Aufsteiger, Aussteiger, Auszeiten
  28.06.2017 •     Trainerportrait


Die Bilanz des HLV-Teams Leistungssport nach zehn Wochen Wettkampfsaison kann sich sehen lassen: Marathonläuferin Katharina Heinig ist für die WM in London (4. bis 13. August) nominiert, ebenso die Siebenkämpferinnen Carolin Schäfer und Claudia Salman-Rath. Die zuletzt Genannte könnte sogar im Weitsprung dabei sein. Auch Homiyu Tesfaye (1.500 Meter) und Kathrin Klaas (alle LG Eintracht Frankfurt/Hammerwurf) sowie Lisa Mayer (Sprintteam Wetzlar/200 Meter) sind für London aufgrund ihrer Normerfüllungen „vorqualifiziert“. Und Dennis Hutterer (ASC Darmstadt/Zehnkampf), Marc Reuther (Wiesbadener LV/800 Meter) sowie Constantin Schmidt (TG Obertshausen/4x400 Meter) vertreten den HLV bei der U23-EM in Bydgoszcz (13. bis 16. Juli). Für die U20-EM in Grosseto (20. bis 23. Juli) sind Lisa Oed (SSC Hanau-Rodenbach), Lisa Tertsch (ASC Darmstadt/beide 3.000 Meter Hindernis) und Niklas Harsy (LAZ Gießen/800 Meter) nominiert. An der U18-WM in Nairobi (12. bis 16. Juli) nimmt Marshella Foreshaw (Königsteiner LV/Siebenkampf) teil. Nicht zu vergessen jene Bergläufer, die sich für die EM in Kamnik (Slowenien/8. Juli) qualifiziert haben: Sarah Kistner (MTV Kronberg), Lisa Oed, Aaron Bienenfeld, Marius Abele und Julius Hild (alle SCC Hanau-Rodenbach).<ENDE/>

Doch zum Leistungssport gehören in jedem Sommer auch Spitzenathleten, die zeitlich begrenzt wegen Krankheit oder Verletzung nicht trainieren können. Oder ihre Karriere beendet haben. Und wenn es keine Tops aus der ersten Reihe sind, gehen diese persönlichen Schlussstriche zumeist an der Öffentlichkeit vorbei. So wie bei Zehnkämpfer Daniel Sturma (LG Eintracht Frankfurt), der aufgrund dauerhafter Knieschmerzen nicht mehr aktiv ist. „Leider hat sich trotz intensiver Behandlungen keine Besserung ergeben“, sagt der hessische Landestrainer Philipp Schlesinger. Der Mathematikstudent hatte seinen erfolgreichsten Sommer vor zwei Jahren, als er sich in der U20-Jugend mit 7.504 Punkten für die EM qualifizierte und bei den Titelkämpfen Platz sechs erreichte (7.464 Punkte). Man sollte auch davon ausgehen, dass der gebürtige Offenbacher Pascal Behrenbruch nicht mehr aktiv ist, jedenfalls ist der ehemalige Zehnkampf-Europameister (2012 mit 8.558 Punkten) seit Monaten auf keinem Leichtathletik-Übungsplatz mehr gesehen worden. Im Alter von 32 Jahren ist Behrenbruch schlichtweg von der Bildfläche verschwunden.

So wie Hammerwerfer Garland Porter, vor einem Jahr DM-Zweiter mit 71,00 Metern. Der Amerikaner, auch er Mitglied von Eintracht Frankfurt, hatte in Berlin beim ehemaligen Bundestrainer Michael Deyhle trainiert; ein zuverlässiger Zeitgenosse soll Porter aber nicht gewesen sein. Nun ist Deyhle bekanntlich seinen DLV-Job los und in China tätig. Seitdem wurde auch Porter nicht mehr gesichtet. Auch zwei junge Damen - neben der schwer am Knie verletzten Maryse Luzolo (Königsteiner LV) und Eileen Demes (Pfeiffersches Drüsenfieber) . sind in diesem Sommer komplett raus aus dem Wettkampfbetrieb: Mona Gottschämmer von der LG Eintracht Frankfurt, im vergangenen Jahr mit 1,85 Metern beste deutsche U20-Hochspringerin und Teilnehmerin an der U20-WM. Gottschämmer hat ihr Abitur und im Frühjahr ein Trainingslager auf Kreta hinter sich gebracht, seitdem bleibt sie krankheitsbedingt bis auf Weiteres dem Sport fern. Siebenkämpferin Lea Menzel vom TV Neu-Isenburg, 2016 Dritte der Hallen-DM und ein halbes Jahr später beim Thorpe Cup erstmals im Nationaltrikot am Start (5.442 Punkte), hatte sich nach den deutschen Mehrkampfmeisterschaften im August (vorzeitiges Aus im Weitsprung wegen einer Beugerverletzung) für ein Auslandssemester an der University of Nevada nach Amerika verabschiedet. Ein unlängst geplantes Gespräch kam laut Schlesinger nicht zustande.

Keine positiven Nachrichten gibt es auch von Zehnkämpfer Aron Schreiner (LG Eintracht Frankfurt), der im WM-Jahr eher nicht als Wettkämpfer in Erscheinung treten wird. Der Grund: zwei Muskelfaserrisse, einer im Winter, der zweite im Sommer. Wie die Karriere des ehemaligen deutschen U18-Meisters (2010/7.161 Punkte) weitergeht, scheint völlig offen zu sein. Denn neben starken Leistungen, so als U20-Athlet (2012/7.254 Punkte) und 2015 (7.402 Punkte), war seine Laufbahn schon immer gepflastert mit Verletzungen und Krankheiten. Wie auch jene von Christina Kiffe vom ASC Darmstadt. Die Siebenkämpferin, deren Bestleistung aus dem Jahr 2010 stammt (5.607 Punkte), musste sich im vergangenen Sommer einer schweren Schienbeinoperation unterziehen. Kiffe war in der Halle bei den hessischen Winterwurfmeisterschaften am Start, konzentriert sich derzeit aber auf ihr Jura-Staatsexamen.
Die deutsche Hochsprung-Rekordhalterin Ariane Friedrich, die sich vor einem Jahr bei den nationalen Titelkämpfen in Kassel schwer am Knie verletzt hat, soll übrigens bei der DM in Erfurt offiziell und auf großer Bühne verabschiedet werden.
Uwe Martin