Im Fokus: Oskar Schwarzer, deutscher U20-Hallenmeister über 800 Meter
  21.03.2018 •     Leistungssport , Wettkampfsport


Er gehört zu den Aufsteigern der Hallensaison im Hessischen Leichtathletik-Verband: Oskar Schwarzer, Zwölftklässler der Carl-von-Weinberg-Schule in Frankfurt und über 800 Meter für den TV Groß-Gerau mit ganz schnellen Zeiten am Start. Am 9. Februar lief der 18-Jährige in Erfurt 1:50,09 Minuten und positionierte sich damit als Favorit für die deutschen U20-Meisterschaften in Halle. Und wie der junge Südhesse das Finale dominierte, nötigte Respekt ab. Cool und abgezockt. Dreieinhalb Runden überließ Schwarzer dem späteren Zweiten Maximilian Sluka (Hallesche LF) die Führungsarbeit, zog dann vorbei und lief in 1:52,12 Minuten zum Titel. Bei seinem direkt nachfolgenden Debüt im DLV-Trikot, dem Dreiländerkampf in Nantes, war der Zieleinlauf genau anders: 1. Sluka 1:55,31, 2. Schwarzer 1:55,45 Minuten. Bleibt als Fazit, dass die Hallensaison nicht besser hätte laufen können für den jungen Mittelstreckler: eine herausragende persönliche Bestzeit, erster deutscher Titel, erster Länderkampf. Und im Sommer? Vom 10. bis 15. Juli findet in Tampere (Finnland) die U20-WM statt, und zum DLV-Limit fehlt Schwarzer nicht mehr viel. „Die Norm ist mein großes Ziel“, sagt er. Also 1:49,50 Minuten.

Dass sich Schwarzer derart vehement in den Vordergrund laufen würde, war nicht unbedingt vorhersehbar; national bedeutsame Zeiten sind aber bereits seit 2014 für ihn festgeschrieben. In jenem Jahr wurde er Zweiter der U16-DM in persönlicher Bestzeit von 2:00,45 Minuten, zwei Jahre später Vierter der U18-DM (1:55,24). Im vergangenen Sommer erreichte Schwarzer bei der U20-DM den siebten Platz (1:54,77), geschwächt durch einen Infekt blieb er über seinem Freiluftrekord (1:51,46). Hinter den Erfolgen von Schwarzer steht Trainer Dierk Feyerabend, ein Ex-Zehnkämpfer (7.440 Punkte/1983), ehemaliger HLV-Landestrainer und promovierter Diplom-Sportlehrer. Beruflich machte Feyerabend, 60, als Polar-Geschäftsführer Karriere, seit seinem Ausstieg vor fünf Jahren ist er als freiberuflicher Berater für Personalentwicklung, Vertriebs- und Marketingkonzepte tätig. Ein Vorteil des beruflichen Umstiegs: Feyerabend kann sich seine Zeit recht frei einteilen.

„Oskar ist extrem diszipliniert und organisiert“, sagt sein Coach. „Er hat Spaß in der Gruppe und auch die Eltern unterstützen ihn, wo sie können.“ Schwarzer profitiert von einer vielfältigen leichtathletischen Ausbildung, so wurde er bereits vor vier Jahren Vierter der deutschen U16-Meisterschaften im Blockwettkampf Lauf. Und auch im Weitsprung war der ehemalige Fußballer zumindest hessenweit als M15-Vizemeister vorne mit dabei.

„Die Hallensaison war sensationell“, sagt Feyerabend rückblickend. „Er hat alle Ziele, die mit dem Bundestrainer im Vorfeld besprochen waren, umgesetzt.“ Und so bleibt nach den „deutlichen Ausrufezeichen“ unter dem Hallendach auch für den Coach im Sommer 2018 nur ein Ziel: „Tampere und den nächsten internationalen Auftritt.“ Der Weg dorthin führt wohl über die Lange Karlsruher Laufnacht (19. Mai), die Lauf-Gala in Pfungstadt (9. Juni) und bei Bedarf noch über das Meeting in Regensburg. Allesamt Wettkämpfe, die auch dem deutschen Nachwuchs die Chance geben, schnelle Zeiten zu laufen. „Wir sind dankbar, dass es diese Rennen auch in Hessen gibt“, so Feyerabend.