Von Erdbeerkuchen und der Zukunft der hessischen Leichtathletik
  03.09.2021 •     HLV , Verbandsnews


Am Dienstag fand am Bundesstützpunkt und Landesleistungszentrum Frankfurt-Niederrad eine Veranstaltung statt, die mehrere erfreuliche Anlässe kombinierte. Zum einen wurden die teilnehmenden Athletinnen und Athleten an den Olympischen Spielen sowie den Europameisterschaften der U23 und U20 geehrt. Zum anderen wurde über die Zukunft des Standorts „Hahnstraße“ gesprochen. Bereit fest steht der umfangreiche Ausbau der Sportanlage im kommenden Jahr. Darüber hinaus wurde die Idee eines „Sportclusters Frankfurt Süd“ präsentiert, einem Projekt, das Frankfurt als Sportstadt stärken und zum Hotspot für die Leichtathletik in Deutschland machen soll. Stadtrat und Sportdezernent Markus Frank versprach zur Eröffnung und in Gedenken an Ilse Bechthold einen Erdbeerkuchen mitzubringen.

 

Die Sonne strahlte am Dienstagmorgen an der Hahnstraße mit allen Beteiligten um die Wette. Es galt an diesem Tag Athletinnen und Athleten zu ehren sowie infrastrukturelle Maßnahmen für eine erfolgreiche Zukunft vorzustellen.

Acht der ein Dutzend Olympia-Fahrer aus Hessen waren nach Frankfurt gekommen und berichteten in eindrucksvollen Worten von ihren olympischen Erlebnissen. Sie schilderten den Tagesablauf, verglichen ihre Speisepläne und ließen das Publikum teilhaben an ihren Emotionen. Dabei wurde deutlich, dass die „Reise Olympia“ eine weitaus längere war, als die wenigen Tage in Japan rund um den Wettkampf selbst. Die jungen Sportlerinnen und Sportler erzählten von ihren jahrelangen Vorbereitungszeiten auf das Großereignis, wie sie sich durch die Corona-Pandemie gekämpft haben und was sie alles diesem persönlichen Karriere-Highlight unterordnen mussten.

HLV-Präsident Klaus Schuder dankte allen Akteuren und deren Trainerinnen und Trainern für deren Engagement und hohe Leistungsbereitschaft. „Ihr habt Großes geleistet, für den hessischen Sport, für den HLV und ganz besonders für euch selbst. Darauf könnt ihr stolz sein.“

Ein Traum wurde wahr für: Steven Müller, Amos Bartelsmayer, Joshua Abuaku, Luke Campbell, Lisa Mayer, Rebekka Haase, Melat Kejeta, Katharina Steinruck, Maryse Luzolo, Vanessa Grimm, Carolin Schäfer, Gesa Krause

Ein großes Dankeschön wollte der HLV auch seinem „Team-Tallinn“ aussprechen. Zahlreiche Nachwuchssportler hatten sehr erfolgreich an den Europameisterschaften der U23 und U20 in der Hauptstadt Estlands teilgenommen. Die nach Frankfurt angereisten Vertreter erinnerten sich gerne im Gespräch an ihre Erlebnisse.

U23: Lisa Oed, Eva Dieterich, Andreas Bechmann, Oskar Schwarzer, Sven Wagner

U20: Antonia Dellert, Holly Okuku, Hawa Jalloh, Lilly Urban, Jule Behrens, Sarah Vogel, Oliver Koletzko, Okai Charles, Christoph Schrick, Bastian Mrochen

Die U18-Europameisterschaft in Rieti wurde leider abgesagt. Die beiden Normerfüller Jana Becker und Lasse Schmitt wurden vor Ort dafür gelobt, ein Gruß ging an Masha-Sol Gelitz, Vivian Groppe, Holly Okuku und Jan Dillemuth. Vivian und Jan waren bei den „Ersatzmeisterschaften“ in Ruhpolding dabei.

Ein weiterer Schwerpunkt der Veranstaltung war die öffentliche Bekanntgabe der geplanten Renovierung und des Ausbaus der Sportanlage an der Hahnstraße. Die Umbauarbeiten starten voraussichtlich im Juni kommenden Jahres und umfassen unter anderem folgende Maßnahmen:

  • Ausbau zu einer funktionellen Anlage für spitzensportliches Training und regionale und nationale Wettkämpfe
  • Verlegung eines neuen Kunststoffbelages mit integrierter Zeitmessung für Sprint und Sprung
  • Wettkampfanlage für Weit- und Dreisprung
  • Verlegung der Stabhochanlage auf die westliche Sprintgerade
  • Verlegung des Diskus-/Hammerkäfigs
  • Weitere Kugelstoßanlage neben dem Wurfhaus
  • Bahn 0 für Mittel- und Langstreckenläufer mit Kunstrasen für gelenkschonende Tempoläufe im Training
  • Steigungs- bzw. Gefällstrecke östlich der Anlage
  • Sonnen- und Regenschutz im Bereich der Sektoren

Weiterhin wurde an diesem Tag ein Blick in die Zukunft geworfen. Stadtrat und Sportdezernent Markus Frank erläuterte die Idee des „Sportclusters Frankfurt Süd“. Das Landesleistungszentrum Leichtathletik, zugleich Bundesstützpunkt, soll um eine Leichtathletikhalle erweitert werden und diesen Standort zu einer der zentralen Stellen der deutschen Leichtathletik machen. „Es geht darum, das vorhandene Geld an der richtigen Stelle zu investieren, die Sportstadt Frankfurt voranzubringen, auch über deren Stadtgrenze hinaus.“ Dabei wird das Sportdezernat tatkräftig vom Sportamt Frankfurt und deren Leiterin Angelika Strötz unterstützt. Frank rechnet mit einer Umsetzungsdauer von mindestens sechs Jahren für dieses ambitionierte Projekt. Der Sportdezernent erinnerte an zahlreiche Treffen mit der im Mai verstorbenen Ilse Bechthold, zu denen das Eintracht-Urgestein immer einen selbstgebackenen Erdbeerkuchen mitgebracht hatte. Der „Grande Dame der Leichtathletik“ zu Ehren soll die neue Halle „Ilse-Bechthold Leichtathletikhalle“ genannt werden. Dann möchte Frank diesen legendären Obstkuchen mitbringen.

In ihrer Präsentation stellte Dr. Karin Fehres, Sportreferentin der Stadt Frankfurt, das Projekt genauer vor. Der Bau einer Leichtathletikhalle auf dem unmittelbar angrenzenden Gelände hätte den entscheidenden Vorteil der „kurzen Wege“. Athletinnen und Athleten, Trainerinnen und Trainer müssten nicht mehr den langen Weg in die Kalbacher-Halle auf sich nehmen. Auch für die Schülerinnen und Schüler der Carl-von-Weinberg-Schule wäre diese Maßnahme eine große Erleichterung. Das unterstrich auch Marathonläuferin und Olympiateilnehmerin Katharina Steinruck, einst selbst Schülerin der Eliteschule des Sports: „Eine solche Halle an diesem Standort wäre Gold wert. Damit hätte die Fahrerei durch die ganze Stadt ein Ende.“ Fehres wies darauf hin, dass das Projekt im Kontext der Stadtteilentwicklung zu sehen ist. „Wir werden die Bedürfnisse der Umgebung berücksichtigen und in unsere Planungen einbeziehen.“ Die Sportreferentin denkt beispielsweise an den Neubau einer Grundschule für den sich dynamisch entwickelnden Stadtteil. Als nächste Schritte soll eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben werden und die Bedarfe verschiedener Sportarten abgefragt werden.

Andreas Klages, Hauptgeschäftsführer des Landessportbundes Hessen, sprach in diesem Zusammenhang von einer „entwaffnenden Grundidee, da der Standort nach einem Neubau schreie und die neue Infrastruktur auf die bestehende draufgesattelt werden könne. Für ganz Hessen wäre eine solche Sportraumentwicklung ganz wichtig, viele Sportarten könnten profitieren.“

In die gleiche Kerbe schlug HLV-Vize-Präsident Leistungssport Martin Rumpf: „In Kooperation mit anderen Sportarten würde die neue Halle einen Quantensprung bedeuten, auch aus Sicht der Nachhaltigkeit. Es ist nicht nur der Leistungssport, den wir hier fördern möchten, es betrifft den gesamten Sport.“

Den Aspekt einer modernen Leistungsdiagnostik stellte der Leiter des Olympiastützpunkts Hessen, Werner Schaefer, heraus.

Sehr zufrieden mit der Entwicklung des Standorts zeigte sich DLV-Vorstandsvorsitzender Idriss Gonschinska: „Mit aktuell 62 Bundeskaderathleten kann ich ihn nur als sehr wertvoll bezeichnen. Dennoch, oder gerade deshalb, brauchen wir auch hier Innovation. Die Idee eines High Performance Centers finde ich großartig.“

Der HLV hatte die Idee einer multifunktionalen Leichtathletikhalle am Standort Niederrad ins Spiel gebracht. Der Komplex soll unter anderem Seminarräume für Aus- und Fortbildungen bieten und den Deutschen Bob- und Schlittenverband unterstützen. Für die Entwicklung des zukunftsweisenden Projekts hat der HLV ein schlagkräftiges Team beisammen: Carsten Ebert (Bundesstützpunktleiter Frankfurt und HLV-Geschäftsleiter Sport), Thomas Seybold (HLV-Geschäftsführer), Martin Rumpf und Gudrun Rouhi (HLV-Referentin Leistungssport) stehen in ständigem Austausch mit den Akteuren aus Sport und Politik, um die Strukturen der Leichtathletik in Hessen weiterzuentwickeln und zukunftsfähig zu gestalten.

 

Fotos: Jens Priedemuth