Julia Gerter: „Mein Ziel ist die WM“
  20.03.2019 •     Leistungssport


In der Hallensaison 2019 haben sich auch die hessischen Weitspringerinnen aus unterschiedlichen Gründen zurückgenommen. Es fehlten Carolin Schäfer, Claudia Salman-Rath und Xenia Stolz - und natürlich Julia Gerter, DM-Dritte von Nürnberg 2018. Vor acht Monaten hatte die Frankfurterin den EM-Start um nur einen Zentimeter verpasst, Alexandra Wester (ASV Köln) war einen Fingerbreit besser. Nürnberg war der bisherige Höhepunkt in der Weitsprung-Karriere der 24-jährigen Studentin der Wirtschaftswissenschaften, unter Trainer Jürgen Sammert gelang ihr ein grandioses Comeback. Persönliche Bestleistung sprang Julia Gerter bereits vor einem Jahr unter dem Hallendach und wurde DM-Vierte (6,41), Anfang Juli landete sie in Weinheim bei 6,56 Metern, in Nürnberg bei 6,68 Meter, Anfang September waren es beim Istaf 6,44 Meter. Anschließend legte die Hessin eine Pause bis Mitte Oktoberr ein. „Ich musste meinem Körper Zeit geben, um richtig gesund werden.“

Ein Zitat, das angesichts von nur drei Wettkämpfen im Sommer auf den ersten Blick merkwürdig erscheint, aber durchaus eine Grundlage hat. Im Mai 2018 wurde Julia Gerter von einem Muskelfaserriss gestoppt, im Laufe der Saison verstärkten sich Achillessehnenbeschwerden, von denen sie bereits seit 2017 geplagt wurde. „Wir haben angepasst und vorsichtig trainiert“, erzählt die Weitspringerin. Nach der Saison gab es einen „Cut“, wie sie es formuliert, im November folgte in der Sportklinik Bad Nauheim zunächst eine dreiwöchige Reha. Seitdem ist sie schmerzfrei. Es folgte ein zweiwöchiges Trainingslager in Südafrika, dort standen überwiegend Stabi-Übungen und Krafttraining auf dem Plan.Im Januar ging es nach Lanzarote, am 1. April hebt das Flugzeug in Richtung Belek (Türkei) ab. Dorthin geht es im Mai nochmals. Und dann beginnt die WM-Saison.

Eine Wettkampfplanung gibt es noch nicht, aber eine eindeutige Ansage: „Mein Ziel ist die Weltmeisterschaft.“ Die Titelkämpfe in Doha (Katar) finden vom 28. September bis 6. Oktober statt. Wobei sich in den DLV-Nominierungslichtlinien zwei Qualifikationsnormen finden: Eine erste, sie liegt bei 6,72 Meter, und eine zweite, sie heißt Stabilitätsnorm (6,60).

Julia Gerter weiß, wie sich eine internationale Großveranstaltung anfühlt, zumindest als Zuschauerin. Sie hat in Berlin bei der EM vor Ort mitgefiebert, zu diesem Zeitpunkt war die Wehmut, die Teilnahme denkbar knapp verpasst zu haben, bereits etwas gewichen. Europameisterin Malaika Mihambo ist auch die einzige Deutsche, die derzeit unantastbar ist, „sie macht ihr Ding“, sagt Julia Gerter. Dahinter war in der Hallensaison nicht wirklich viel los, im Kampf um die WM-Plätze hat die Hessin also gute Chancen. Bei Sosthene Moguenara ist an einem guten Tag vieles möglich, bei Alexandra Wester nach ihrer schweren Fußverletzung vieles in der Schwebe. Und hat Annika Gärtz (6,47 Meter in der Halle) noch mehr in den Beinen? Viele Fragen. Wie auch immer: Julia Gerter ist gut positioniert im nationalen Wettbewerb um Platz drei, vielleicht sogar Rang zwei im Weitsprung.

Wobei die Saisonplanung für Sammert eine spezielle Herausforderung werden dürfte. Denn zwischen der DM in Berlin (3./4. August) und der WM liegen sieben Wochen. Zudem ist in diesem Jahr auch die Universiade in Neapel (Italien/8. bis 13. Juli) ein lohnendes Ziel; neben der Norm von 6,60 Meter ist aber die Teilnahme an den deutschen Hochschulmeisterschaften in Köln (30. Mai) Pflicht. „Die Saison wird lang“, sagt Julia Gerter. Die konkrete Wettkampfplanung will sie mit Sammert demnächst besprechen.