„Sophia ist ein Juwel für Wetzlar“
  06.03.2019 •     Leistungssport


Am vorvergangenen Wochenende haben drei Nachwuchs-Leichtathleten des TV Wetzlar bei den deutschen U20-Hallenmeisterschaften für Schlagzeilen gesorgt: Die 16-jährige Sophia Volkmer gewann im Sindelfinger Glaspalast den 800-Meter-Titel in 2:09,06 Minuten, Frederik Schwesig wurde Zweiter über 1.500 Meter (4:01,92), sein Zwillingsbruder Niklas lief als Zwölfter ein (4:15,81). Das Trio wird trainiert von Mark Schwesig, dem Vater von Frederik und Niklas. Im Interview mit Tim Straßheim (Wetzlarer Neue Zeitung) spricht der 48-jährige Schwesig, der seit einem Vierteljahrhundert als Trainer tätig ist, über die U20-DM, seine Übungsgruppe und die Perspektiven des Wetzlarer Läufer-Nachwuchses.

Wie haben Sie die Rennen in Sindelfingen gesehen?

Es war ein sehr emotionales Wochenende für mich. Zunächst der Endlauf über 1.500 Meter mit beiden Söhnen. Obwohl es für Frederik sein drittes Finale war, hat vor einem Jahr niemand gedacht, dass er diese Leistung abrufen kann. Niklas war eigentlich der stärkere und war auch zehn Tage vor Sindelfingen besser drauf, fing sich dann aber einen Infekt ein. Das macht auf diesem Niveau gleich zehn Plätze aus. „Fred“ dagegen hat einfach geliefert. Nach drei Runden habe ich gemerkt, dass für ihn was drin ist. Natürlich gönnt „Nikki“ es seinem Bruder. So war es ein Rennen mit Höhen und Tiefen für mich als Vater und Trainer. Dann kam nur 15 Minuten später der Wettkampf von Sophia Volkmer. Ich bin ehrlich: Auf ihren Erfolg hätte ich keinen Pfifferling gegeben. Im Trainingslager in Lanzarote konnte sie wegen einer Erkältung nicht trainieren, so dass wir die Hessischen und Erfurt ausgelassen haben, um bei den Süddeutschen in Frankfurt zu laufen. Da ging es noch nicht gut. Wir hatten also nur drei Wochen für Sindelfingen, und dann kam erneut ein Infekt, so dass wir sogar überlegt hatten, es sein zu lassen. Wir haben nur noch Schnelligkeit und Kraft trainiert. Ich habe ihr dann gesagt, sie soll einfach versuchen, ihr Bestes zu geben. Wenn sie aber angreifen will, dann mit Vollgas. Diese Zeit hat mich natürlich überrascht.

Was ist für ihre Schützlinge noch möglich?

Ich denke erst einmal nur an dieses Jahr. Bei Sophia ist es das Ziel, den hessischen U18-Jugendrekord zu knacken. Er steht bei 2:05,9 Minuten (Birgit Friedmann, Eintracht Frankfurt, 1977). Dann finden die europäischen Jugendspiele in Baku statt, da wollen wir dabei sein. Die Zwillinge haben sich vorgenommen, unter vier Minuten zu laufen, was ich ihnen auf jeden Fall zutraue. Angst, dass die drei abgeworben werden, habe ich nicht. Sophia geht noch zur Schule. Aber klar: Sie ist ein Juwel für Wetzlar. Sie kommt von hier. Da müssen sich alle fragen, was man tun kann, um sie zu halten. Die Jungs schreiben jetzt erstmal Abi. Sie haben ihre Vorstellungen, was danach passiert. Ich habe keine Angst, dass einer abhebt. Das ist bei allen drei nicht gegeben. Sie trainieren und machen ihr Ding. Es sind alle drei gute Kinder.

Wie schwer ist es für Sie, Trainer und Vater zu sein?

Wir bekommen das gut hin. Natürlich gibt es auch mal Spannungen, aber das ist doch normal. Dennoch möchte ich die Zeit nicht missen. Meine Frau Astrid sorgt für einen guten Ausgleich. Nur das Wort „Schnupfen“ ist bei uns ein Tabuwort. Da muss derjenige dann in den Keller.