Wechselgeschichten und ein Karriereende
  01.12.2018 •     Leistungssport


Beginnen wir mit jenem Klub, der in der Wechselfrist, die am 30. November endete, den größten Aderlass hatte: der PSV Grün-Weiß Kassel. Wie berichtet, hat der ehemalige Marathon-Bundestrainer Winfried Aufenanger mit dem Laufteam Kassel einen neuen Verein gegründet, was zur Folge hatte, dass ihm viele seiner Athleten gefolgt sind und das grün-weiße Trikot zur Seite gelegt haben. An der Spitze der national erfolgreiche Jens Nerkamp, der am 9. Dezember übrigens beim Marathon in Malaga (Spanien) am Start sein wird. Anna Starostzik, mehrfache hessische Meisterin über 10 Kilometer und im Frühjahr Fünfte der Marathon-DM, ist einen anderen Weg gegangen: Die 31-Jährige startet nun für Spiridon Frankfurt. In der Summe haben rund 40 Athletinnen und Athleten dem PSV Grün-Weiß Kassel den Rücken gekehrt.

Über das Karriereende von Hammerwerferin Kathrin Klaas (34/LG Eintracht Frankfurt) und Sprinterin Lara Matheis (26/TSG Gießen-Wieseck) ist bereits berichtet worden, frisch hinzugekommen ist ein weiterer Abschied. Hürdensprinter Matthias Bühler, 32, in den Jahren 2017 und 2018 für Eintracht Frankfurt am Start, wird man ebenfalls nicht mehr aktiv in großen Stadien sehen. „Ich mache keinen Leistungssport mehr“, sagt der siebenmalige deutsche Meister mit einer persönlichen Bestzeit von 13,34 Sekunden (2015). Bühler hat einen neuen Wohnort (Stuttgart), ab 3. Dezember einen Job als Fachinformatiker und will nur mehr für seinen Heimatverein TV Haslach im Schwarzwald bei Vereinsmeisterschaften starten. Kugelstoßen, Speerwurf, Weitsprung und Steinstoßen nennt er als mögliche Disziplinen. Seinen Rücktritt will er demnächst offiziell verkünden und dann wohl abermals seine Sicht der Dinge über das deutsche Sportfördersystem darlegen.

Wie erwartet, hat sich beim Sprintteam Wetzlar noch einiges getan: Von der LG Langen wechselt U18-Sprinter Daniel Regenfuß nach Mittelhessen. Wobei sich an der individuellen Betreuung nichts ändert: Regenfuß trainiert einmal wöchentlich bei seinen Heimattrainern in Langen, die restlichen Einheiten bei HLV-Cheftrainer Kurzsprint David Corell. Neu im Team von Corell ist zudem Yanic Berthes vom USC Mainz. Der 23-Jährige hat eine 60-Meter-Hallenbestzeit von 6,78 Sekunden, sein 100-Meter-Rekord (10,77) ist noch nicht von ähnlicher Güte. Neu beim Sprintteam Wetzlar ist auch Robby Welsch (bislang LAZ Saar 05 Saarbrücken). Er war 2017 Vierter der U23-DM über 100 Meter, wurde aber in diesem Jahr von Verletzungen ausgebremst. Seine persönliche Bestzeit: 10,69 Sekunden.

Hessenrekordhalter Michael Pohl (10,22), der deutsche Meister Kevin Kranz (10,24), Jim Patrik Junker (10,46), Nils Kessler (10,59) … und eben die beiden Neuen - das Sprintteam Wetzlar hat somit eine hochkarätige 4x100-Staffel mit vielen personellen Wechseloptionen beisammen. Hinzu kommt, dass es laut leichtathletik.de im Jahr 2019 komprimierte deutsche Staffelmeisterschaften geben wird. Für alle Altersklassen von den Jugendlichen bis zu den Senioren, für alle Strecken. Wann und wo diese Titelkämpfe stattfinden, wird noch bekanntgegeben. Dies bedeutet, dass man sich explizit vorbereiten kann und Topathleten wie Pohl und Kranz bei einer DM - die nächstes Jahr in Berlin stattfindet (3./4. August) - nicht mehr ganz so im Dauerstress sind und die Staffelleistung leidet.

Das Sprintteam Wetzlar meldet noch zwei weitere Zugänge: Die süddeutsche 100-Meter-Meisterin Alina Schneider (LG ovag Friedberg-Fauerbach) sowie Constantin Schmidt. Zwischen dem Viertelmeiler von der TG Obertshausen und seinem langjährigen Trainer Robert Schieferer war es im Sommer zur Trennung gekommen. Nun will Schmidt (47,36 in 2018/DLV-Ranking 20) bei Coach Michael Siegel neu durchstarten. Trainingspartnerin ist bekanntlich Johanna Berrens.

Hochspringer Ferdinand Bopp (zuvor LAZ Saar 05 Saarbrücken) ist bereits seit einem Jahr Mitglied der Frankfurter Trainingsgruppe um Günter Eisinger, nach seinem Wechsel zur hessischen Polizei trägt er auch das Trikot der LG Eintracht. Mit einer persönlichen Bestleistung von 2,09 Metern (2016) ist der Athlet des Jahrgangs 1998 der Leistungsstärkste in der Eisinger-Vertikalübungsgruppe. Dahinter folgen Henning Freudenberger (Jahrgang 1997/2,05) sowie Philipp Heckmann (1999/2,04).

Über den Wechsel des Mittelstrecken-Trios Marc Reuther, Marvin Heinrich und Dennis Biederbick vom Wiesbadener LV zur Frankfurter Eintracht ist bereits berichtet worden. Wiesbaden verlassen wird auch Niklas Krämer, im Jahr 2017 als U18-Athlet jeweils DM-Dritter über 3.000 Meter und 2.000 Meter Hindernis. Neu am Landesstützpunkt Wiesbaden ist Sophie Ullrich (bislang TG Hanau/Jahrgang 1999), die Dreispringerin erreichte bei der U23-DM den vierten Platz. Ihre Bestleistung steht bei 12,50 Meter. Künftig ebenfalls im WLV-Trikot unterwegs ist Linn Sölch, Jahrgang 2003, zuvor LG Taunusstein. Mit 3.590 Punkten ist sie drittbeste hessische U16-Siebenkämpferin, zudem hessische U16-Hallen- und Freiluftmeisterin im Hochsprung (p.B. 1,68/Halle 1,70 Meter).

Abschließend noch zwei Wechsel. Elena Kelety (Königsteiner LV) zieht aus Studiengründen nach Köln und wird sich dort dem Team der Deutschen Sporthochschule anschließen. Und Dominik Müller von der LG Langgöns-Oberkleen trainiert nicht nur weiterhin an den HLV-Stützpunkten Hanau und Rodenbach bei Sascha Arndt, sondern wird jetzt auch im Trikot des SSC Hanau-Rodenbach zu sehen sein.