Pooley hört auf, Osman bleibt in Deutschland
  17.04.2019 •     Leistungssport


Trainingslager, Trainingslager, Trainingslager. Rund um den Globus, hauptsächlich aber in Europa: Teneriffa, Lanzarote, Kreta, Italien, Türkei, Schweden, aber eben auch die Vereinigten Staaten und … Japan. Im Land der aufgehenden Sonne, genauer in Okinawa, bereiten sich die schnellsten DLV-Sprinter/innen von Mitte April bis Mitte Mai auf die WM-Saison vor. Erwähnenswert durch die hessische Brille: Kevin Kranz, Michael Pohl, Lisa Mayer und Rebekka Haase. Und das erste Saisonziel ist für dieses Quartett aus Mittelhessen nicht mehr allzu weit weg: Es ist die inoffizielle Staffel-WM in Yokohama (Japan/11./12. Mai). Bei diesen Titelkämpfen können sich die deutschen Staffeln mit einem Platz in den Top Ten ihre Teilnahme an der WM in Doha (28. September bis 6. Oktober) sichern.

Nicht nur von diesem extrem hohen Ziel verabschiedet hat sich Isobel Pooley (LG Eintracht Frankfurt). Die britische Hochspringerin ist raus, hat ihre Karriere beendet. Wenn man ihren - nun ehemaligen - Trainer Günter Eisinger darauf anspricht, schwingt in dessen Stimme durchaus Verbitterung mit. Eisinger, der Altmeister unter den hessischen Hochsprungtrainern, hatte die heute 26-Jährige im vorvergangenen Winter in seine Gruppe aufgenommen, zudem individuell unterstützt, damit Isobel Pooley in Frankfurt beruflich Fuß fassen kann. Die ehemalige Landesrekordhalterin (Bestleistung 1,97 Meter/2015) startete ihr Comeback in einer problematischen körperlichen Verfassung, fing sich allmählich, wurde im Sommer 2018 mit 1,80 Meter hessische und später auch süddeutsche Meisterin (1,81). Mit Tendenz in Richtung 1,90 Meter. Daraus wird nun nichts mehr, Isobel Pooley hat sich ins Private zurückgezogen und Eisinger sagt: „Das ist sehr schade, denn ich habe in die Betreuung extrem viel Zeit und Engagement investiert.“ Wie bei Mona Gottschämmer. Die hochtalentierte hessische U18-Rekordhalterin (1,86 Meter/2015) ist ein weiteres Drop-out-Phänomen. Nach ihrem Wettkampfjahr 2016 (1,85) war von Mona Gottschämmer nichts mehr zu hören, ausgebremst wurde sie auch von gesundheitlichen Problemen.

Mit Unterstützung des Hessischen Leichtathletik-Verbandes ist der Aufenthalt des 19-jährigen Ilyas Osman (TV Waldstraße Wiesbaden) in Deutschland über einen Petitionsantrag vorerst abgesichert. Der gebürtige Somalier war bei der ersten Anhörung vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge abgelehnt worden und sollte abgeschoben worden. Die neue Situation ist folgende: Da Osman derzeit seine Mittlere Reife macht, kann er im Mai eine Duldung bis zum Schulabschluss im Jahr 2020 erhalten. „Ich bin zuversichtlich, dass wir in den nächsten Monaten zu einer guten Entscheidung kommen werden“, sagt sein Trainer Günter Jung. Osman befindet sich im nächsten Monat genau vier Jahre in Deutschland. Aktuell ist im 10-Kilometer-Straßenlauf nur ein Läufer im Trikot eines deutschen Vereins schneller als der 19-Jährige, der am 10. Februar in Schoorl (Niederlande) 28:55 Minuten benötigte.