Sprinter Michael Pohl Dritter beim Indoor-ISTAF, Maryse Luzolo mit Saisonbestmarke im Weitsprung
  20.02.2020 •     Leistungssport , Wettkampfsport


Rund 30 Hessen sind am Wochenende bei den deutschen Hallen-Meisterschaften in Leipzig im Einsatz

Ein Hallenwettkampf vor knapp 13.000 Zuschauern hat bei den Leichtathleten eher Seltenheitswert und ist daher sehr motivierend. Diese Erfahrung machte auch Maryse Luzolo, die einen Startplatz beim renommierten und mit rund 40.000,- Euro Preisgeld dotierten „Indoor-ISTAF“ in Berlin erhalten hatte. Die Weitspringerin vom Königsteiner LV war eine von drei deutschen Athletinnen in einem achtköpfigen Feld, das in der ausverkauften Mercedes-Benz-Arena bei jedem Versuch lautstark anfeuerten. Luzolo, die vor Ort von Bundestrainer Uli Knapp betreut wurde, stieg mit einem ungültigen Versuch in den Wettkampf ein. Danach folgte ein Satz auf 6,12 Meter und wieder ein Sprung, bei dem der Kampfrichter die rote Fahne hob. Versuch Nummer vier sah mit 6,30 Meter dann schon deutlich besser aus, ehe in der fünften Runde die Steigerung auf die neue Jahresbestweite von 6,46 Metern folgte. Dies bedeutete in der Endabrechnung einen guten fünften Platz und auch etwas Preisgeld. Es hätten noch ein paar Euro mehr sein können, doch die Ungarin Anasztazia Nguyen überholte die KLVlerin mit ihren letzten Versuch um einen winzigen Zentimeter. An der Spitze des Feldes sorgte Malaika Mihambo (LG Kurpfalz) für eine beeindruckende Flugshow. Die Weltmeisterin von Doha steigerte sich im letzen Durchgang auf überragende  7,07 Meter, was Weltjahresbestleistung, Meeting-Rekord und neue persönliche Hallen-Bestweite bedeutete.

An das Meeting in der Bundeshauptstadt hat die Biologiestudentin beste Erinnerung. Im Februar 2017 gelang ihr hier mit 6,56 Metern ihre noch immer gültige Hallenbestmarke, ehe Maryse dann im Juni des gleichen Jahres von der schweren Knieverletzung aus der Bahn geworfen wurde. Nach einer komplizierten Operation, vier stationären Reha-Aufenthalten, unzähligen Stunden in der Physiotherapie und nahezu zwei Jahren Pause meldete sich die KLV-Athletin ende der Saison 2019 mit Platz zwei bei der Militär-Weltmeisterschaft im chinesischen Wuhan erfolgreich in der Szene zurück.

Auch Lisa Mayer kämpft sich langsam wieder an ihre alte Form ran. Die Athletin vom Sprintteam Wetzlar erlebte in den letzten beiden Jahren ein ständiges sportliches Auf und Ab. Diese Saison begann vielversprechend. Eine 60-Meter-Zeit von 7,33 Sekunden beim internationalen Hallen-Meeting in Karlsruhe konnte sich allemal sehen lassen. Es folgten dann noch weitere Rennen knapp über dieser Marke. In Berlin ging Mayer im zweiten Vorlauf in den Startblock und wurde hier als Vierte mit 7,40 Sekunden gestoppt. Das reichte leider nicht ganz fürs Finale. Es war aber eine ganz knappe Angelegenheit. Der letzte Platz in Endlauf ging nämlich mit 7,39 Sekunden an Keshia Beverly Kwadwo (LC Paderborn).

Richtig gut in Fahrt war in der Spree-Metropole Michael Pohl (ebenfalls Sprintteam Wetzlar). Er lieferte im zweiten Vorlauf als Dritter hinter Emre Zafer Barnes (TUR/6,64 sec.) und Joshua Hartmann (ASV Köln/6,69 sec.) als Dritter in der neuen Saisonbestzeit von 6,71 Sekunden ein flottes Rennen ab. Diese Zeit reichte dann auch aus, um im Finale erneut die Spikes schnüren zu können. Hier setzte sich der gebürtige Jamaikaner Barnes (TUR) in 6,60 Sekunden durch. Dann musste das Zielfoto entscheiden. Für Aleksandar Askovic (LG Augsburg) und Michael Pohl leuchte 6,68 Sekunden auf der Anzeigetafel auf. Doch der Sprinter aus Bayern hatte das bessere Ende für sich und wurde vom Kampfgericht auf Platz zwei gesetzt. „Für Michael war das die schnellste Zeit außerhalb einer DM. Ich bin bin wirklich gespannt, was wir am Wochenende bei den Titelkämpfen in Leipzig zu sehen bekommen“, so Sprintcoach David Correll.

Bei den nationalen Titelkämpfen sind neben den drei Startern beim ISTAF noch rund 30 weitere Hessen im Einsatz. Im Sprint ist Pohl durchaus Anwärter auf eine Medaille. Steven Müller (LG OVAG Friedberg-Fauerbach) könnte es eventuell ins Finale schaffen. Alles andere als der 800-Meter-Titel wäre für Marc Reuther eine böse Überraschung. Der Eintracht-Athlet in diesem Jahr in Deutschland die Szene auf dieser klassischen Mittelstrecke nach Belieben und ist mit hervorragenden 1:45,39 Minuten auch international in der Spitzenklasse angekommen. Sein Teamkollege Homiyu Tesfaye tauchte nach längerer Hallen-Abstinenz überraschend bei den „Süddeutschen“ in Sindelfingen auf und tütete hier die Titel über 1500 Meter sowie 3000 Meter ein. Auf der kürzeren Strecke könnte Tesfaye auf Amos Bartelsmeyer (ebenfalls Eintracht) treffen, der mit einem Sonderstartrecht antreten darf.

Gordon Porsch trifft im Stabhochsprung auf zehn weitere Gegner. Für den Eintrachtler werden in der Meldestatistik 5,40 Meter notiert, die er Ende 2019 beim „Vorweihnachtskriterium“ in Stadtallendorf meisterte. Der Lehramtsstudent aus dem Taunus konnte 2020 diese Höhe noch nicht bestätigen und ist aktuell zusammen mit Oleg Zernikel (ASV Landau) hinter dem dominierenden Springer-Trio aus Leverkusen die Nummer vier. Um in die Medaillenränge zu kommen, wird in Leipzig bestimmt eine Höhe von mindestens 5,50 Meter nötig sein.

Auf weite Sprünge hofft Gianluca Puglisi (Königsteiner LV). Der Medizinstudent hat gerade eine harte Prüfungsphase hinter sich und trifft beim Vorkampf am Samstag ebenfalls auf zehn Konkurrenten. Aktuell wird Puglisi mit seinen 7,49 Metern von den hessischen Titelkämpfen in Hanau auf Position vier der Meldeliste geführt. Puglisis Club- und Disziplin-Kollegin Maryse Luzolo ist erst am Sonntag dran. Sie ist mit ihrer Weite von Berlin die drittbeste Springerin und würde natürlich gerne mit Edelmetall im Gepäck die Heimreise antreten. Spannend wird bestimmt auch der Kampf um Edelmetall bei den Sprinterinnen. Hier liegen die neue Jahresbeste Lisa Marie Kwayie (NSF Berlin/7,25 sec.), Yasmin Kwadwo (LC Paderborn/7,32 sec.), Lisa Mayer (7,33 sec.) sowie Keshia Beverly Kwadwo (LC Paderborn/7,34 sec.) recht dicht beieinander.