EM-Tag 2 in Berlin: Warten auf das „Sommermärchen“
  07.08.2018 •     Leistungssport , Wettkampfsport


36 Grad und es wird noch heißer! Der zweite EM-Tag hat begonnen. Mit einer beinahe perfekten Vorstellung von Diskus-Legende Robert Harting, der in seinem Stadion, seinem Wohnzimmer, in der Qualifikation 63,29 Meter erreichte und sich als Siebtbester für das Finale qualifizierte. Womit nicht jeder gerechnet hatte angesichts seiner mit Cortison betäubten angerissenen Quadrizepssehne. Sein jüngerer Bruder Christoph, Olympiasieger 2016, schied mit drei ungültigen Versuchen aus. Und Daniel Jasinski vom TV Wattenscheid, Olympiadritter in Rio, zeigte mit 60,10 Metern beim Saisonhöhepunkt eine ebenso indiskutable Leistung. Titelverteidiger Piotr Malachowski (Polen) hatte wie Harting, der Jüngere, keinen messbaren Wurf. Womit schon am zweiten EM-Tag feststeht: Es wird schwer, dass von der DLV-Mannschaftsleitung avisierte „Sommermärchen“ zu realisieren. Denn im Diskuswurf waren zwei Medaillen möglich.

Aber werfen wir einen Blick zurück auf den vergangenen Sonntag, als im Olympiastadion ein U20-Länderkampf Deutschland - Frankreich - Großbritannien stattfand. Quasi als Testlauf für die Wettkampforganisation. Wobei es ärgerlich war, dass die Gäste nicht in kompletter Mannschaftsstärke angereist waren. Aus Hessen waren, wie auf hlv.de angekündigt, drei Nachwuchsathleten nominiert.

Und zwei fielen mit persönlichen Bestleistungen besonders auf: So steigerte sich der 17-jährige Elias Goer (Sprintteam Wetzlar) über 100 Meter um zwei Hundertstel auf 10,80 Sekunden und wurde Fünfter. Zehnkämpfer Andreas Bechmann von der LG Eintracht Frankfurt, U20-WM-Teilnehmer, verbesserte seinen Weitsprung-Rekord auf 7,14 Meter und hatte zwei weitere Versuche jenseits der Siebenmetermarke (7,09/7,06). Die Belohnung war Platz zwei hinter dem Franzosen Yvan Lopes Ribeiro (7,33). Anabel Peine (LG Eintracht Frankfurt) wurde Hochsprung-Dritte mit 1,74 Metern.

An Tag zwei der Europameisterschaften stellt sich allmählich ein Gefühl der Abschottung bei den Berichterstattern ein. Morgens hin, abends zurück, Wettkämpfe ansehen und bewerten, Fotos schießen, mit Athleten sprechen, schreiben, dazwischen Essen und Trinken, Stimmungen aufnehmen. Apropos: Es ist eine freundlich-fröhliche Atmosphäre in und um das Olympiastadion herum. Hier ist man unter sich, unter Leichtathletik-Fans und -Interessierten.

Am Montagmorgen ist übrigens Mittelstrecken-Hoffnung Homiyu Tesfaye mit dem ICE von Frankfurt nach Berlin gefahren. Und vielleicht hat auch er sich gefragt, was der Hinweis „ggf. reserviert“ an jedem Sitz zu bedeuten hat. Nämlich nichts. Beziehungsweise nur, dass das elektronische Buchungsportal nicht durchgeschlagen hatte und die Deutsche Bahn sicherstellen wollte, dass Reservierungen auf den jeweiligen Plätzen widerspruchslos vorgenommen werden konnten.

Noch ein letzter Hinweis, quasi save the date: Heute Abend um 19.45 Uhr läuft Luke Campbell im 400-Meter-Halbfinale …