete dann wegen der noch anstehenden Weitenjagd auf den Endlauf. Hier hatte dann erneut Rebekka Haase die Nase vorne und wiederholte mit 11,26 Sekunden ganz genau ihre Leistung aus der ersten Runde. Auf den nächsten Plätzen folgten Lisa Nippgen (MTG Mannheim/11,32 sec.) sowie Lisa-Marie Kwayie (Neuköllner Sportfreunde/11,40 sec.).

Bei den Männern ging Michael Pohl (Sprintteam Wetzlar) genau in der Bahn neben Shooting-Start Denis Almas (VfL Wolfsburg) in den Startblock. Der Mann aus der Autostadt gewann dann erwartungsgemäß (10,24 sec.) vor dem Hessen (10,44 sec.). Beide trafen eine knappe Stunde später um 19.25 Uhr, mittlerweile war es bereits recht frisch geworden, erneut aufeinander. Almas steigerte sich zwar auf 10,18 Sekunden, was aber nicht für den Tages-Sieg ausreichte. Den holte sich Außenseiter Yupun Abeykoon Mudiyanselage, der mit 10,16 Sekunden einen neuen Rekord für Ski Lanka aufstellte. Als Dritter beendete Michael Pohl in 10,41 Sekunden seine Saison. „Das war’s. Trotz der Corona-Krise war es eine recht lange Saison mit doch einigen Starts. Zudem habe ich neben dem Leistungssport in diesem Jahr sechs wichtige Scheine fürs Studium erfolgreich abgehakt. Das gibt mir nun etwas Luft für die nächste Saison. Dann möchte ich besonders mit der Staffel nochmals richtig durchstarten“, berichtet der Deutsche Meister von 2019.

Über 800 Meter trugen sich an der Spitze die beiden Kenianer Evans Kichumba (1:48,06 min.) und sein Landsmann Boaz Kiprugut (1:48,19 min.) in die Siegerliste ein. Das Podium komplettierte der Niederländer Maarten Pflaum (1:48,77 min.) als Vierter folgte in 1:48,98 Minuten Dennis Biederbick (LG Eintracht Frankfurt). Vereinskollege Marvin Heinrich, sonst eher über die 1500 Meter im Einsatz, lieferte als Sechster mit 1:49,83 Minuten eine neue Saisonbestzeit ab.

Sprünge im Bereich der zwei Meter sieht man bei Meetings in Deutschland auch nicht alle Tage. In Dessau gelang das den beiden mit jeweils 2,00 Metern führenden Springerinnen in der Weltbestenliste. Yulia Levchenko (Ukraine/1.) und Landsfrau Yaroslava Mahuchikh (2.) flogen beide bei 1,96 Metern über die Latte und verbesserten damit den Stadionrekord (1,92 m). Beim Springen mit dem Stab glänzten der Pole Piotr Lisek (5,80 m) und der US-Amerikaner Christopher Nilsen (5,70 m). Im Speerwerfen fing Johannes Vetter (LG Offenburg) mit seinem letzten Wurf auf 86,17 Meter noch den Moldawier Andrian Mardare (84,41 m) ab. Viel Beifall gab es auch für den klaren Sieg von Hürden-Europameisterin Elvira Hermann (BLR) mit guten 12,85 Sekunden.