Mehrkampf-Gold für Bechmann und Grimm - hessisches Duo überzeugt bei den Titelkämpfen in Leverkusen
  05.02.2020


Was für ein souveräner Auftritt von Andreas Bechmann. Der Athlet im Trikot der LG Eintracht Frankfurt beherrschte das Geschehen bei den deutschen Hallen-Mehrkampf-Meisterschaften in Leverkusen nach Belieben, verteidigte seinen Titel aus dem Vorjahr erfolgreich und krönte eine beeindruckende Vorstellung im Siebenkampf mit der neuen deutschen U23-Bestmarke von 6097 Punkten.

Der 20-jährige Student stieg gleich glänzend in den Wettkampf ein und lieferte gleich zum Auftakt mit 6,96 Sekunden seine beste Zeit im Rahmen eines Siebenkampfes ab. Mit dem Top-Resultat von 7,50 Metern bei der Weitenjagd, eine Leistung die aktuell bundesweit Rang fünf bei den reinen Sprung-Spezialisten bedeutet, ging es weiter. Bereits hier war klar, dass der deutsche U23 Rekord von Luca Wieland (LAZ Saar 05 Saarbrücken/6089 Pkt.) wackeln könnte. Beim Kugelstoßen markierte Bechmann starke 14,26 Meter und blieb damit lediglich acht Zentimeter unter seiner PB.

Beim Warmmachen für den Hochsprung knickte der Eintrachtler dann mit dem Sprungbein um. Sascha Turek, Physiotherapeut am Bundesstützpunkt in Frankfurt, versorge Andreas noch direkt auf der Anlage und legte einen stützenden Tapeverband an. Trotz dies schmerzhaften Malheurs stieg Bechmann erst bei 1,91 Meter in den Wettkampf ein, ließ dann die 1,94 Meter aus und meisterte die nächsten vier Höhen allesamt im ersten Versuch. Bei den dann aufgelegten 2,09 Metern (neue Bestleistung) klappte es im zweiten Durchgang. Die hervorragenden 3463 Punkte des Titelverteidigers bedeuteten bei „Halbzeit“ ein satten Vorsprung von 280 Zählern auf Nico Beckers (Aachener TG).

Der zweite Tag wurde mit den 60 Meter Hürden eingeläutet. Mit den gezeigten 8,43 Sekunden war der Schützling von Erfolgscoach Jürgen Sammert aber nicht zufrieden, obwohl er ganz Nah in den Bereich seiner erst eine Woche alten Bestzeit von 8,37 Sekunden kam. Beim Stabhochsprung schwang sich der Bundeskaderathlet über glatte fünf Meter, wobei in dieser Disziplin noch mehr drin ist. Nach der Addition der bisherigen sechs Disziplinen war klar, dass Bechmann die abschließenden 1000 Meter unter 2:43 Minuten laufen muss, um den deutschen Rekord zu knacken. Gleich nach dem Start der fünf Hallenrunden setzte sich Bechmann an die Spitze des Feldes, kämpfte bis zum letzten Meter und lieferte letztendlich mit 2:42,37 Minuten ein Punktlandung ab und verbesserte mit seinen 6097 Punkten den Rekord aus dem Jahr 2016 und acht Zähler.

Im Freien peilt der Fünfte der Hallen-EM von Glasgow (2019) beim Zehnkampf eine Leistung von 8500 Punkten oder mehr an. Der erste große Wettkampf gegen internationale Konkurrenz ist beim Hypobank-Meeting in Götzis/AUT geplant. Die Olympianorm für Tokio notiert übrigens bei strammen 8350 Punkten. Neben Tokio gibt es ja auch noch die Europameisterschaften Ende August in Paris, um sich international in Szene zu setzen. Mit von der Partie war bei den Männern in Leverkusen ich noch Martin Kratz (TV Gelnhausen), der nach einem Einfädeln im Hürdenlauf jedoch mehrere hundert Punkte verschenkte und sich am Ende der zwei Tage mit 4373 Zählern auf Position sechs wiederfand.

Durch Vanessa Grimm ging auch der Titel bei den Frauen nach Hessen. Die Athletin im Trikot des Königsteiner LV hatte mit der neuen Hürdenbestzeit  von 8,63 Sekunden (eine Steigerung von rund 0,15 Sekunden) einen tollen Auftakt. Nachdem Anna Maiwald (Bayer Leverkusen) wegen Problemen mit der Achillessehne zu den weiteren Disziplinen nicht mehr antrat, befand sich die Hessin plötzlich die Führungsrolle. Beim Hochsprung meisterte Grimm beginnend mit 1,60 Metern allen Höhen bis einschließlich 1,69 Meter gleich im ersten Versuch. Die 1,72 Meter klappen dann im zweiten Durchgang, während die 1,75 Meter ganz knapp gerissen wurden. „Diese Höhe wäre ich eigentlich gerne noch gesprungen“, ärgerte sich Grimm über die verpasste Chance, das Punkte-Polster ein wenig aufzufüllen. Die Führung blieb auch vor dem Kugelstoßen in KLV-Hand. Vanessa begann mit 13,13 Metern und steigerte sich dann auf 13,71 Meter. Ein „Vierzehner“ sollte es aber dann schon sein. Der gelang dann beim dritten und letzte Stoß mit 14,03 Metern. Wichtige Zentimeter, denn auch die Verfolgerinnen waren durchaus in der Lage, Weiten mit einer sechs vor dem Komma abzuliefern. Das klappte diesmal jedoch nicht, denn der einzige „Sechster“ gelang mit guten 6,18 Metern Janina Lange (TV Lübeck). Dahinter reihte sich Laura Voß (LT DSHS Köln) mit 5,91 Metern ein. Vanessa Grimm markierte 5,87 Meter und für Mareike Arndt (Leverkusen) wurden 5,78 Meter notiert.

Damit war die Ausgangslage vor den abschließenden 800 Metern klar. „Das Ding ist eigentlich gelaufen. Vanessa hat rechnerisch rund neun Sekunden Vorsprung auf die Konkurrenz und muss lediglich unter 2:30 Minuten laufen. Das sollte absolut kein Problem sein“, gab sich auch HLV-Trainer Philipp Schlesinger optimistisch. So schaltete sich die gerade verbeamtete Polizeikommissarin verständlicherweise auch nicht  in die Tempoarbeit ein, behielt die Führenden taktisch klug aber immer im Blick. Laura Voß holte sich schließlich in 2:19,45 Minuten den Sieg auf der Mittelstrecke, knapp gefolgt von Anna-Lena Obermaier (2:20,22 min.) sowie Janina Lange (2:20,80 min.). Vanessa Grimm wurde als Sechste mit der neuen Hallen-Bestzeit von 2:22,57 Minuten gestoppt, was locker zum Gesamtsieg reichte. Mit starken 4263 Punkten holte sich Grimm (sie gehörte im Vorjahr noch der Juniorinnen-Klasse an) gleich in ihrem ersten Jahr bei den Frauen den DM-Titel. Zudem verbesserte Vanessa  ihren noch nicht einmal einen Monat alten persönlichen Rekord vom internationalen Meeting in Clermont-Ferrand (FRA) und legte 21 Punkte drauf. In der Freiluft-Saison geht der Blick im Siebenkampf nun in Richtung 6000 Punkte. Die müssen ziemlich sicher auch angeboten werden, um bei der Europameisterschaft in Paris mit von der Partie zu sein. Hier eins der drei Tickets zu ergattern ist auch das große Ziel von Vanessa Grimm.

„In den nächsten Wochen werden wir einige Einheiten in die Sprünge investieren. Der Weitsprung sollte stabil in Richtung sechs Meter gehen. Der Anlauf war diesmal gut, der reine Sprung dann nicht so optimal. Wir werden in Bernhausen einsteigen und dann nach Ratingen gehen“, verrät Philipp Schlesinger.

Einen harten Stand hatte Jenna Fee Feyerabend (TV Groß-Gerau) im Fünfkampf der U20. Die hochgewachsene Jugendliche startete mit guten 9,11 Sekunden über die 60 Meter Hürden in ihren Tag. Doch bereits im Hochsprung war Sand im Getriebe. Lediglich 1,69 Meter im Hochsprung (bei einer PB von 1,80 m) sind dann auf DM-Ebene zu wenig. Das Kugelstoßen war mit 11,54 wieder absolut solide, ehe der Weitsprung mit nur 5,04 Metern nicht das erhoffte Plus an Punkten brachte.  Über 800 Meter gingen dann noch 2:31,85 Minuten in die Wertung ein, was am Ende 3603 Zähler und Platz sieben bedeutete. „Jenna kann eigentlich deutlich mehr, fand aber irgendwie nicht so richtig in den Wettkampf rein“, kommentierte auch Hessen-Coach Schlesinger.

Im Siebenkampf der U20er überraschte Jan Volkmar (Eschwege TSV) als Fünfter (4741 Pkt.) positiv. Neben den neuen Bestmarken im Weitsprung (6,54 m) und über die 60 Meter (7,44 sec.) brachte Jan noch 11,76 m (Kugel), 1,77 m (Hochsprung), 8,86 Sekunden (60 m Hürden), 4,30 m (Stabhochsprung) sowie 3:03,65 Minuten (1000 m) in die Wertung ein.

Björn Langer (LG Wettenberg) beendete seinen Siebenkampf in der U18 als Zwölfter (4277 Pkt.), war durch ein Umknicken im Wettkampf jedoch ein wenig gehandicapt.

Richtig gut gemacht hat ihre Sache Neue Huth (LG Eintracht Frankfurt). Sie sammelte als Siebte im Fünfkampf der U18 am Ende 3603 Punkte ein, die sich aus 9,14 Sekunden (60 Meter Hürden), 1,55 Meter (Hochsprung), 11,72 Meter (Kugelstoßen), 5,46 Meter (Weitsprung) und 2:28,44 Minuten (800 Meter) zusammensetzten.