Marvin Heinrich und Oskar Schwarzer knacken EM-Norm
  01.02.2021 •     Leistungssport , Wettkampfsport


Warum denn immer in die Ferne schweifen, schnelle Rennen gibt es auch „daheim“. Ganz kurzfristig hatte der HLV einen Laufabend für Berufs- und Spitzensportler im Leichtathletikzentrum Kalbach organisiert, bei dem es über 800 Meter so richtig krachte.

Protagonisten waren hier Marvin Heinrich (Eintracht Frankfurt) und Oskar Schwarzer (TV Groß Gerau). Tempomacher Max Klink (LG Dornburg) machte einen guten Job und sorgte für eine flotte Fahrt. Dahinter hatten sich Heinrich und Schwarzer eingereiht. Als Klink seine Arbeit getan hatte, konnte der Adlerträger das Tempo hochhalten und mit starken 1:47,32 Minuten die vom Deutschen Leichtathletik Verband geforderte EM-Norm (1:48,00 Minuten) sicher unterbieten. Mit dieser neuen Bestzeit setzte sich Heinrich an die Spitze der deutschen Jahresbestenliste.

In bestechender Form präsentierte sich auch Oskar Schwarzer. Der U23er war taktisch immer im Bilde, ließ nie eine Lücke entstehen und wurde am Ende der vier Hallenrunden ebenfalls mit der EM-Norm belohnt. Der angehende Polizist blieb mit 1:47,92 Minuten in der Halle erstmals unter „1:48“ und kann nun ebenfalls von einem Ticket nach Polen träumen. Ob es dann mit dem Trip in die Kopernikus-Stadt auch wirklich etwas wird, ist jedoch noch offen. Top-Mann Marc Reuther (Eintracht Frankfurt) greift am heutigen Abend in Erfurt erst ins Geschehen ein. Dort stehen noch ein, zwei weitere Mittelstreckler in der Meldeliste, die ebenfalls unter 1:48 Minuten bleiben könnten. Zudem bleibt abzuwarten, ob der DLV alle drei möglichen Startplätze für Torun besetzen wird. Oskar hat auf jeden Fall seinen Hut in den Ring geworfen. Viel Zeit bleibt für die weiteren EM-Anwärter jedoch nicht. Am 22. Februar, also einen Tag nach den „Deutschen“ in Dortmund, müssen die EM-Meldungen erfolgen.

Der Sieg bei den Jungs der U20 ging nach Baden-Württemberg. Adrian Engstler (TV Villingen) setzte sich hier mit starken 1:49,48 Minuten sicher gegen Christoph Schrick durch. Der Athlet vom ASC Darmstadt zeigte in 1:53,67 Minuten eine neue Bestzeit, hat seine Stärken aber klar auf den 1500 Metern. Auch bei Okai Charles (Königsteiner LV), Dritter mit 1:54,61 Minuten, stand ein „PB“ hinter seiner Zeit.

In der jüngeren U18 blieb lediglich Jan Dillemuth (TV Assenheim) unter der „Zwei-Minuten-Schallmauer“. Der Youngster aus der Wetterau gefiel mit flotten 1:55,11 Minuten. Hier komplettierten Freder Noel (VfL Altenstadt) und Niklas Steffens (KLV) nach 2:02,77 bzw. 2:05,34 Minuten das Podium der Top-Drei.

Nur zwei Tage nach ihrem Saisoneinstieg in Karlsruhe (über 1500 m) schnürte Hindernisspezialistin Gesa Felicitas Krause (Silvesterlauf Trier) in Kalbach erneut die Spikes. Die WM-Dritte von Doha lieferte sich einen spannenden Zweikampf mit Nele Wessel (Königsteiner LV). Krause, die mittlerweile in Dillenburg wohnt, lieferte mit 2:07,87 Minuten eine neue Hallenbestmarke ab. „Das war schon ganz ok. Ich bin ja erst zwei Tage vor Karlsruhe aus dem Trainingslager in Kenia zurückgekommen. Wir Leichtathleten sind ja schon etwas privilegiert und dürfen bei Wettkämpfen an den Start gehen. Deshalb freue ich mich über jedes Rennen. Das letzte Jahr war für mich in vielerlei Hinsicht nicht ganz einfach. Wenn es mit der Norm klappt, würde ich auch gerne die Hallen-EM in Torun mitnehmen“, verriet die sympathische Hessin. Krauses Zeit reichte jedoch nicht zum Sieg. Der ging an Nele Wessel. Der Neuzugang beim Verein aus dem Hochtaunuskreis feierte eine absolut gelungene Premiere im weinroten KLV-Trikot. Wessel, die noch der U23 angehört, holte sich mit starken 2:07,45 Minuten den Tagessieg und steht zumindest für ein paar Tage an der Spitze der deutschen Jahresbestenliste. „Das geht in die richtige Richtung, wenn auch am Ende noch etwas die Tempohärte fehlte“, so Wessel, die nach rund zweijähriger Verletzungsmisere wieder in der Erfolgsspur ist. Erst seit November ist die ehemalige Berlinerin in der Gruppe von HLV-Coach Benjamin Stalf mit von der Partie. Auch der in Kalbach anwesende Bundestrainer Georg Schmidt zeigte sich zufrieden. „Da sind noch ein, zwei Sekunden Luft nach unten. Auf den letzten 200 Metern wurde der Schritt schon etwas länger. Neles Trainingswerte sind wirklich gut. Deshalb wird sie neben den 800 Metern auf jeden Fall auch die 1500 Meter laufen. Auch schon in der Halle“, so Schmidt.

Komplettiert wurde das Wettkampfangebot in Kalbach mit einem Lauf über 3000 Meter. Hier blieb Lisa Oed (SSC Hanau-Rodenbach) sicher unter zehn Minuten. Die Studentin siegte mit 9:57,19 Minuten, wäre aber gerne etwas schneller unterwegs gewesen. Dafür war der letzte Kilometer aber nicht flott genug. Knapp hinter der Rodenbacherin lieferte Svenja Clemens (LG Odenwald/noch U20) schöne 9:58,06 Minuten ab.