Jan Felix Knobel beendet seine Karriere
  09.11.2018 •     Leistungssport


Jan Felix Knobel (Königsteiner LV) hängt seine Spikes an den berühmten Nagel und verabschiedet sich vom Leistungssport. Für den Zehnkämpfer lautet die Devise künftig „Schreibtisch statt Sportplatz“. Nach rund 15 Jahren intensiver sportlicher Belastung im Training und bei Wettkämpfen rücken andere Dinge in den Fokus des 29-Jährigen. „Im Leben nehmen mittlerweile andere Aufgaben mehr Raum ein als der Sport“, sagt der KLV-Athlet, der den nicht immer einfachen Weg der dualen Karriere, also Leistungssport und zeitintensive akademische Ausbildung, erfolgreich beendet hat.

Knobel hatte Anfang 2018 nach Beendigung seines Studiums eine Anstellung als Architekt in einem großen Büro in Friedberg gefunden. Was mit 25 Wochenstunden begann, hat sich vom Arbeitsaufwand weiter gesteigert - Wochenendarbeit bei wichtigen Terminprojekten eingeschlossen. Und Anfang 2019 wird der ehemalige Bundeskader-Athlet noch ein berufsbegleitendes Studium zum Immobilienökonom draufsatteln.

„Der Entschluss, keinen Zehnkampf mehr zu bestreiten, war ein längerer Prozess, der während dieser Saison reifte. Neben der beruflichen Belastung wurde es immer schwerer, auf sehr hohem Niveau zu trainieren, um an die alte Form heranzukommen. Das war oft auch ein zeitliches Problem. Eigentlich hatte ich angedacht, mich mit einem Zehnkampf auf hohem Niveau vom Leistungssport zu verabschieden. Dafür muss aber das Gesamtpaket stimmen. Ich hatte zum Teil sehr gute Leistungen in einzelnen Disziplinen, aber nicht in allen. Einfach nur antreten und zum Spaß etwas im Bereich von lediglich 6.000 Punkten abliefern, kam für mich aber nicht in Frage“, erklärt der Junioren-Weltmeister von 2008.

14,72 Sekunden über 110 Meter Hürden, 4,90 Meter im Stabhochsprung, 15,73 Meter mit der Kugel und 47,94 Meter mit dem Diskus sind Einzelleistungen auf einem sehr hohen Niveau, doch für einen Zehnkampf auf ähnlichem Niveau fehlen ja noch einige Disziplinen. „Der Aufbau im Winter hat letztendlich nicht gereicht, um einen stabilen Wettkampf mit zehn Disziplinen an zwei Tagen absolvieren zu können“, bestätigt der hessische Mehrkampf-Landestrainer Philipp Schlesinger, der Knobel in den zurückliegenden vier Jahren betreut hat. 

Hinzu kam eine Operation vor gut einem Jahr. An beiden Füßen wurden Verknöcherungen und Verwachsungen der Plantarissehnen entfernt. Diese Problematik war in den Monaten zuvor immer wieder der Grund, dass der KLVler Wettkämpfe nicht beenden konnte. „Die Operationen haben mir reichlich Lebensqualität zurückgegeben und wieder ein geregeltes Training zugelassen, wobei die Regeneration doch recht lange gedauert hat. Die Vorbereitungszeit auf die Saison war aber einfach zu kurz. Rückblickend habe ich viel erreicht und ich hatte eine tolle Zeit, an die ich mich gerne erinnern werde. Jetzt beginnt für mich ein neues Kapitel“, bilanziert Knobel, dessen Bestleistung bei 8.396 Punkten notiert ist.

In seiner langen sportlichen Karriere verbuchte Knobel diverse Spitzenresultate. Zu nennen sind die DM-Titel im Achtkampf (2003, M14/2004, M15), die deutsche B-Jugendmeisterschaft im Zehnkampf (2005, 2006), deutscher Hallenmeister im Siebenkampf (2005 B-Jugend, 2006 A-Jugend), deutscher Zehnkampfmeister (2009, Männer), 5. Platz im Achtkampf bei der U18-WM, Zehnkampf-Weltmeister (U20) 2008, Platz 8 bei der WM 2011 (Männer), Olympia-Teilnahme 2012 in London, Teilnahme Universale 2013, Platz 5 beim Mehrkampf-Meeting 2011 in Götzis, Sieg beim Mehrkampf-Meeting 2012 in Ratingen, Platz 3 im Jahr 2013 sowie Sieg beim  Thorpe-Cup 2015 in Bernhausen. 

Ob es in der Zukunft noch Starts in Einzeldisziplinen geben wird, lässt Knobel offen. „Das könnte ich mir durchaus vorstellen. Stabhochsprung und die Würfe machen mir ja richtig Spaß und liegen mir auch. Das werde ich kurzfristig entscheiden. Aber auch auf solche Starts würde ich mich entsprechend vorbereiten. Gerne würde ich aber mein Wissen in irgendeiner Form an den Nachwuchs bei uns im Verein weitergeben. Ich habe dem KLV schließlich viel zu verdanken und wurde hier bestens aufgenommen“, sagt der Mann aus dem Taunus. Auch Schlesinger attestiert seinem Schützling ein außergewöhnliches Verständnis für die einzelnen Disziplinen: „Es war schon faszinierend, wie detailliert sich Jan Felix immer wieder in die Bewegungsabläufe hineingearbeitet hat. Eine solche Einstellung zu ihrem Sport bringen nicht viele Athleten mit.“