3. Tag Hallen-Europameisterschaften in Torun: Kevin Kranz sprintet über 60 Meter zu Silber, Teamkollege Michael Pohl schrammt am Sprint-Finale vorbei - Gesa-Felicitas Krause ist mit ihrem achten Platz über 1500 Meter nicht zufrieden
  09.03.2021 •     Leistungssport , Wettkampfsport


Am dritten Tag der kontinentalen Titelkämpfe betraten die „schnellen Männer“ den Tartanbelag in der „Torun-Arena“. Unter den 65 Aspiranten für die drei Zwischenläufe befanden sich auch Kevin Kranz und Michael Pohl (beide Sprintteam Wetzlar). Im vierten von neun Vorläufen musste Pohl in den Startblock gehen. Die beiden jeweils schnellsten Sprinter in jeden Lauf war sicher in den Semi-Finals, sechs weitere Plätze wurden über die Zeitregel vergeben. Michael Pohl, der mit einer Zeit von 6,60 Sekunden angereist  war, kam nicht so richtig in Fahrt. Am Ende leuchteten passable 6,72 Sekunden und ein dritter Platz auf der großen Anzeigetafel auf. An der Spitze machten Stanislav Kovalenko (UKR) mit 6,67 Sekunden (Bestzeit) und nur ganz knapp dahinter der Portugiese Carlos Nasciemto (6,68 sec.) auf Anhieb die nächste Runde klar. Der Mann vom Sprintteam Wetzlar musste also Zittern, ob es reichen würde. Und es sollte wirklich eine enge Angelegenheit werden. „Ich kann mir das gerade ehrlich gesagt überhaupt nicht erklären, zufrieden bin ich nicht. Ab 20 Meter lief es nicht mehr. Körperlich ist eigentlich alles okay, ich kann es mir einfach nicht erklären“, fasste Pohl seinen ersten Auftritt in Torun zusammen.

Im letzten Vorlauf zeigte Titelfavorit Kevin Kranz einen souveränen Lauf. Nach einem guten Start konnte der deutsche Meister sogar ein wenig austrudeln lassen, um mit 6,61 Sekunden vor Oleksandr Sokolov (UKR/6,66 sec.) die Pflichtaufgabe abzuhaken. Nach der Auswertung aller Läufe war dann auch klar, dass es Teamkollege Michael Pohl geschafft hatte. Er sicherte sich als letzter Sprinter über die Zeitregel einen weiteren Start. Nur 0,01 Sekunden langsamer und die EM wäre für ihn schon früh beendet gewesen.

Nach knapp drei Stunden ging es dann mit den Zwischenläufen weiter und erneut musste Pohl zuerst ran. Der 29-Jährige konnte sich gegenüber der ersten Runde zwar um 0,05 Sekunden steigern, doch die 6,67 Sekunden (Platz 4) sollten nicht reichen. Hier siegte der Brite Andrew Robertson vor Kojo Musah (DEN/6,63 sec.). Über die Zeit wären 6,62 Sekunden für Finale nötig gewesen.

„Nach dem Vorlauf war es sehr schwierig, weil ich 30 Minuten warten musste, bis ich wusste, dass es für das Halbfinale reicht. Das war eine Zitterpartie. Jetzt im Halbfinale habe ich mein Bestes gegeben, langsam ist das Saison-Ende erreicht und ich bin sehr müde. Daher bin ich froh, dass ich doch noch im Halbfinale stand. Selbst wenn ich etwas schneller gelaufen wäre, hätte es nicht fürs Finale gereicht. Das wäre heute definitiv nicht möglich gewesen. Ich hatte insgesamt etwa 18 Rennen in der Hallen-Saison, das heute war nur eine Zugabe“, so der Frankfurter im Wetzlarer Trikot.

Kevin Kranz ließ in seinen Rennen keine Zweifel aufkommen, dass er zu den klaren Anwärtern auf Edelmetall gehört, obwohl er nach 6,58 Sekunden ganz knapp dem Slowenen Jan Volko (6,57 sec.) den Vortritt lassen. „Ich bin als Schnellster angereist, das ist eine Drucksituation. Aber ich nehme das recht entspannt, da ich generell nicht der Typ bin, der sich viel Druck macht. Das Rennen war nicht so gut, ich kann auf jeden Fall noch schneller laufen. Ich bin gut drauf. Mir haben zwar zwischenzeitlich mal drei, vier Wochen verletzungsbedingt gefehlt. Aber das haben wir gut kompensiert bekommen. Jetzt bin ich topfit, deswegen läuft es gerade recht locker. Wenn ich locker laufe, ist es immer sehr schnell. Für das Finale ist meine Erwartung ganz klar zu gewinnen. Ich bin nicht hergekommen, um Zweiter oder Dritter zu werden“, gab sich der 22-Jährige Frankfurter selbstbewusst.

Kurz vor 21 Uhr war dann Showtime - Finale! Hier kam der Italiener Lamont Marcell Jacobs gut aus dem Block, beschleunigte überragend, zeigte allen Gegnern problemlos die Hacken und holte mit der neuen Weltjahresbestzeit von 6,47 Sekunden den Titel. Beim Kampf um Silber setzte sich Kranz in 6,60 Sekunden ganz knapp gegen Volko (6,61 sec.) durch.

„Auch wenn ich Bestzeit gelaufen wäre, hätte ich hier heute nicht gewonnen. Deswegen kann ich mich über den zweiten Platz nicht beschweren. Ich wäre natürlich gerne etwas schneller gelaufen, aber jetzt bin ich erstmal glücklich. Nach meinem Drüsenfieber hatte ich für die Hallen-Saison eine gute Vorbereitung. Dann hatte ich aber zwischenzeitlich drei Wochen, in denen ich viel Training verloren habe, weil ich Beuger- und Kniekehlen-Probleme hatte. Vor der Hallen-DM konnte ich zum Glück nochmal eine Woche länger trainieren und jetzt auch nochmal eine Woche. Von daher bin ich topfit hierhergekommen und kann sagen, dass ich endlich wieder da bin. Die Hallen-EM und der zweite Platz ist ein wichtiger Step auf dem Weg zu den Olympischen Spiele und vor allem für die Rangliste. In der Beschleunigung bin ich gut dabei, aber mir fehlt es im Moment eindeutig an längeren Läufen. Das muss ich nachholen, sonst werde ich auf 100 Metern nicht sehr schnell sein. Bei den Olympischen Spielen hat dann der Einzelstart über 100 Meter oberste Priorität, aber auch die Staffel ist wichtig. Ob ich über 200 Meter starten werde, weiß ich noch nicht“, verriet der deutsche Rekordhalter gegenüber leichtathletik.de

Die 1500 Meter der Frauen waren ein typisches Meisterschafts-Finale mit eher langsamen Durchgangszeiten, keine der neun Athletinnen wollte irgendwie für eine flotte Fahrt sorgen. Nach 1:15,96 Minuten bei den 400 Metern, 2:30,43 Minuten an der 800er-Marke und 3:04,02 Minuten bei 1000 Metern war klar, dass hier nur „auf Platzierung“ gelaufen wurde. Gesa-Felicitas Krause (Dillenburg) war bis 1200 Meter gut dabei, dann ging aber ein Ruck durchs Feld und die Hindernisspezialistin konnte in der entscheidenden Phase nicht mitgehen und musste abreißen lassen. Am Ende stand nach 4:24,26 Minuten ein achter Platz zu Buche. Als es in die letzte Runde ging, lag Hanna Klein (LAV Stadtwerke Tübingen) weit entfernt von einer Edelmetall-Position. Dank starken 30 Sekunden auf den finalen 200 Metern erkämpfte sich Klein aber noch Bronze.

„Mir fällt es gerade schwer, das Rennen in Worte zu fassen. Es war nicht das, was ich heute erwartet habe und was meine Ansprüche waren. Ich wollte offensiver laufen, bin aber fest geworden, als es zur Sache ging. Ich konnte hinten raus nicht voll anziehen. Dabei war ich Vorlauf hinten raus ja megaschnell, so wie auch schon bei den Deutschen Meisterschaften. Heute hat hinten raus die Kraft gefehlt, ich konnte nicht umschalten. Das ist frustrierend, weil mir solche Rennen eigentlich liegen. Im Großen und Ganzen bin ich nicht unzufrieden mit meiner Hallensaison. Heute Morgen habe ich noch gesagt: ‚Das Beste kommt zum Schluss!‘ Aber dann war es die schlechteste Leistung, die ich in der Hallensaison gebracht habe. Hanna hat ja gezeigt, was auf der letzten Runde noch möglich ist, selbst wenn man weit zurückliegt“, berichtet Krause, die bereits am Mittwoch für zwei Monate ins Trainingslager in die USA fliegt.