2. Tag Hallen-Europameisterschaften: Maryse Luzolo fehlen nur wenige Zentimeter zum Weitsprung-Finale, für Marc Reuther und Oskar Schwarzer kommt in der ersten Runde über 800 Meter das Aus - Gesa-Felicitas Krause zieht sicher ins 1500-Meter-Finale ein
  08.03.2021 •     Leistungssport , Wettkampfsport


Was für eine knappe Angelegenheit. Egal ob bei der Weitenjagd oder auf der Mittelstrecke. Zwei der beteiligten Hessen fehlte im entscheidenden Augenblick das nötige Quäntchen Glück. Fangen wir beim Weitsprung an. Hier lautete die Ausgangslage. Mindestens eine Weite von 6,70 Meter springen, dann wäre man direkt ins Finale gekommen oder nach Beendigung des Vorkampfes zu den besten acht Athletinnen im Feld gehören. Mit dieser Vorgabe tat sich auch die europäische Elite schwer, denn lediglich Khaddi Sagnia (SWE/6,78 m) und Larissa Iapichino (ITA/6,70 m) kamen am Ende direkt weiter.

Für Maryse Luzolo vom Königsteiner LV sah es nach dem ersten Versuch noch recht gut aus. Der erste Sprung war gültig und wurde bei 6,44 Metern gemessen. Das gab zum Auftakt gleich etwas Sicherheit. Eine solide Weite, die Luzolo momentan eigentlich konstant abliefern kann und nach dem Ende des ersten Durchgang Platz fünf unter 17 Springerinnen bedeutete. In der zweiten Runde steigerte sich die KLVlerin dann leicht auf 6,47 Meter. Doch auch eine ganze Reihe an Konkurrentinnen legte nach. So lautete der Zwischenstand nach zwei von drei Sprüngen im Vorkampf Rang neun. Also immer noch in Reichweite einer Top-Acht-Platzierung, die für den Einzug ins Finale ausreicht hätte. In der letzten Runde legte Maryse dann zwar noch einen Zentimeter drauf, doch das war unterm Strich zu wenig. Wie schon öfters in den letzten Monaten ist die „Grundleistung“ absolut solide, die Serien sind konstant und auch sicher. Es fehlt aber irgendwie endlich einmal ein Ausreißer nach oben. So war es diesmal für eine internationale Meisterschaft gar nicht so schwer, ins Finale zu kommen. Eine Weite von 6,55 Metern hätte ausgereicht. In diesen Bereich ist die DM-Dritte von Dortmund ja auch schon gekommen, als sie bei einem Meeting Mitte Februar in Frankfurt/Kalbach 6,53 Meter markierte. Ein kleiner Trost ist da sicherlich nur, dass Maryse nach zwei Sprüngen noch knapp vor Team-Kollegin Malaika Mihambo lag. Die Weltmeisterin von Doha hatte massive Probleme und zog mit für sie eher schwachen 6,58 Metern mit ihrem letzten Sprung (als dann Fünfte) noch in den Endkampf ein.

„Ich war super nervös, es war mein erster Einsatz nach meiner Verletzung für den DLV. Deswegen war ich glücklich, dass ich überhaupt springen konnte. Am Ende hat es mich ein bisschen geärgert, die ersten zwei Sprünge haben nicht ganz gepasst. Letztlich hat es wieder nicht mit einem Ausreißer nach oben geklappt. Das ist schade. Trotzdem gibt mir das Mut und Motivation für die weitere Saison, weil ich weiß, dass da auf jeden Fall mehr geht. Es hat mich richtig gefreut, endlich wieder das National-Trikot tragen zu können“, bilanzierte die Biologiestudentin.

In den Vorläufen über 800 Meter spielte die Zeit keine Rolle. Die jeweils drei erstplatzierten Athleten eines Rennens waren sicher im Zwischenlauf. Im vierten Lauf ging Marc Reuther auf die Bahn. Gleich nach dem Start sortierte sich der Mittelstreckler von Eintracht Frankfurt hinter Mitfavorit Adam Kszczot (POL) ein und war in der Spitzengruppe vorne mit dabei. Auch auf den nächsten Runden war noch alles im grünen Bereich. Als dann die Glocke zur letzten Runde geläutet wurde, war der WM-Teilnehmer von Doha auf einmal nur noch Fünfter. Er gab jedoch nicht auf und kämpfte bis zum letzten Meter. Am Ende war es eine Zentimeter-Entscheidung. Der Eintrachtler, der mit einer Jahresbestzeit von 1:46,21 Minuten angereist war, lief in 1:50,98 Minuten als Vierter über die Ziellinie. Mit lediglich 0,01 Sekunden Vorsprung schnappte sich der Franzose Nasredine Khatir in den dritten Platz und somit das Ticket für die nächste Runde. Eine herbe Enttäuschung für en Hessen.

„Es war kein rundes Rennen. Ich hatte eigentlich eine gute Position und habe sie dann einfach im entscheidenden Moment nicht verteidigt, als der Franzose vorbeigegangen ist. Kurz vor der letzten Runde sind dann noch zwei andere vorbei, ich kam aus dem Schritt. Es sind halt Fehler, die ich mir vorgenommen habe, nicht zu machen. Es war natürlich auch im Vorfeld ein bisschen Unsicherheit da, weil die Saison nicht so lief, wie wir es uns vorgestellt haben. Das war auch ausschlaggebend dafür, dass die Fehler passiert sind. Für mich ist dennoch die Hallensaison ein Zwischenstopp auf dem Weg nach Tokio und für mich ist das dieses Jahr das Event, das zählt, und darauf ist das Training auch ausgerichtet. Ich denke, wir werden aus den Fehlern lernen, ich bin ja noch nicht so lange in der Trainingsgruppe in Leipzig. Schade, dass die Hallensaison nicht so gut lief, aber ich tausche gerne eine nicht so gute Hallensaison gegen einen sehr, sehr guten Sommer“, so Reuther gegenüber dem Online-Portal Leichtathletik.de.

Im letzten Vorlauf suchte Youngster Oskar Schwarzer seine Chance, in die nächste Runde einzuziehen. Das Feld lag anfangs dicht zusammen und der Mittelstreckler vom TV Groß-Gerau lief über zwei Runden in Lauerposition klug positioniert mit. Als dann in der Endphase die Post abging, war den angehende Polizist „hinten raus“ bei der Vergabe der drei Plätze für die nächste Runde ohne Chance und wurde mit 1:50,09 Minuten Letzter seines Vorlaufes.

„Von meiner Position her bin ich gut mitgelaufen. Ich habe auf den letzten Metern drei Dinger abbekommen, durch die ich aus dem Schritt gekommen bin. Das kostet jedes Mal Kraft. Zum Schluss bin ich fast noch gestürzt. Das war sehr unglücklich. Ich bin mit dem Rennen bis 600 Meter ziemlich zufrieden, habe gut mithalten können und dann habe ich eben drei Mal ein Bein abbekommen, da kann nicht viel mehr machen“, fasst der deutsche Hallenmeister seine Erfahrungen beim ersten Start auf internationaler Bühne bei den Männern zusammen.

Alles richtig machte Gesa-Felicitas Krause (Silvesterlauf Trier) über 1500 Meter. Die Dillenburgerin musste gleich im ersten Vorlauf ran. Nach 69 Sekunden für die ersten 400 Meter, wurden die 800 Meter in 2:17,58 Minuten passiert. Drei runden vor Schluss ging die Britin Holly Archer an die Spitze und verteidigte diese Position dann mit der neuen Bestzeit von 4:09,77 Minuten auch bis ins Ziel. Dahinter machte Krause einen guten Job, wurde in der Jahresbestzeit von 4:09,92 Minuten Zweite. Damit zog die Hindernisspezialisten direkt ins Finale ein und musste nicht über die Zeitregel gehen.

„Ich bin sehr zufrieden, ich habe es direkt ins Finale geschafft. Ich habe gesagt, bis 800 Meter schwimme ich erstmal mit. Da war ich etwas eingekesselt, aber als die Lücke sich aufgetan hat, war ich zum Glück hellwach und konnte durchschlüpfen. Ich liebe Meisterschaften, diesen besonderen Nervenkitzel. Ich habe bislang immer das Finale erreichen können, deshalb war das auch hier mein Ziel, auch wenn die 1.500 Meter nicht meine Paradedisziplin sind. Aber ich habe heute bewiesen, dass ich auch auf dieser Strecke konkurrenzfähig bin. Das ist die zweitschnellste Zeit, die ich je gelaufen bin und für mich die beste Hallensaison, die ich je hatte. Morgen kann alles passieren, ich renne einfach mit und freue mich total darauf“, fasst Krause ihren Ausflug auf die Unterdistanz zusammen.