Thomas Stewens mit M55-Weltrekord im Zehnkampf
  10.11.2021 •     HLV , Senioren , Wettkampfsport


Abseits der großen Meisterschaften erzielte Thomas Stewens vom SV Fun-Ball Dortelweil beim Jedermann-Zehnkampf in Bad Nauheim mit 8312 Punkten den mittlerweile von der WMA (World Masters Association) anerkannten Weltrekord im Zehnkampf der Alterklasse M55.

Der alljährliche Jedermann-Zehnkampf in Bad Nauheim, der 2020 aufgrund der Pandemie noch abgesagt werden musste, konnte dieses Jahr zur Freude aller wieder ausgetragen werden. Für Thomas Stewens war das Wochenende 18./19. September jedoch mehr als reines Vergnügen: Er reiste nach guter Vorbereitung mit dem Vorhaben in die Kurstadt, einen neuen Weltrekord im Zehnkampf in seiner Altersklasse M55 zu erzielen.

Trainiert von der hessischen Mehrkampf Kader-Trainerin Amaliya Sharoyan und unterstützt von den anderen Athleten des Fun-Ball war der erste Tag mit 4333 Punkten nach Plan gelaufen. Am Sonntag jedoch erreichte Stewens aufgrund einer von einem Geisterfahrer verursachten Totalsperrung der A3 das schöne Waldstadion in Bad Nauheim viel zu spät. Der Hürdenlauf geriet so mit fünf umgeworfenen Hürden und einer Zeit von 15,41 Sekunden zum Desaster, gefolgt von einem noch schwächeren Diskuswurf mit 32,45 Metern und damit circa 8 Meter unter Plan. Nun hieß es trotz der rapide nachlassenden Kräfte zu kämpfen, und so setzte Stewens alles auf eine Karte: Trotz verspannter Muskulatur und damit verbundener Probleme im Anlauf übersprang er im Stabhochsprung, angefeuert vom hessischen Zehnkampf-Olympiateilnehmer von 1992 Thorsten Dauth, mit einem einzigen gültigen Versuch die passable Höhe von 3,60 Meter. Zwar war dies deutlich unter der Jahresbestleistung (3,91 m), hielt den Hessen aber im Wettkampf – und im Rekordrennen: „ Ich wusste zu Beginn des zweiten Tages, dass ich an meinem eigentlich stärkeren Tag nachlassen würde und war deshalb mental auf relativ schwache Einzelergebnisse vorbereitet. Diese Einstellung hat sich letztlich als sehr wichtig für mich herausgestellt“, so Stewens. Der Speerwurf gelang dann wieder ganz passabel. Mit Hilfe der Anweisungen von Stephan Kallenberg, dem langjährigen Trainer des aktuellen Olympiavierten im Speerwurf Julian Weber, flog das Wurfgerät auf 46,05 Meter. Getragen von der tollen Atmosphäre im Waldstadion beendete Stewens, der jederzeit bestens von Stadionsprecher Jens Schulze über die Zwischenzeiten informiert wurde, den Zehnkampf dann völlig entkräftet, aber glücklich mit einer starken 1500-Meter-Zeit von 5:02,23 Minuten.

Am Ende standen 8312 Punkte zu Buche, was einen schönen weiteren Erfolg für den amtierenden Welt- und Europameister im Altersklassen-Zehnkampf bedeutete. Während die Arbeit von Stewens erledigt war, begann das engagierte Team um Veranstalter Harry Weisskirchen umgehend mit dem komplexen Prozess der Ratifizierung des Weltrekordes, welcher mit der erfolgreichen Eintragung in die WMA-Weltrekord-Liste (World Masters Association) am 3. November seinen Abschluss fand.

Wir hatten die Möglichkeit mit Thomas Stewens zu sprechen, ihm zu gratulieren und seine Gedanken und Emotionen einzufangen:

„Seit 15 Jahren war es mein Ziel, einen Altersklassen-Weltrekord im Zehnkampf aufzustellen. Alles andere habe ich als amtierender Welt- und Europameister im Zehnkampf und mit Weltrekorden im Fünfkampf in der Halle und im Freien schon erreicht, aber der Zehnkampf-Weltrekord wollte einfach nicht gelingen. Und das, obwohl der Zehnkampf seit der Jugend meine Leidenschaft ist. Auf diesen Weltrekord habe ich jetzt die letzten vier Jahre konsequent mit sechs bis neun Einheiten pro Woche hintrainiert. In der M45 und der M50 habe ich den jeweiligen Rekord relativ knapp verfehlt, nun hat es endlich geklappt. Mit dem guten Trainingskonzept meines Heimatvereines SV Fun-Ball Dortelweil, in Kooperation mit den Spitzen-Trainern des HLV wie Amaliya Sharoyan und Nastija Reiberger, war das trotz aller Einschränkungen durch Corona möglich. Ich bin sehr froh, dass mir der LSC Bad Nauheim und das tolle Team der Kampfrichter und Helfer die Möglichkeit gegeben hat, diesen Zehnkampf in diesem Jahr so kurz nach meinem 55. Geburtstag zu bestreiten.“

 


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