Kathrin Klaas auf Platz fünf beim Athletics World Cup
  15.07.2018 •     Leistungssport , Wettkampfsport


Tag eins der Premiere des Athletics World Cups in London war ein rundum gelungener Leichtathletik-Abend. Trotz des fast gleichzeitig stattfindenden Spiels um Platz drei bei der Fußball-WM in Moskau zwischen England und Belgien sowie zweier Tennisfinals in Wimbledon fanden sich deutlich mehr als 30.000 Zuschauer im Olympiastadion ein und sahen tolle Leistungen.

Nach der kurzfristigen Absage von Michael Pohl (Sprintteam Wetzlar) - er war für die Staffel über 4x100 Meter vorgesehen ,- vertrat zunächst nur Kathrin Klaas die hessischen Farben in der britischen Hauptstadt. Und die Hammerwerferin von der LG Eintracht Frankfurt erlebte hautnah den beeindruckenden Auftritt von Anita Wlodarczyk, die bei ihren vier Versuchen eine tolle Serie mit allen Würfen jenseits der 72 Meter ablieferte. Den Kracher lieferte die Polin zweifelsfrei in Durchgang Nummer drei ab, als sie das vier Kilogramm schwere Sportgerät auf die neue Weltjahresbestweite von 78,74 Meter beförderte und damit die US-Amerikanerin Anna de Price (78,12) von der Top-Position ablöste. Platz zwei und drei gingen durch Sophie Hitchon (GBR/73,48) sowie Alexandra Tavernier (FRA/73,78) ebenfalls „nach Europa“. Beide gehören damit ganz klar zu den Endkampf-Kandidatinnen für Berlin.

Von den Top 8 bei den anstehenden EM-Titelkämpfen ist Kathrin Klaas noch ein ganzes Stück entfernt. Bereits beim Einwerfen lief es für die Polizistin in London nicht richtig rund, und auch der erste Versuch landete prompt im Netz. Es folgten 64,52 und 63,57 Meter in den beiden nächsten Durchgängen. Zwei Weiten, die für die Eintrachtlerin sicherlich nicht zufriedenstellend waren. Schließlich hat sie in dieser Saison schon die 70 Meter geknackt. Im vierten und letzten Durchgang folgte eine moderate Steigerung auf 66,61 Meter - und damit Platz fünf und vier Punkte fürs deutsche Cup-Konto.

„Mir fehlt momentan die Konstanz“, sagte Kathrin Klaas nach dem Wettkampf. Auch Bundestrainer Helge Zölkau sah, dass bei seinem Schützling noch reichlich Luft nach oben ist. „Eigentlich sollte der Wettkampf auch psychisch für etwas mehr Stabilität sorgen. Das hat nun leider nicht geklappt. Zudem plagen Kathrin zeitweise wieder Rückenprobleme. Jetzt haben wir als Wettkampf nur noch die DM nächstes Wochenende in Nürnberg, ehe die EM in Berlin auf dem Programm steht.“

Überhaupt war der Auftritt des teilweise sehr jungen deutschen Teams ausbaufähig. Lediglich Platz sieben unter den acht gestarteten Nationen bei Halbzeit nach 17 von 34 Disziplinen ist zweifelsfrei noch steigerungsfähig. Bliebe es dabei, gingen immerhin noch satte 150.000 US-Dollar Preisgeld an die deutsche Equipe. Für jeden Platz weiter nach vorne kämen 50.000 Dollar hinzu. Besonders stark präsentierte sich in London die polnische Auswahl, die neben dem Sieg im Hammerwerfen der Frauen noch Erfolge über 1.500 Meter (Sofia Ennaoui/4:07,66), im Dreisprung (Karol Hoffmann/16,74) und im Kugelstoßen (Michal Haratyk/21,95) sowie zwei weitere Top-Drei-Platzierungen verbuchen konnte. Damit teilt sich die starke Nachbarnation Platz drei mit Jamaika (77 Punkte). In Führung liegen die USA (109) vor den Franzosen (85). Großbritannien findet sich auf Rang fünf (74) wieder, gefolgt von Südafrika (73).

Was ist der Athletics World Cup?

Ein Länderkampf, zu dem die acht besten Teams der vorjährigen Leichtathletik-WM von London eingeladen wurden. In den Disziplinen 100, 200, 400, 800, 1.500, 100 bzw. 110 Meter Hürden, 400 Meter Hürden, Hoch-, Weit-, Drei- und Stabhochsprung, Kugelstoßen, Diskus-, Hammer und Speerwerfen starten pro Nation jeweils eine Frau und ein Mann. Der jeweilige Disziplinsieger erhält acht Punkte, für den letzten Platz gibt es einen Zähler. Die Nation, die nach den insgesamt 34 Disziplinen die meisten Punkte gesammelt hat, gewinnt die eigens für dieses Event geschaffene Platin-Trophäe im Wert von 250.000 US-Dollar. Damit ist der Pokal „wertvoller“ als der Fifa World Cup, die Masters-Trophy oder der Stanley-Cup im Eishockey. An Preisgeld werden in London beachtliche zwei Millionen US-Dollar ausgeschüttet - also auch ein schöner Zahltag für die im Vergleich zu anderen Sportarten finanziell nicht unbedingt auf Rosen gebetteten Läufer, Springer und Werfer.