Eine Flugbegleiterin auf Weitenjagd
  24.03.2019 •     Leistungssport , Senioren


Mit Landungen kennt sich Anke Kettermann-Lang schon berufsbedingt aus. Erst am vergangenen Freitag kam die Flugbegleiterin bei der Airline mit dem Kranich im Logo aus Aschgabad zurück. Am Wochenende ging es dann weiter über Warschau nach Torun. In der Geburtsstadt des Astronomen Nikolaus Kopernikus schnürt die Weitspringerin bei der Hallen-WM der Senioren am Montagabend ihre Spikes und möchte in der Altersklasse W35 zu möglichst „langen“ Flügen ansetzen. 

„Ich bin schon ziemlich aufgeregt, schließlich ist dies hier mein erster internationaler Start“, sagt die Mutter von zwei Söhnen. Die sechs- und achtjährigen Kids sowie der Ehemann drücken zuhause kräftig die Daumen. Was ist der Antrieb, sich neben einem anstrengenden Beruf der Herausforderung Senioren-Leichtathletik auf hohem Niveau mit regelmäßigem Training zu stellen? 

„Sport ist einfach meine Leidenschaft. Das ist mein Ding, das ich auch zum Ausgleich benötige. Es ist eine gute Portion an Organisation nötig und oft ist es auch recht anstrengend, alle Befindlichkeiten unter einen Hut zu bekommen. Ohne die tatkräftige Unterstützung meines Mannes, gerade was die Betreuung unserer Jungs betrifft, wäre das auch nicht möglich. Auf der sportlichen Seite hat mein Trainer Markus Kremin die Fäden in der Hand. Dass er die Reise mit angetreten hat, ist schon eine tolle Nummer. Den eigenen Trainer an seiner Seite zu wissen, gibt enorme Sicherheit“, verrät die 37-jährige Athletin, die für den Königsteiner LV auf Weitenjagd geht.

Im wöchentlichen Alltag versucht die Kelkheimerin, dass sie mit dem ehemaligen hessischen Kadertrainer drei „gute“ Einheiten absolvieren kann. Neben gezieltem Krafttraining und Sprints steht dann besonders die Optimierung der Technik im Fokus. Bedingt durch die weltweiten Flugeinsätze klappt das nicht immer. „Ich habe aber immer unterwegs meine Sportklamotten dabei. In nahezu jedem Crewhotel gibt es einen Fitnessbereich, den wir nutzen können“, so Kettermann-Lang, die sich so unterwegs in  Form hält. „Trotzdem fragt man sich manchmal, ob man das alles auch noch auf die Reihe bekommt, besonders wenn im Training deutlich jüngere Athletinnen mit am Start sind. Das muss man dann aber einfach mental ausblenden und aus dem Kopf bekommen“.

Durch die gut dreijährige Zusammenarbeit mit Kremin ist bei den Weiten mittlerweile eine gewisse Konstanz eingetreten - in der aktuellen Hallensaison verbuchte sie 5,11 Meter. Der „Hausrekord“ notiert bei 5,27 Metern. Im Sommer soll die Reise dann in Richtung 5,30 Meter gehen - sicherlich kein utopisches Ziel. 

In der Torun-Arena, die im Jahr 2021 übrigens Austragungsort der Hallen-EM bei den Aktiven sein wird, ist der Endkampf das Ziel der KLV-Springerin. Für die Altersklasse W35 sind dreizehn Meldungen aus zehn Nationen abgegeben worden. Kettermann-Lang wird in der Statistik auf Position sieben notiert. Angeführt wird die Startliste von der Britin Gillian Cooke, die stramme 5,65 Meter vorweisen kann.