Tag 2 der Leichtathletik-DM in Braunschweig - Marvin Heinrich holt den Titel über 800 Meter - insgesamt elf Medaillen für die hessischen Sprinter, Läufer und Springer
  07.06.2021 •     Leistungssport , Wettkampfsport


Mit acht Medaillen konnten die HLV-Leichtathleten die Edelmetall-Bilanz nochmals aufpolieren und kamen in Summe auf dann insgesamt zwölf Podest-Plätze. Der einzige Titel ging an Marvin Heinrich. Der Eintracht Mittelstreckler hatte sich in der Woche vor der DM in Pfungstadt mit hervorragenden 1:45,66 Minuten an die Spitze der deutschen Jahresbestenliste gesetzt. In Braunschweig wurde Heinrich seiner Favoritenrolle vollauf gerecht und zeigte eindrucksvoll, dass er nicht nur „gestrickte“ Rennen mit Tempomacher laufen kann sondern auch  bei Meisterschaften voll da ist. Mit 1:47,62 Minuten setzte sich Marvin im Spurt gegen Christoph Kessler (LG Region Karlsruhe/1:47,81 min.) durch. Dennis Biederbick holte als Dritter (1:47,84 min.) eine weitere Medaille für die Eintracht. Nicht überzeugen konnte Marc Reuther (ebenso Eintracht). Der Titelverteidiger konnte in der entscheidenden Phase mit mitgehen und wurde mit nur 1:48,30 Minuten Fünfter. Vor Reuther sortierte sich noch Christian von Eitzen (Athletics Team Karben/1:48,28 min.) ein. Maximilian Klink (LG Dornburg), der das Feld bis zur 600-Meter-Marke angeführt hatte, trudelte nach 1:52,23 Minuten als Neunter ins Ziel.

Als Titelverteidiger reise auch Steven Müller in die Löwenstadt. Dem Sprinter von der LG OVAG Friedberg-Fauerbach reichten 21,19 Sekunden im Vorlauf, um sich problemlos fürs Finale zu qualifizieren. Bei Gegenwind (- 0,9 m/sec.) war der Mann aus der Wetterau mit 21,15 Sekunden dann noch einen Tick schneller, musste aber trotzdem dem erst 21 Jahre alten Nachwuchstalent Owen Ansah (Hamburger SV/20,89 sec.) klar den Vortritt lassen. Nach seinem dritten Platz über die Kurzhürden am Samstag war einen Tag später Georg Fleischhauer (Eintracht) auch auf der halben Stadionrunde im Einsatz und wurde hier mit 21,49 Sekunden (VL 21,43 sec.) Sechster.

Als Führender der deutschen Jahresbestenliste reiste mit Oliver Koletzko (Wiesbadener LV) ein U20-Athlet zur DM an. Das große Nachwuchstalent hatte zum Saisonauftakt bei einem Meeting in der Landeshauptstadt die neue Hessenrekordweite (U20) von 7,90 Metern in die Grube gezaubert. Bei der DM kam Koletzko anfangs nicht so richtig in den Wettkampf rein, was zwei ungültige Versuche gleich zum Auftakt belegen. Danach folgten dann die 7,61 Meter, mit denen sich „Oli“ schließlich DM-Bronze sicherte. Den dritten Platz hatte bis dahin mit 7,57 Metern Gianluca Puglisi (Königsteiner LV) inne. Der Medizinstudent konnte aber nicht mehr kontern und musste mit dem ungeliebten vierten Platz zufrieden sein. Koletzko zeigte im letzten Durchgang noch 7,60 Meter und unterstrich als U20er, dass auch in der Männer-Hauptklasse jederzeit mit ihm zu rechnen ist. Dass seine Top-Weite von 7,90 bei der Saisonpremiere nicht in jedem Wettkampf erneut abrufbar ist, war den Experten von vornherein klar. Den DM-Titel in der Löwenstadt holte sich dann Fabian Heinle (VfB Stuttgart) mit 7,81 Metern vor Maximilian Entholzner (LAC Passau/7,68 m).

Über 400 Meter Hürden schlug Luke Campbell (Eintracht Frankfurt) ein sehr schnelles Tempo an und lag an der vorletzten Hürde auch noch in Führung, ehe dann der Akku ziemlich schnell leer wurde. Titelverteidiger Constantin Preis (VfL Sindelfingen) hatte sich die Kräfte deutlich besser eingeteilt und blieb als einziger Athlet mit 49,32 Sekunden unter der 50er Marke. Auf den letzten Metern musste Eintrachtler Campbell dann auch noch Emil Agyekum (SCC Berlin/50,20 sec.) vorbei lassen und landete mit 50,70 Sekunden auf dem dritten Rang. Einen Platz dahinter finishte in 50,85 Sekunden mit Joshua Abuaku (DM-Dritter 2020) ein weiterer Eintrachtler.

Gleich sechs hessische Starter machten die 1500 Meter fast zu einer Landesmeisterschaft.  Das Finale wurde ziemlich flott angelaufen. Bis zu den 800 Metern (Durchgangszeit 1:56,09 Minuten) sorgte Lukas Abele (SSC Hanau Rodenbach) für eine ziemlich flotte Fahrt. Das verhalf Robert Farken (SG DHfK Leipzig) zum Sieg in der neuen persönlichen Bestzeit von 3:34,64 Minuten. Damit knackte der Sachse auch die Olympia-Norm und verbesserte den fast 44 Jahre alten Meisterschaften-Rekord von Thomas Wessinghage um fast 2,5 Sekunden. Amos Bartelsmeyer (Eintracht Frankfurt) holte sich mit der drittschnellsten Zeit seiner Karriere in 3:46,40 Minuten die Bronzemedaille. Marc Tortell (Athletics Team Karben) hatte als Vierter mit 3:47,41 Minuten eine neue „PB“ im Gepäck. Homiyu Tesfaye (TSV Pfungstadt) konnte mit seinen 3:37,91 Minuten (5.) nicht zufrieden sein. für Sven Wagner (KLV/noch U23) zeigte die Stoppuhr 3:45,03 Minuten (7.) an. Lukas Abele (SSC) erzielte 3:47,50 Minuten (10.) und Christoph Schrick (ASC Darmstadt/noch U20) hatte als jüngster Finalist in 3:55,81 Minuten mit dem Ausgang des Rennes nichts zu tun.

Alles richtig gemacht hat Julius Hild (SSC Hanau-Rodenbach), der als Elfter über die 3000 Meter Hindernis seinen Hausrekord um mehr als zwei Sekunden auf nun 8:53,35 Minuten drückte.

Kommen wir zu den Frauen. Hier überraschte über 200 Meter Alexandra Burghardt (LG Gendorf Wacker Burghausen), die am Vortag bereits die 100 Meter (mit Olympianorm) gewonnen hatte. Auch über 200 Meter ließ die Sprinterin aus Bayern nichts anbrennen und macht in 23,15 Sekunden das „Double“ perfekt. Rebekka Haase (Sprintteam Wetzlar) holte sich bei frischen Temperaturen in 23,24 Sekunden ihre zweite Bronzemedaille bei diesen Titelkämpfen. Vor die Hessin schob sich noch Lisa Marie Kwayie (Neuköllner SF)/23,24 sec.).

Eine spannende Angelegenheit war auch der Frauen-Weitsprung. Maryse Luzolo (Königsteiner LV) flog gleich mit ihrem ersten Versuch auf 6,49 Meter die Spitze des Feldes. Diese Führung hielt bis zum dritten Durchgang. Hier konnte Favoritin Malaika Mihambo (LG Kurpfalz) dann mit 6,59 Metern kontern und Luzolo von der Top-Position ablösen. Die Biologie-Studentin legte mit ihrem dritten Versuch aber nach und markierte 6,55 Meter. Dann konnte die KLV-Athletin aber nicht mehr zulegen, während sich Weltmeisterin in der fünften Runde mit 6,62 Metern nochmals leicht verbesserte. Eine Weite, die Luzolo dieses Jahr auch schon übertroffen hat. Nach ihrem Sieg letzten Sonntag beim Team-Europa-Cup in Chorzow/POL reiste Maryse weiter zum PTS-Meeting nach Samorin. In Slowenien gewann sie am Mittwochabend quasi als DM-Generalprobe den Wettkampf mit der neuen Bestmarke von 6,64 Metern vor der Serbin Milica Garda-Sevic (6,55 m). „Natürlich habe ich mit einem DM-Sieg geliebäugelt. Leider hat es diesmal noch nicht ganz gereicht“, berichtet Luzolo kurz nach dem Gewinn von DM-Silber.

Zu den überragenden Resultaten im Eintracht-Stadion gehörte auch der „Doppelschlag“ von Gesa Felicitas Krause. Die Hessin „in Diensten“ des Vereins Silvesterlauf Trier dominierte am Samstag im Alleingang die 3000 Meter Hindernis (9:31,61 min.) und packte 24 Stunden später über 5000 Meter noch einen drauf. Hier überließ die Dillenburgerin Miriam Dattke (LG Teils Finanz Regensburg) die Tempoarbeit. Zwei Runden vor Schluss schaltete Krause dann einen Gang hoch und ließ Dattke nicht den Hach einer Chance. Im Ziel hatte Hindernis-Spezialistin mit 15:26,80 Minuten fast eine halbe Zielgerade Vorsprung. Franziska Althaus (TV Waldstraße Wiesbaden) blieb als Zehnte mit 16:23,10 Minuten knapp sieben Sekunden über ihrer Bestmarke und Lisa Oed (SSC Hanau-Rodenbach/16.) musste mit 16:53,00 Minuten zufrieden sein.

Vom Dreisprung ist noch der neunte Platz von Sophie Ullrich (Wiesbadener LV) nachzutragen, die nach 12,36 Metern im Sand landete. Fürs Finale wären hier 13,01 Meter nötig gewesen. Nicht richtig in die Spur fanden die beiden Eintracht-Technikerinnen. Charleen Zoschke (U23) beendete den Diskus-Vorkampf als Zwölfte und blieb mit 49,66 Metern deutlich unter ihrer Bestweite von 54,68 Metern. Teamkollegin Lucie Holzapfel schaffte als Letzte mit einem Wurf auf 59,41 Metern den Sprung ins Hammerwurf-Finale. Nach zwei ungültigen Versuchen glückte noch ein Wurf auf 58,69 Meter, womit es aber beim achten Platz blieb.