Berlin, Tampere, Györ: Wer ist dabei? Wer hat Chancen?
  30.05.2018 •     Leistungssport , Wettkampfsport


Rund vier Wochen sind die hessischen Topathletinnen und -athleten bereits aktiv -  Zeit für ein Update mit Blickrichtung internationale Saisonhöhepunkte. Nachfolgend noch einmal die drei Termine: Europameisterschaften im Berliner Olympiastadion (7. bis 12. August), U20-Weltmeisterschaften in Tampere (Finnland/10. bis 15. Juli), U18-Europameisterschaften in Györ (Ungarn/5. bis 8. Juli). Doch wer ist bereits nominiert? Wer hat die Norm erfüllt? Wer ist noch gar nicht in Erscheinung getreten? Wer hat noch Chancen? Fragen über Fragen - hlv.de gibt die Antworten.

Sicher ist: Marathonläuferin Katharina Heinig (LG Eintracht Frankfurt) wird in Berlin über 42,195 Kilometer dabei sein, die Nominierung der deutschen Meisterin erfolgte am vergangenen Freitag. Die DLV-Norm jeweils einmal erfüllt haben Kathrin Klaas (LG Eintracht Frankfurt) im Hammerwurf und Steven Müller (LG ovag Friedberg-Fauerbach) über 200 Meter; Natalie Tanner (LG Eintracht Frankfurt) über 10.000 Meter sogar zweimal. Weitere aussichtsreiche Läufer/innen greifen am Wochenende ins Geschehen ein. So die deutschen Hallenmeister Marc Reuther (800 Meter/Wiesbadener LV) und Diana Sujew (LG Eintracht Frankfurt/1.500 Meter) beim Meeting in Hengelo (Niederlande/3. Juni). Auch die europäisch ambitionierten Mittelstreckler Dennis Biederbick und Marvin Heinrich (beide Wiesbadener LV) starten nun erstmals durch: am 2. Juni in Osterode über 800 Meter. Die hessische Rekordhalterin über 100 und 200 Meter, Lisa Mayer vom Sprintteam Wetzlar, hat sich im EM-Sommer ebenfalls noch nicht auf der Bahn gezeigt.

Zur Trainingsgruppe von Mittelstrecken-Bundestrainer Georg Schmidt gehört seit rund zwei Wochen auch Homiyu Tesfaye (LG Eintracht Frankfurt). Nach seinem Ausstieg bei den deutschen 10.000-Meter-Meisterschaften in Pliezhausen hatte der 24-Jährige die Saison fast schon vorzeitig abgebrochen, jetzt sucht Tesfaye über die kürzeren Bahndistanzen seine EM-Chance. Kommen sie ähnlich (oder besser) in Schwung wie im Vorjahr, sind Michael Pohl (Sprintteam Wetzlar) und Lara Matheis (TSG Gießen-Wieseck) eine personelle Option für die EM-Sprintstaffeln. Nicht außer Reichweite ist die Teilnahme auch für Stabhochspringer Gordon Porsch (LG ovag Friedberg-Fauerbach). Schließlich hat er in seiner grandiosen Hallensaison gezeigt, dass er das Limit (5,60 Meter) drauf hat.

Luke Campbell (LG Eintracht Frankfurt), wie Natalie Tanner amerikanischer und deutscher Staatsbürger, sucht seine Chance über 400 Meter Hürden. Die Norm: 50,00 Sekunden, Campbells persönliche Bestzeit: 49,40 Sekunden. Könnte also klappen. Ob Constantin Schmidt (TG Obertshausen) in Berlin dabei sein wird, wird auch davon abhängen, ob der DLV überhaupt eine 4x400-Meter-Staffel nominiert. Grundsätzlich gilt: Die letzte EM-Chance bietet die DM in Nürnberg am Wochenende 21./22. Juli.

Ganz allgemein, ist es seit einiger Zeit schwierig, sich an den DLV-Bestenlisten online auf leichtathletik.de zu orientieren, da diese bisweilen nur fragmentarischen Charakter hatten. Was daran liegen dürfte, dass der langjährige Chefstatistiker Eberhard Vollmer nun Rentner ist.

Wie es um die EM-Teilnahme von Siebenkampf-Vizeweltmeisterin Carolin Schäfer (LG Eintracht Frankfurt) steht, wurde bereits vermeldet. In knapp drei Wochen in Ratingen steht die 26-Jährige zumindest unter dem Druck, mit einem Resultat jenseits von 6.000 Punkten durchkommen zu müssen. Für U23-Zehnkämpfer Dennis Hutterer (ASC Darmstadt) ist trotz seiner Steigerung auf mehr als 8.000 Punkte (!) bei den Hessenmeisterschaften nach den Götzis-Ergebnissen von Kai Kazmirek, Mathias Brugger und Niklas Kaul der Weg nach Berlin immer noch weit, sehr weit. Der Südhesse ist in Ratingen ebenfalls dabei und hat dort auch die Qualifikation für den traditionellen Thorpe Cup am 27./28. Juli (Fayetteville/USA) als lohnendes Ziel im Sinn.     

Zur U20-WM in Tampere. Regelmäßige hlv.de-Leser wissen es längst: Lisa Oed vom SSC Hanau-Rodenbach ist nach ihrem Rekordlauf über 5.000 Meter so gut wie durch. Gute Chancen hat zudem der deutsche Jugend-Hallenmeister Oskar Schwarzer (TV Groß-Gerau) über 800 Meter. Die Norm liegt bei 1:49,50 Sekunden. Schlussendlich abgerechnet wird bei der Junioren-Gala in Mannheim (23./24. Juni).

Bereits am nächsten Wochenende geht es für Zehnkämpfer Andreas Bechmann von der LG Eintracht Frankfurt um die Qualifikation. Die WM-Norm liegt bei 7.200 Punkten, nur einen Zähler weniger hat Bechmann bereits im Vorjahr erreicht. „Er ist beim Norm-Kurs in einer guten Position“, sagt HLV-Mehrkampftrainer Philipp Schlesinger über den Schützling von Jürgen Sammert. 2,01 Meter im Hochsprung, 4,90 Meter mit dem Stab und mehr als sieben Meter im Weitsprung verdeutlichen die Stärken des jungen Hessen. Siebenkämpferin Marshella Foreshaw (Königsteiner LV) feiert nach langwierigen Verletzungsproblemen am Fuß und nur sechs Wochen gezielter Vorbereitung ein Comeback. Zwei Jahre in Folge war sie international dabei, nun ist ihr Ziel, den Wiedereinstieg zu schaffen.     

Für Lara Kohlenbach (Königsteiner LV) geht es in Bernhausen um die EM-Norm - allerdings in der Nachwuchsklasse U18. Dort ist der HLV ohnehin wesentlich stärker aufgestellt als in der U20. Das Limit von 5.300 Punkten ist für Kohlenbach gut zu erreichen, bei den Hessenmeisterschaften waren es bei sechs Einzelbestleistungen bereits 5.512 Punkte. Und der Wechsel von den 100 auf die international geforderten 200 Meter dürfte ihr entgegenkommen. „Sie muss einfach nur ruhig weitermachen“, sagt Schlesinger. Nicht am Start ist Jenna Fee Feyerabend (TV Groß-Gerau), sie konzentriert sich auf den Hochsprung und hat mit 1,76 Metern ebenso wie Lara Tortell (TV Rendel) über 800 Meter (2:07,43 Minuten) die DLV-Zulassung bereits erreicht. Die Norm von 2:08,50 Minuten ist auch für Sophia Volkmer (LG Wetzlar) ganz nah.

In zuletzt drei Wettkämpfen jeweils deutlich über der Norm von 49 Metern war Speerwerferin Lilly Urban (LG Eintracht Frankfurt). Im ersten U18-Sommer verbesserte sie zuletzt auch die hessische Bestleistung auf 53,83 Meter und ist damit weltweit ganz vorne dabei. In Antonia Dellert (LG Seligenstadt) über 100 Meter (11,83) und ihrer Vereinskollegin Sarah Vogel (Stabhochsprung 3,80 Meter) haben zwei weitere HLV-Nachwuchsathletinnen die Norm bereits erfüllt.

Nicht zu vergessen Diskuswerferin Isabel Cramer vom TSV Hessen Frankenberg. Ihre Saison-Bestweite von 43,67 Metern ist nur recht knapp vom Limit (45,00) entfernt. Etwas weiter scheint der Weg für Kugelstoßer Janis Hammel (TV Gelnhausen) zu sein - von 18,05 auf 18,80 Meter. Chancen auf einen EM-Start hat auch Hindernisläuferin Marie Tertsch (ASC Darmstadt). Der Tag der Wahrheit und damit Deadline ist für alle Genannten der 16. Juni, die internationale U18-Gala in Schweinfurt.