Osman läuft Bestzeit und hofft auf einen deutschen Pass
  27.07.2018 •     Leistungssport , Wettkampfsport


Wenn am heutigen Freitagabend die besten deutschen Jugendlichen in Rostock ihren U20-Meister über 5.000 Meter ermitteln, wird der Schnellste im Land fehlen: Ilyas Osman vom TV Waldstraße Wiesbaden, Jahrgang 1999. Die DLV-Bestenliste über 10.000 Meter führt der gebürtige Somalier virtuell bereits seit mehr als drei Monaten an, geführt wird er allerdings ganz unten mit dem Vermerk „nicht bei DM teilnahmeberechtigt“. Mitte April war Osman 30:04,03 Minuten gelaufen. Und vor einer knappen Woche demonstrierte der Nachwuchsläufer vom TV Waldstraße Wiesbaden beim Meeting in Heusden-Zolder (Belgien) wiederum sein überragendes Talent. Nachdem die zwölfeinhalb Runden beendet waren, zeigte die Uhr 13:47,94 Minuten. Den deutschen U20-Rekord hält Hansjörg Kunze seit 1978 (13:42,2). Der Mann aus Rostock ist nicht irgendein Sputnik, sprich später in der Versenkung verglüht: Der heute 58-Jährige gewann 1988 Olympiabronze über 5.000 Meter und wurde 1983 sowie 1987 jeweils WM-Dritter über 10.000 Meter. Und Osman? Er ärgerte sich nach dem Rennen in Belgien, dass „die ersten 3.000 Meter zu langsam waren“. Ansonsten hätte er zehn Sekunden schneller laufen können. Die letzten 800 Meter absolvierte er in 2:03 Minuten.

Der junge Mann ist also wieder heraus aus dem „Motivationsloch“, wie es sein Trainer Günter Jung formuliert. Denn der 18-Jährige hatte darauf gehofft, dass sein Einbürgerungsverfahren rasch beendet sein würde - damit er bei der U20-WM an den Start gehen kann. Daraus ist nichts geworden, sein Antrag liegt ein Jahr nach der Anhörung weiterhin beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. „Aber es passiert definitiv etwas. Wir haben gute Signale von den Behörden erhalten. Wir freuen uns sicherlich nicht zu früh, aber es sieht nicht mehr so schlecht aus“, sagte Jung vor zwei Wochen dem Wiesbadener Kurier.

Angesichts der ausstehenden Einbürgerungsurkunde haben Jung und Osman den sportlichen Fokus justiert, Zielsetzung sind nun neue Bestzeiten. Was nach einem dreiwöchigen Trainingslager in der Eifel am vergangenen Wochenende über 5.000 Meter schon mal geglückt ist …