DM in Nürnberg: Die aussichtsreichen Hessen
  19.07.2018 •     Leistungssport , Wettkampfsport


Ladies first. Gehört sich so. Obwohl die Meldeliste für die deutschen Meisterschaften am Wochenende in Nürnberg mit dem Themenschwerpunkt ambitionierte Frauen etwas ausgedünnt ist. Was auch daran liegt, dass Claudia Salman-Rath (LG Eintracht Frankfurt), die Weitsprung-Titelträgerin des Vorjahres, ihren Saisonverzicht verletzungsbedingt bereits im Winter verkündete; unlängst hat auch Lisa Mayer (Sprintteam Wetzlar) die Freiluftsaison wegen Oberschenkelproblemen ohne einen Start abgebrochen. Womit sich die Zahl der Titel- und Medaillenkandidatinnen logischerweise um zwei reduziert hat.

Über 100 und 200 Meter gemeldet ist Lara Matheis von der TSG Gießen-Wieseck. Aber bei allem Optimismus: Die Team-Europameisterin des Vorjahres hat leider nicht ihre grandiose 2017er Form, weshalb sie im Kampf um die vorderen Plätze keine Rolle spielen dürfte. Die Vorläufe über 100 Meter beginnen am Samstag um 16.25 Uhr, das Halbfinale wird am 18.35 Uhr angeschossen, das Finale um 19.45 Uhr bildet den Schlusspunkt des ersten DM-Tages. Über 200 Meter wird es am Sonntag (14.43/Uhr Halbfinale; 18.35 Uhr/Finale) ernst.

Womit wir bei Diana Sujew (LG Eintracht Frankfurt) wären. Die deutsche Jahresbeste (4:05,95 Minuten) und nationale Hallenmeisterin über 1.500 Meter ist bereits für die EM in Berlin nominiert. Was zählt in Nürnberg, ist also der Sieg gegen kaum schlechtere Konkurrenz in Person von Hanna Klein (SG Schorndorf/4:06,46). Das Halbfinale steht am Samstag (12.05 Uhr) im Zeitplan, der Endlauf am Sonntag (17.35 Uhr).

Wer ein neues Gesicht der hessischen Leichtathletik sehen möchte, sollte am Sonntag um 15.33 Uhr einen Blick auf das 5.000-Meter-Rennen der Frauen werfen. Dann nämlich dürfte Natalie Tanner von der LG Eintracht Frankfurt am Start und aufgrund ihrer Meldezeit von 16:04,60 Minuten im vorderen Feld zu erwarten sein. Dass die junge Dame mit den zwei Staatsbürgerschaften (deutsch, US-amerikanisch) über 10.000 Meter bereits für die EM nominiert ist, wurde ja bereits vermeldet. 

Siebenkampf-Vizeweltmeisterin Carolin Schäfer ist (auch) über 100 Meter Hürden gemeldet, und in dieser Disziplin dürfte sie die größten Chancen haben, weit nach vorne zu kommen. Mit 13,13 Sekunden ist die Frankfurterin die Nummer sechs der Meldeliste, was angesichts der hochklassigen Konkurrenz mit internationalen Erfolgen für eine Medaille kaum reichen wird. Aber natürlich für den Endlauf. Auch über die Kurzhürdendistanz geht‘s direkt mit dem Halbfinale los (Samstag, 17.30 Uhr), das Finale steigt 95 Minuten später.

Julia Gerter (LG Eintracht Frankfurt) könnte im Weitsprung nach ihrer jüngsten Steigerung auf 6,56 Meter eine gute bis sehr gute Rolle spielen. Die Medaillen dürften vergeben sein, aber dahinter ist vieles möglich am Sonntag ab 16.40 Uhr.

Hammerwurf der Frauen, schwieriges Thema. Selbst leichtathletik,de fällt zu diesem Wettbewerb nicht viel Belastbares ein. Die wichtigste Passage: „Kathrin Klaas hat das EM-Ticket schon sicher, die 70-Meter-Marke aber noch nicht im Griff. Titelverteidigerin Carolin Paesler und Susen Küster (Bayer Leverkusen) haben im vergangenen Jahr die 70 Meter übertroffen, sind davon in diesem Jahr aber noch ein Stück entfernt. Charlene Woitha (SCC Berlin) konnte sich dieser Marke wieder annähern.“ Der Wettkampf beginnt am Sonntag um 12.35 Uhr.

Nun aber zu den Männern. Die 100 Meter beziehen ihren Reiz nicht nur dadurch, dass in diesem Wettbewerb traditionell der schnellste Deutsche ermittelt wird. Denn in Nürnberg geht es noch um sämtliche EM-Nominierungen. Einzel und Staffel. Und mittendrin im High-Speed-Konzert sind zwei Hessen: Michael Pohl (10,22) und Kevin Kranz (10,24) vom Sprintteam Wetzlar. Viel Phantasie gehört nicht dazu, für die Titelkämpfe im Max-Morlock-Stadion einen echten Showdown vorherzusagen. Die Konkurrenz ist bekanntermaßen hart, aber wie sieht es bei Pohl und Kranz im Vorfeld aus? „Für Michael ist es die erste Saison, in der er nicht der Underdog ist, sondern unter Zugzwang steht“, sagt der HLV-Cheftrainer Kurzsprint, David Corell. „Er muss in den Modus kommen.“ Soll heißen: Sich in den drei Rennen - Vorlauf (Samstag, 16.05 Uhr), Halbfinale (18.15 Uhr) und Finale (19.35 Uhr) - in den richtigen Flow bringen. Was dem Wettkampftyp Pohl nicht schwerfallen dürfte … wären da nicht seine Probleme mit der Bauchmuskulatur, die ihn seit einigen Wochen mal mehr, mal weniger stören. Kranz hat es einfacher: Der Youngster (Jahrgang 1998) kann ohne Erwartungsdruck hinfahren, ganz schnell laufen und dann mitnehmen, was ihm zusteht. Klingt einfach, ist es vielleicht auch. Verglichen mit Pohl und den anderen Arrivierten.

Steven Müller von der LG ovag Friedberg Fauerbach geht als deutscher Hallenmeister und nominierter EM-Teilnehmer über 200 Meter an den Start. Mit seiner persönlichen Bestzeit von 20,46 Sekunden ist der 27-Jährige die Nummer zwei der Meldeliste. „Ich möchte meine Form bestätigen und mich gut präsentieren“, sagt Müller. Dem ist nichts hinzuzufügen. Außer den Wettkampfzeiten. Halbfinale am Sonntag um 15.10 Uhr, Endlauf um 18.45 Uhr.

Bei 800-Meter-Läufer Marc Reuther (Wiesbadener LV), auch er bereits für die EM nominiert, geht es in Nürnberg um eines: den Titel. Wobei es die Konkurrenz dem deutschen Jahresbesten (1:45,42 Minuten) kaum nochmal so vergleichsweise einfach machen dürfte wie bei der Hallen-DM. Das Halbfinale wird am Samstag (13.43 Uhr) gelaufen, das Finale am Sonntag (18.15 Uhr).

Bislang nur die deutsche Nummer drei über 1.500 Meter ist der ehemalige Weltklasseathlet Homiyu Tesfaye (LG Eintracht Frankfurt). Nach dem Halbfinale am Samstag (11.45 Uhr) dürfte im Finale (Sonntag, 17.45 Uhr) vieles, wenn nicht alles von der richtigen Strategie abhängen. Auf den Punkt gebracht: Was lässt sich Tesfaye angesichts der Kampfspurtqualitäten von Timo Benitz (LG Nordschwarzwald/3:37,74) einfallen? Marvin Heinrich (Wiesbadener LV/3:40,00) dürfte mit einem leisen Medaillensäuseln in die DM-Rennen gehen.

Laut und vernehmlich sind die Ansprüche des deutschen Jahresbesten über 400 Meter Hürden, Luke Campbell von der LG Eintracht Frankfurt. Setzt er annähernd um, was er diesen Sommer schon gezeigt hat (unter anderen 49,14 Sekunden), ist Campbell nicht zu schlagen. Um eine Medaille laufen dürfte der Shootingstar der vergangenen Wochen, Joshua Abuaku (LG Eintracht Frankfurt/50,78).

Angesichts der durchaus breit gefächerten Leistungsabbildung (welch ein wunderbares Trainer- und Funktionärswort!) im Männer-Weitsprung in diesem Sommer könnte auch Gianluca Puglisi (Königsteiner LV) eine gute Rolle spielen. Als Meldelisten-Sechster (7,82 Meter) hat der Hesse durchaus Chancen, die je nach Tagesform kleiner oder größer sind.

Zum guten Schluss, dies betrifft auch die Terminlage mit dem letzten DM-Rennen am Sonntag um 19.20 Uhr, hat der HLV noch einen Titelverteidiger am Start: die 4x400-Meter-Staffel der StG Schlüchtern/Flieden/Obertshausen. Mag der Name etwas sperrig daherkommen - die Jungs aus Hassen waren auch in diesem Sommer summarisch bereits richtig schnell. Als deutsche U23-Meister liefen Eric Herbert, Aleksi und Jaakkima Rösler sowie Constantin Schmidt 3:12,57 Minuten.

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