World Relays: Eine Bilanz aus hessischer Sicht
  25.05.2019 •     Leistungssport , Wettkampfsport


Im Land der aufgehenden Sonne, genauer gesagt im japanischen Yokohama, fanden jüngst die sogenannten World Relays des Weltverbandes IAAF statt. Bei den in der medialen Wahrnehmung sehr überschaubaren Titelkämpfen gab es auch zwei Medaillen für die DLV-Sprinter: Die Frauenstaffel holte in 43,68 Sekunden die Bronzemedaille und qualifizierte sich damit direkt für die WM Ende September im Wüsten-Emirat Katar. An der Spitze ging es zwischen den USA (43,27) und Jamaika (43,29) sehr knapp zu, wobei beide Teams nicht mit der Top-Besetzung an den Start gegangen waren. Am DLV-Medaillengewinn waren in Rebekka Haase und Lisa Meyer zwei Athletinnen beteiligt, die das Trikot des Sprintteams Wetzlar tragen. Doch der Reihe nach.

Den dritten und letzten Vorlauf gewann das DLV-Quartett in der Besetzung Lisa-Marie Kwayie, Lisa Mayer, Gina Lückenkemper und Rebekka Haase in flotten 43,03 Sekunden und zog direkt ins Finale ein. Dort musste jedoch umgebaut werden. Lisa Mayer wurde ersetzt durch Alexandra Burghardt, die ihre Sache gut machte und half, die Bronzemedaille zu sichern. 

In einem Bericht des „Gießener Anzeigers“ stand zu lesen, dass Lisa Mayer nicht gleich übertreiben wollte, genau in ihren Körper reinhörte und der Verzicht aufs Finale in Absprache mit den Trainern geschah. Die 23-jährige Athletin wird so zitiert: „Ich habe mich körperlich nicht ganz fit gefühlt, ein minimales Ziehen gefühlt, aber überhaupt nichts Schlimmes. Wir haben gesagt, wir haben uns für alles so viel Zeit gelassen, ich bin im Vorlauf so super gerannt. Es muss jetzt nicht noch einmal auf Teufel-komm-raus sein. Manchmal muss man sich auch mit dem zufrieden geben und glücklich sein.“ Das Wort Verletzung fällt nicht. Für den ersten Einzelstart im WM-Jahr hofft Lisa Mayer auf Mitte Juni. Der Jahreshöhepunkt soll sich in Katar ereignen - dort möchte die studierte Sportsoldatin über 100 Meter und mit der Staffel laufen. Davor gilt es jedoch, die WM-Norm zu knacken, die der DLV bei 11,24 Sekunden gesetzt hat. 

In Yokohama schien bis zum letzten Wechsel sogar die Silbermedaille möglich zu sein. Rebekka Haase konnte auf dem letzten Teilstück aber die Sprinterinnen aus den USA und Jamaika nicht halten. Der Wahl-Hessin gelang es gerade noch, die am Ende sehr stark aufkommende Brasilianerin Vitoria Rosa in Schach zu halten. Die Südamerikanerinnen hatten letztlich nur 0,07 Sekunden Rückstand auf das DLV-Quartett.

Enttäuschend verlief der Auftritt für die Männer, die den deutschen Meister Kevin Kranz (Sprintteam Wetzlar) in ihren Reihen hatten. Nach 38,91 Sekunden und lediglich Platz fünf im ersten Vorlauf war der Trip nach Japan jedoch ziemlich schnell beendet. Die Vorgabe für die Finalteilnahme war klar gewesen: entweder Platz eins bzw. zwei im jeweiligen Vorlauf oder zu den beiden dann zweitschnellsten Teams gehören. Für das Doha-Ticket hätte sogar Platz zehn gereicht. Das gelang noch nicht einmal ansatzweise. Platz zehn ging mit 38,67 Sekunden an die Männer aus den Niederlanden. Sogar Nationen wie Thailand, die Ukraine oder Chinese Taipei waren schneller unterwegs.

Der Frankfurter Kranz hatte den Part des Startläufers. Danach folgten Patrick Domogala, Julian Reus und Robin Erewa. „Ich bin bei meinem Wechsel eventuell einen Tick zu dicht aufgelaufen, sonst war es eigentlich ok. Leider haben dann die beiden Wechsel nicht so richtig gestimmt. In der Rennanalyse hat man dann gesehen, dass hier drei Zehntel ganz schnell weg waren“, erinnert sich Kranz.

Den schnellen Hessen wird man erst Mitte Juni wieder bei Wettkämpfen sehen. „Ich werde mein nächstes Einzelrennen wohl erst bei der U23-DM in Wetzlar laufen. Wir waren zwar direkt vor Yokohama mehrere Wochen in Okinawa im Trainingslager, doch dort ging es in erster Linie um die Staffel bzw. die entsprechenden Wechsel. Mir fehlen deshalb diverse normale Einheiten.“ Die DLV-Sprinter müssen nun nachsitzen - die verbliebenen sechs Tickets für Doha werden über die Weltbestenliste vergeben.