U20-WM (Tag 5): Marius Karges mit nur einem Wurf im Diskus-Finale - auch Hürdenlauferin Hawa Jalloh mit Chance auf Edelmetall
  06.08.2022 •     HLV , Leistungssport , Wettkampfsport


Marius Karges hat sein Pflicht-Programm bei der WM souverän gelöst. Der Diskuswerfer im Trikot von Eintracht Frankfurt benötigte im Vorkampf der Gruppe A lediglich einen Versuch, um ins Finale einzuziehen. Nach 60,69 Metern gleich im ersten Durchgang leuchtete das große „Q“ hinter seinem Namen auf. Damit waren die geforderten 60,50 Meter abgehakt. Also Tasche packen und Kräfte fürs Finale sparen. In der Gruppe des Eintrachtlers packte nur noch Mykhailo Brudin (UKR) mit 61,47 Metern die direkte Qualifikation.
In der B-Gruppe machte Karges Teamkollege Mika Sosna mit glatten 61 Metern das Finale klar. Hier war es nur noch der Grieche Dimitrios Pavlidis, der mit 60,73 Metern über der Marke für den direkten Finaleinzug blieb.
„Die Weite war nicht überragend, aber das Ziel war das große Q, das habe ich geschafft. Deswegen bin ich zufrieden. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich im Finale keine Medaille gewinnen wollen würde. Das ist mein Ziel. Grundsätzlich würde es mich ärgern, wenn die Goldmedaille morgen nicht an Deutschland gehen würde“, so der selbstbewusste Adlerträger.


Ähnlich überlegen wie die Jungs im Diskusring präsentierte sich auch Hawa Jalloh (Wiesbadener LV), die gleich im ersten von drei Zwischenläufen über 100 Meter Hürden ran musste. Die beiden schnellsten Athletinnen in jedem Lauf durften nochmals im Finale ran - zwei weitere Tickets wurden über die Zeit vergeben. Diese Herausforderung war kein Problem für Jalloh, die hinter der US-Amerikanerin Jalaysiya Smith (13,20 Sekunden) mit 13,33 Sekunden Zweite wurde und damit den direkten Weg ins Hürdenfinale einschlug. Nach Beendigung der drei Zwischenläufen fand sich Hawa auf Position fünf wieder, immer noch in Reichweite von Edelmetall. An der Spitze liefen zwei Jamaikanerinnen in einer anderen Liga. Kerrica Hill stellte mit 12,87 Sekunden eine neue Weltjahresbestzeit (U20) auf. Ihre Teamkollegin Alexis James blieb mit 12,94 Sekunden ebenfalls noch unter der „13-Sekunden-Schallmauer“. Als schnellste Europäerin hatte Anna Toth (HUN) flotte 13,16 Sekunden auf die Bahn gezaubert. Ich bin schon wieder voll in die erste Hürde gelaufen, wahrscheinlich habe ich zu wenig getreten. Ich habe versucht zu kämpfen, ich glaube, das hat man gesehen. Ich bin froh, dass es für das Finale gereicht hat“, analysierte die Wiesbadenerin.
Das einzige Finale mit hessischer Beteiligung am vorletzten Tag der Titelkämpfe waren die 4x100 Meter beim weiblichen Nachwuchs. Das DLV-Quartett in der Besetzung Chelsea Kadiri (SC Magdeburg), Sina Kammerschmitt (TG Worms), Marlene Körner (SV Halle)  und Schlussläuferin Holly Okuku (GSV Eintracht Baunatal) musste sich nach 44,73 Sekunden als bestes europäisches Team mit dem undankbaren vierten Platz zufrieden geben. Das bronzene Edelmetall schnappten sich die Mädels des Gastgeberlandes Kolumbien, die mit 44,59 Sekunden nur knapp vor den deutschen Sprinterinnen über die Ziellinie stürmten. Auf der Zielgeraden gab Holly Okuku Vollgas und kam noch einmal recht nahe an die Kolumbianerin ran. „Ich wollte den Wechsel von gestern unter keinen Umständen wiederholen und bin am Ende einfach nur noch um mein Leben gerannt. Es hat leider nicht gereicht“, berichtet die Nordhessin. Im Vorlauf war die DLV-Truppe am Donnerstag mit 44,34 ein ganzes Stück schneller unterwegs. Der WM-Titel ging an die überragenden Jamaikanerinnen, die mit 42,59 Sekunden einen neuen Weltrekord (U20) aufstellen und den USA (43,28 sec. Landesrekord) nicht den Hauch einer Chance ließen.
Ein bitteres Vorlauf-Aus mussten die deutschen Langsprinter über 4x400 Meter verkraften. Im ersten Rennen hatten die USA (3:07,82 Minuten) und Kanada (3:08,35 min.) die beiden ersten Tickets für den Endlauf gelöst. Im zweiten Vorlauf zogen Jamaika (3:07,32 min.) sowie Spanien (3:07,58 min.) dann nach. Es war also klar, dass die DLV-Equipe auch eine Zeit im Bereich von 3:07 Minuten abliefern sollte, um sicher in den Endlauf  zu kommen. Das gelang aber leider nicht. Japan (3:07,25 min.) und die Tschechien (3:07,48 min.) sicherten sich im dritten und entscheidenden Vorlauf das große „Q“. Dahinter wurde es dann ziemlich eng, denn die drei nächsten Nationen trennten lediglich 0,20 Sekunden. Im Kampf um die beiden noch vakanten Final-Plätze ging der DLV aber leer aus. Frankreich (3:07,84 min.) und Südafrika (3:07,90 min.) konnten jubeln. Im direkten Vergleich fehlten somit nur winzige 0,15 Sekunden zum angestrebten Endlauf.
Startläufer Florian Kroll (LG Osnabrück) übergab das Staffelholz als Vierter an Lukas Krappe (SCC Berlin). Der Hauptstädter büßte auf seinem Teilstück einen Platz ein und wechselte dann auf Lasse Schmitt (Königsteiner LV). Der Langhürdenspezialist hielt den sechsten Platz und schickte dann Maximilian Köhler (LG Region Karlsruhe) auf die finalen 400 Meter. Der machte gleich mächtig Druck und lief zwischenzeitlich auf Position drei vor. Das sehr hohe Anfangstempo forderte dann aber seinen Tribut und Köhler fiel am Ende wieder auf Rang fünf zurück.