Schäfer wird Favoritenrolle gerecht, Grimm erstmals über 6000 Punkte, Vizemeisterschaft für Sinnig in der U23 und Feyerabend mit Bronze in der U20
  26.08.2020 •     Leistungssport , Wettkampfsport


Hessenpower in Bayern. Mit gleich vier Medaillen präsentierten sich besonders die Mehrkämpferinnen bei den „Deutschen“ in Vaterstetten in toller Form. Wie nicht anders erwartet holte Carolin Schäfer (LG Eintracht Frankfurt) den DM-Titel und konnte bei den nicht immer einfachen äußeren Bedingungen letztendlich 6319 Punkte auf der Habenseite verbuchen. Das bedeutet aktuell zwar einen zweiten Platz in der Weltjahresbestenliste hinter Alina Skukh (UKR/6386 Pkt.), doch die Aussagekraft des Rankings ist überschaubar. Wegen der Coronakrise fehlen einfach noch die Namen zu vieler Top-Athletinnen in der Statistik.

Eine gelungene Standortbestimmung ist es für die Eintrachtlerin jedoch allemal. Am ersten Tag gingen als Einzelleistungen folgende Resultate in die Wertung ein: 13,40 Sekunden (100 Meter Hürden), 1,80 Meter (Hochsprung), 13,25 Meter (Kugel) sowie 24,12 Sekunden (200 Meter). Komplettiert wurde Schäfers Siebenkampf durch 6,07 Meter (Weitsprung), 48,24 Meter (Speerwurf) sowie 2:16,90 Minuten (800 Meter). In den beiden letzten Disziplinen konnten die Erwartungen nicht ganz erfüllt werden, obwohl hier im Training einiges getan wurde. „Bis zum Speerwurf war es durchweg positiv. Im Training funktioniert es super, aber unter Wettkampf-Bedingungen läuft es dann doch oft anders“, verriet die Eintrachtlerin dem Online-Portal leichtathletik.de

„Der Titel hat einen hohen Wert, es ist der höchste in diesem Jahr, weil es international keine gibt. Es war ein guter Abschluss, wir sind auf einem guten Weg“, bilanzierte die Europameisterin von Berlin. Anna Maiwald (TSV Bayer 04 Leverkusen) sicherte sich mit 6112 Zählern DM-Silber. Das Podium bei den Frauen komplettierte Vanessa Grimm vom Königsteiner LV, die erstmals in ihrer Karriere die „6000er Schallmauer“ durchbrach und 6047 Punkte bejubeln konnte.

Damit ist die KLVlerin im „6000 Punkte Club“ angekommen und gehört nun zu den insgesamt nur vier hessischen Athletinnen, die jemals diese Marke übertrafen. Nicht wenige Trainer sind sogar der Meinung, dass der Mehrkampf hier erst richtig anfängt. Mit der persönlichen Bestzeit von 13,79 Sekunden ging es über die 100 Meter Hürden bei Regen auch bestens los. Der nächste „Hausrekord“ folgte mit übersprungenen 1,77 Meter und die 14,16 Meter mit der Kugel bedeuteten gleichzeitig Disziplinsieg. Hinzu kamen noch 24,62 Sekunden über 200 Meter, wobei die Athletinnen hier ein kräftiger Gegenwind  (- 1,8 m/sec.) ins Gesicht blies.

Am nächsten Tag ging es mit 5,96 Metern (Weitsprung) und 42,06 Metern (Speerwurf) weiter, ehe nach 2:19,77 Minuten für die abschließenden 800 Meter der erste 6000er eingetütet war. „Das war schon ein sehr guter Wettkampf auf durchgehend hohem Niveau. Zudem hat Vanessa die Nerven behalten und sehr konzentriert gearbeitet. Ihre rechnerische 100-Prozent-Leistung liegt bei 6150 Punkten, da sind 6047 Zähler schon wirklich stark. Ich bin absolut zufrieden“, bilanzierte Philipp Schlesinger, der Kader-Coach (Mehrkampf) des hessischen LA-Verbandes.

Auch Miriam Sinning wird von Philipp Schlesinger betreut. Die Eintrachtlerin wurde bei den Frauen insgesamt Zehnte und sammelte am Ende 5260, die sich aus 13,71 Sekunden (100 Meter Hürden), 1,62 Meter (Hochsprung), 10,41 Meter (Kugel), 25,45 Sekunden (200 Meter), 5,62 Meter (Weitsprung), 34 46 Meter (Speerwurf) und 2:23,05 Minuten (800 Meter) zusammensetzten. Das reichte aus, um in der Extra-Wertung der U23 hinter Mareike Rösing (USC Mainz/5526 Pkt.) die Vizemeisterschaft zu holen. „Miriam kam in den Bereich ihrer Bestmarke von 5300 Zählern ein paar Wochen zuvor in Regensburg. Vaterstetten war ein Wettkampf auf ähnlichem Niveau, jedoch mit einer anderen Gewichtung in den einzelnen Disziplinen. Bei etwas besseren Bedingungen wären hier bei der DM sicher mehr als 5300 Punkte den gewesen“, so Trainer Schlesinger.

Das letzte Edelmetall aus hessischer Sicht bei der DM vor den Toren von München ging mit „Bronze“ in der U20 an Jenna Fee Feyerabend, die 5273 Zähler (Bestmarke 5306) sammelte. Dabei brachte die Gymnasiastin im Trikot des TV Groß-Gerau 14,46 Sekunden (100 Meter Hürden), 1,68 Meter (Hochsprung), 12,30 Meter (Kugel), 26,45 Sekunden (200 Meter), 5,42 Meter (Weitsprung), 40,42 Meter (Speer) und 2:26,49 Minuten (800 Meter) in die Wertung ein. Die Hessin sicherte ihren dritten Platz mit der guten Speerweite und den 800 Metern nach hinten ab. An der Spitze zogen Lara Siemer (Rukeli Trollmann) und Lilian Tösmann (BV Teutonia Lanstrop) mit den neuen persönlichen Bestmarken (5545 bzw. 5430 Pkt.) einsam ihre Kreise. Das Top-Trio in der U20 profitierte jedoch vom verletzungsbedingten Ausfall von Lucie Kienast (SV Halle), die in diesem Jahr bereits 6009 Punkte markierte. Die absolute Top-Favoritin verletzte sich im Weitsprung-Finale der DM von Braunschweig und konnte deshalb ihre Titelchance im Siebenkampf nicht nutzen.

In der jüngeren Altersklasse U18 trat Mia Hasselhort (LG Eintracht Frankfurt) als Achte die Heimreise nach Hessen an und hatte eine neue Bestmarke von 4956 Punkten im Gepäck. Annika Kind (Wiesbadener LV) kam auf 4054 Punkte (24.), konnte aber beim Speerwerfen leider keinen gültigen Versuch in die Wertung bringen. Im Zehnkampf der Männer fand sich Martin Kratz (TV Gelnhausen) mit 6953 Zählern auf dem siebten Platz wieder. In der Nachwuchsklasse U23 stand sogar ein vierter Rang zu Buche. Nennenswert sind 11,14 Sekunden im Sprint, 1,94 Meter bei der Höhenjagd sowie 40,95 Meter im regennassen Diskusring. Luca Kunkel (WLV/10. Bzw. 5. U23) markierte 6280 Punkte.

Eine deutliche Steigerung gegenüber seinem Zehnkampf von Frankfurt lieferte Björn Langer (LG Wettenberg) ab. Der U18er packte satte 371 Zähler drauf und ist nun bei 6461 Punkten (10.) angekommen. In den ersten drei Disziplinen verbuchte Björn mit 11,79 Sekunden (100 m), 6,38 Metern (Weitsprung) und 13,25 Metern (Kugel) neue Bestmarken und auch die 1,80 Meter im Hochsprung waren stark. In der U18 waren noch Jonas Harner (TV Gelnhausen/16. mit 6027 Pkt.) sowie Markus Wagenleitner (Königsteiner LV/ 17. mit 6022 Pkt.) dabei. Tim Schneider beendete den Zehnkampf der U20 als Achter (6127 Pkt.)