Startläufer Steven Müller führt DLV-Quartett bei den „World Athletics Relays“ im polnischen Chorzow zum Sieg über 4x200 Meter.
  04.05.2021 •     Leistungssport , Wettkampfsport


Licht und Schatten gab es für das kleine hessische Team bei den „World Athletics Relays“, den inoffiziellen Staffel-Weltmeisterschaften, im polnischen Chorzow. Im Vorfeld der Titelkämpfe schrumpfte das ursprünglich nominierte HLV-Quartett nach der Startabsage der deutschen 4x100 Meter Staffel der Frauen (mit Rebekka Haase und Lisa Mayer) auf zwei Männer. Die bereits für Tokio qualifizierten Sprinterinnen reisten nicht nach Schlesien an, da zwei Läuferinnen aus dem Staffel-Pool des DLV bei zuvor auf den Kanaren durchgeführten Trainingslager mit muskulären Problemen zu kämpfen hatten und man von der Verbandsseite kein Risiko eingehen wollte. So lastete der Druck auf den Schultern von zwei Männern.

Beginnen wir mit dem Top-Resultat aus deutscher Sicht, an dem auch ein Hesse maßgeblich beteiligt war. Über 4x200 Meter ging der Titel und damit ein Preisgeld in Höhe von 24.000,- US-Dollar nach Deutschland. Das Quartett in der Besetzung Steven Müller (LG OVAG Friedberg-Fauerbach), Lucas Ansah-Peprah (Hamburger SV), Felix Straub (SC DHfK Leipzig) und Owen Ansah (Hamburger SV) setzte sich mit 1:22,43 Minuten ganz sicher gegen Kenya (1:24,26 min.) und die Landesrekord laufenden Portugiesen (1:24,53 min.) durch. Mitfavorit Polen kam nach einem verpatzten letzten Wechsel nicht ins Ziel. Auch das Team aus Dänemark verabschiedete sich, nachdem bereits der erste Stabübergabe nicht gelang.

Steven Müller und seine Mitstreiter liefen das Rennen von der Spitze weg, da sie auf Bahn sieben gesetzt wurden und während der knapp 90 Sekunden die Gegner im besten Fall im Rückspiel hätten sehen können. Sichere Wechsel bei der DLV-Truppe und eine starke läuferische Leistung waren der Grundstein für die bereits dritte deutsche Medaille auf dieser Distanz, nach zweimal Bronze (2015 und 2019). Dass der Meisterschaft-Rekord von Jamaika (1:18,63 Minuten im Jahr 2014) und auch die Weltjahresbestzeit  eines US-Teams (1:21,31 min.) nie in Gefahr waren, muss fairerweise erwähnt werden. Beide Nationen waren auf dieser Distanz, eben wie Kanada, Südafrika, Frankreich oder Italien, nicht am Start. Bei nicht gerade sprintfreundlichen Temperaturen deutlich unter zehn Grad ist die Siegeszeit jedoch als absolut stark zu bewerten. Neben dem netten Preisgeld war der Titel zweifelsfrei der bisher größte sportliche Erfolg für die vier Sprinter. Das bestätigte auch Bundestrainer Ronald Stein. „Die Vier haben wirklich einen super Job gemacht. Es waren ja noch viele unerfahrene Athleten dabei, selbst Steven Müller als Ältester ist international noch nicht so oft dabei gewesen. Die Zeit ist bei diesen Bedingungen extrem hoch einzuordnen“, so der erfahrene Coach.

Richtig gut in den Wettkampf kamen auch die Kurzsprinter. Sie mussten auch „liefern“, waren die „World Athletics Relays“ doch gleichzeitig Qualifikation für Olympia in Tokio. Die Vorgabe war klar. Mit dem Erreichen des Finals hatte man das Ticket nach Japan sicher. Nach dem Vorlauf war dann auch der Jubel bei Julian Reus (Top Team Thüringen), Joshua Hartmann (ASV Köln), Deniz Almas (VfL Wolfsburg) und Marvin Schulte (SC DHfK Leipzig) groß. Im zweiten Vorlauf stürmte das DLV-Quartett mit 38,70 Sekunden auf dem zweiten Platz hinter den starken Brasilianern (38,45 sec.) ins Ziel. Damit war die das Finale und auch die Olympia-Teilnahme eingetütet. Nach Auswertung der drei Vorläufe waren mit Italien, Brasilien (beide 38,45 sec.) und Südafrika (38,49 sec.) nur drei Teams schneller als Deutschland. Das Eingreifen in den Kampf um Medaillen war also durchaus realistisch, zumal die schnellen Jungs aus Jamaika, den USA oder Kanada erst gar nicht angereist waren.

Am Finaltag musste dann „umgebaut“ werden. Michael Pohl (Sprintteam Wetzlar) übernahm nach Problemen beim Aufwärmen den Startpart von Julian Reus. Doch nach gerade einmal 50 Metern war das Rennen für den Hessen schon wieder beendet. Bei überaus frischen  Temperaturen machte die „Wadenmuskulatur dicht“ und es kam erst gar nicht zum ersten Wechsel. Glück im Unglück, denn das medizinische Team konnte später Entwarnung geben, eine Verletzung konnte nicht diagnostiziert werden. Der extrem knappe Einlauf an der Spitze, Südafrika siegte mit 38,71 Sekunden vor Brasilien (38,72 sec.) musste wenig später revidiert werden, da die Südamerikaner während des Rennens die Bahnmarkierung nach innen übertreten hatten. Auch Ghana, ursprünglich auf dem Bronzerang, wurde nach Überlaufen des Wechselraums, disqualifiziert. So lautete das finale Ranking im „Silesian Stadium“ dann Südafrika vor Italien (39,21 sec.) und Japan (39,42 sec.). Alles Zeiten, die auch die deutschen Sprinter bei guten Wechseln allemal drauf haben. „Das ist natürlich schade. Das Hauptziel Olympia-Qualifikation ist aber erreicht worden“, so DLV-Trainer David Correll in einem kurzen Fazit.