Kevin Kranz zieht ins 100-Meter-Finale ein - Vanessa Grimm im Siebenkampf bei Halbzeit auf Rang neun
  12.07.2019 •     Leistungssport , Wettkampfsport


Gleich am ersten Tag der U23 Europameisterschaften waren in Gävle alle vier hessischen Athleten im Einsatz. Fangen wir bei den schnellen Jungs an. Vier Vorläufe standen über 100 Meter auf dem Programm. Die jeweils drei erstplatzierten Sprinter zogen direkt ins Halbfinale ein. Hinzu kamen noch vier Läufer über die Zeitregel. Im letzten Vorlauf ging Kevin Kranz (Sprintteam Wetzlar) in den Startblock. Nach 10,71 Sekunden war der Frankfurter als Sieger wieder im Ziel und zog mit einem großen „Q“ hinter seinem Namen direkt in die nächste Runde ein. Bei einem überaus strammen Gegenwind von - 2,4 Metern pro Sekunde war die Zeit noch recht gut. 

„Ich wollte in Führung gehen und diese Position halten. Der Gegenwind war ziemlich hart. Es ging eher darum, möglichst viel Energie für die nächste Runde zu sparen. Für mein erstes Rennen hier war der Auftritt ok. Ich wollte auf Nummer sicher gehen, mich für die nächste Runde zu qualifizieren. Mein Ziel ist es auf jeden Fall, eine Medaille zu holen“, so Kranz im Kurzinterview gegenüber European Athletics. Um 18.30 Uhr wurde es dann ernst - die Halbfinals standen an und somit der Kampf um die acht Plätze für den Endlauf am Freitag. Die Vorgabe lautete: Eine Top-Drei Platzierung oder zu den zwei schnellsten Läufern über die Zeitregel gehören. Auch im zweiten Halbfinale war der Wind (mit - 1,4 m/sec.) nicht gerade ein Freund der Sprinter. Der Schützling von Trainer David Corell steigerte sich bei seinem zweiten Auftritt in Schweden auf 10,56 Sekunden und musste lediglich dem Lokalmatador Hendrik Larsson (10,50 sec.) den Vortritt lassen. 

„Die beiden Läufe waren im grünen Bereich. Zeiten sind bei diesem Wind eher zweitrangig. Kevin ist erst spät in die Saison eingestiegen und hatte in den letzten Wochen zudem noch mit ein paar Problemen im unteren Rücken und am Beugeransatz zu kämpfen, die wir aber in den Griff bekommen haben. Trotzdem konnte Kevin erst vor sechs Tagen mal wieder so richtig Vollgas geben. Im Finale kämpfen fünf Sprinter um drei Medaillen. Die liegen alle ziemlich dicht beisammen. Eine Medaille für Hessen ist aber nicht unmöglich“, so David Corell.

Das hatte sich Marvin Heinrich wirklich anders vorgestellt. Der Mittelstreckler der LG Eintracht Frankfurt kann nach dem 1500-Meter-Vorlauf schon wieder die Koffer packen. Rund 1000 Meter lang lief Heinrich ziemlich am Ende des 14-köpfigen Feldes und kam irgendwie nicht weiter nach vorne. Als dann der lange Spurt angezogen wurde, ging es auch für den Eintrachtler weiter nach vorne. Er konnte auf der letzten Runde noch acht Gegner einsammeln und wurde mit 3:49,03 Minuten Sechster. Doch das reichte leider nicht aus. Jeweils vier Läufer zogen direkt ins Finale ein, vier Plätze wurden über die Zeit vergeben. Da waren die Jungs im zweiten Vorlauf jedoch schneller unterwegs und der Traum vom Endlauf zerplatzte. Das letzte Ticket sicherte sich der Pole Patryk Kozlowski mit 3:47,69 Minuten. Ziemlich ärgerlich für Heinrich, der mit einer Vorleistung von 3:40,19 Minuten eigentlich ein Kandidat fürs Finale war.   

Über 10.000 Meter, der längsten Bahndistanz in Gävle, schlug sich Davor Aaron Bienenfeld durchaus wacker. Er lief lange in einer großen Spitzengruppe mit, musste dann aber als Erster aus dem DLV-Trio bei einer Tempoverschärfung etwas abreißen lassen. Bienenfeld (SSC Hanau-Rodenbach) kämpfte jedoch wacker weiter, bemühte sich um eine flotte Fahrt, auch wenn er über weite Strecken fast alleine in Wind lief. Der Lohn nach den 25 Runden war Rang 15 in 29:12,67 Minuten und damit eine Leistung ganz nah an seiner Bestzeit von 29:12,30 Minuten.

„Ich hätte nicht gedacht, dass ich noch mal im Bereich meiner Bestleistung laufe. Das ist mein vierter 10.000er in diesem Jahr, ich bin früh eingestiegen und habe schon im März eine erste Bestzeit aufgestellt. Es ist schwer, die Form drei Monate aufrechtzuerhalten. Daher kann ich mir keinen Vorwurf machen. Mit der Saison bin ich voll zufrieden, nächstes Jahr kann ich vielleicht mehr selektieren, in diesem Jahr ging das aber nicht. Ich mache Berglauf und laufe gerne Cross, aber dieses Jahr habe ich für die Bahn trainiert, eigentlich mag ich die 5.000 Meter am liebsten, da sehe ich mich in den nächsten Jahren am ehesten“, so der Rodenbacher gegenüber Leichtathletik.de.

Nach dem ersten Tag des Siebenkampfes liegt Vanessa Grimm (Königsteiner LV) auf Position neun. Damit ist sie von der Platzierung im Soll - es hätten jedoch ein paar Zähler mehr sein sollen als die bisher gesammelten 3380 Zähler. Doch der Reihe nach. 

Mit Temperaturen um die 12 Grad war es zum Auftakt über die 100 Meter Hürden recht frisch. Nach zwei Fehlstarts in ihrem Lauf konnte Grimm dann endlich durchstarten. Es wurde mit 14,28 Sekunden (Rang 13) ein solider Start in den Siebenkampf, lediglich einen Tick über der Leistung von Bernhausen. Die „Voll-Katastrophe“, so Trainer Philipp Schlesinger, folgte dann im Hochsprung. Lediglich 1,64 Meter waren ein herber Rückschlag, der viele Punkte kostete. „Eigentlich sollte Vanessa hier eine Höhe im mittleren Bereich von 1,70 Metern anbieten. Irgendwie ist sie aber nicht richtig ins Springen gekommen und war zu passiv“, analysiert der Coach. Die Folge - Grimm fiel auf Position 20 zurück. Schlesinger hatte gleich danach Kontakt zu seinem Schützling und konnte ihn wieder etwas zurück in die Spur bringen. Das schlug sich auch gleich beim Kugelstoßen nieder. Die hier erzielten 13,79 Meter bedeuteten Mehrkampf-Bestleistung und die drittbeste Weite überhaupt. Somit ging es in der Zwischenwertung wieder hinauf auf Rang dreizehn. Die 200 Meter zum Abschluss des ersten Tages waren mit nur 25,10 Sekunden nicht das Gelbe vom Ei. Auf den letzten Metern ist Vanessa ziemlich fest geworden. Eine Zeit klar unter 25 Sekunden hätte es schon sein sollen, schließlich war Grimm in Bernhausen mit recht flotten 24,40 Sekunden unterwegs. Nach vier Disziplinen übernachtet die KLVlerin mit 3380 Punkten auf Rang neun.