2. Tag, DM Berlin: Reuther, Bartelsmeyer und Müller holen Titel – dazu vier zweite und zwei dritte Plätze für HLV-Athleten
  04.08.2019 •     Leistungssport , Wettkampfsport


Starker Auftritt der hessischen Athleten mit neun Podestplätzen am zweiten Tag der 119. Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Berlin. Die Frankfurter Marc Reuther (800 Meter) und Amos Bartelsmeyer (1.500 Meter) siegten auf den Mittelstrecken. Der schnellste deutsche 200 Meter-Läufer heißt Steven Müller von der LG Friedberg-Fauerbach. Über Platz zwei durften sich Marc Tortell (1.500 Meter), Sam Parsons (5.000 Meter), Luke Campbell (400 Meter Hürden) und die Wetzlarer 4x100 Meter-Staffel freuen. Dritte Plätze gingen an Elias Goer (200 Meter) und Joshua Abuaku (400 Meter Hürden). Hier der Spielfilm von Disziplin zu Disziplin:

Männer

200 Meter

Selbst der Titel konnte Steven Müller von der LG OVAG Friedberg-Fauerbach) nicht richtig froh stimmen. Die 20,63 Sekunden waren nicht die Zeit, die sich Müller vorgenommen hatte. Es solte die WM-Norm sein. Und die liegt bei 20,40 Sekundden. Dann relativierte Müller: „Der Titel ist schon gut, aber die WM-Norm wäre mir lieber gewesen.“ Im Vorlauf am Vormittag kam er dem Richtwert sehr nahe. 20,42 Sekunden bedeuteten Bestzeit, doch die fehlenden zwei Hundertstel waren ein kleiner aber entscheidender Makel. „Ich hatte schon mit der Norm geliebäugelt, auch im Finale. Aber in den letzten zwei Stunden vor dem Startschuss habe ich gemerkt, wie die Spannung verloren gegangen ist“, so Müller. Jetzt hofft der Friedberger noch auf das ein oder andere gute Rennen in den kommenden vier Wochen bis zum Ende des Nominierungszeitraums. Elias Goer vom Sprintteam Wetzlar) bestätigte im letzten Rennen der Meisterschaften sein Niveau aus dem Vorlauf (Bestzeit eingestellt mit 20,89 Sekunden) und verbesserte sich sogar noch einmal minimal auf 20,88 Sekunden. Das brachte ihm den dritten Platz hinter dem Mannheimer Patrick Domogala (20,77) ein.

4 x 100 Meter

Mit Sicherheitswechseln aufs Podest und zum Hessenrekord. Für die Staffel des Sprintteams Wetzlar in der Besetzung Yanic Berthes, Kevin Kranz, Elias Goer und Einzelsieger Michael Pohl hätte es kaum besser laufen können. Nach dem Zieldurchlauf leuchteten Platz zwei und 39,17 Sekunden auf der Anzeigetafel. Schneller war im Olympiastadion nur die favorisierte Staffel des SC DHfK Leipzig (39,02). Damit steht auch fest, dass die HLV-Rekordliste einer Aktualisierung bedarf. Die 39,79 Sekunden des TSV Friedberg-Fauerbach aus dem Jahr 2008 sind Geschichte. Die neue Richtmarke kommt aus Wetzlar. „Wir wollten das Ding sicher nach Hause bringen“, sagte Michael Pohl im Ziel, der dem Leipziger Marvin Schulte auf den ersten 50 Metern der Schlusskurve sehr nahe kam. „Doch ich wusste, dass es zum Schluss hart wird.“ Was zählte, war der neue Rekord. Auf volles Risiko wurde verzichtet. „Das kann schnell schiefgehen“, meinte Kevin Kranz. Mit dosiertem Risiko lässt sich die Wetzlarer Taktik wohl am besten beschreiben. „Wenn der Titel mit 39,50 weggegangen wäre und wir trotzdem nur Zweiter geworden wären, wäre ich ausgerastet.“ Lange Gesichter gab es derweil bei der zweiten Wetzlarer Staffel. Das Quartett mit Nils Keßler, Florian Daum, Lukas Sandmann und Daniel Regenfuß wurde aufgrund eines Wechselfehlers disqualifiziert.

800 Meter

Von der Spitze lief Marc Reuther (LG Eintracht Frankfurt) zu seinem ersten nationalen Freiluft-Titel. Nach 53,40 Sekunden ging es in die zweite Runde, am Ende setzte sich Reuther in 1:47,22 Minuten gegen den Leipziger Robert Farken (1:47,48) durch. Damit konnte Reuther auch seinen Frieden mit der blauen Berliner Bahn schließen, nachdem bei den Europameisterschaften im Vorjahr nicht alles rund gelaufen war. „Es ist wichtig mit negativen Erfahrungen umzugehen. Und ich hatte davon einige in den letzten Jahren. Jetzt kommt es darauf an, dass ich meine Lehren daraus ziehe.“ Eine taktische Vorgabe gab es im Berliner Finale nicht. „Mein Trainer meinte, dass ich genug Qualität besitzen sollte, um in jeder Situation agieren zu können.“ Die nächste Station ist die Team-EM in Polen, danach wird regeneriert und auf die WM in Doha hingearbeitet. „Das wird ein komplett neuer Aufbau. Es wird Zeit, dass sich die deutsche Mittelstrecke dort gut präsentiert. Ich merke, dass ich noch lange nicht in Topform bin. Aber nur der Ausgang der WM entscheidet darüber, ob es eine gute oder schlechte Saison gewesen sein wird“, erklärte Reuther.

1.500 Meter

Der Plan des Frankfurters Amos Bartelsmeyer ging auf. „Ich wollte gewinnen, wusste aber um die Stärke von Timo Benitz auf den letzten 200 Metern. Deshalb wollte ich schon früher nach vorn gehen.“ Gerade als Bartelsmeyer seinen Akzent setzen wollte, kam es zu einem Sturz. „Das ist natürlich schade, das wünscht man keinem Gegner. Zum Glück konnte ich gerade noch ausweichen.“ Die letzten 400 Meter wurden zu einem Steigerungslauf und der Deutsch-Amerikaner, der überwiegend an der Washington State University in Seattle bei Andrew Powell trainiert, ließ sich nicht mehr von der Spitze verdrängen. Nach 3:56,34 Minuten stürmte er über die Ziellinie. Bei der Team-EM geht es weiter, zum Erfahrung sammeln. „Danach möchte ich in Birmingham noch einmal die WM-Norm von 3:36,00 Minuten angreifen“, verriet Bartelsmeyer.

Im Sog von Bartelsmeyer ließ sich der U23-Meister Marc Tortell (TV Rendel/3:56,76) bis auf den zweiten Platz ziehen. „Ich wusste, dass ich auf den letzten 100 Metern schnell bin. Aber Platz zwei bei den Aktiven? Unglaublich.“ Auch Lukas Abele vom SSC Hanau-Rodenbach zeigte sich vorne, mischte im Schlussspurt lange mit und landete am Ende auf Rang fünf (3:57,22).

5.000 Meter

In einem unrhythmischen Taktikrennen gehörten die schnellsten Beine dem Favoriten Richard Ringer. Der Läufer im Trikot des LC Rehlingen siegte mit einem langen Spurt in 14:01,69 Minuten. Dahinter folgte Sam Parsons von der LG Eintracht Frankfurt (14:02,38). Seine ersten deutschen Meisterschaften unter freiem Himmel empfand der Deutsch-Amerikaner als „große Erfahrung“. Parsons wollte „den Zuschauern etwas bieten“ und Richard Ringer „einen großen Kampf bieten“. Der Plan ging auf und Parsons ist bereitet für weitere Abenteuer. „Ich habe mich vor zwei Jahren für das Laufen als Leistungssport entschieden. Das war eine gute Entscheidung. Davor habe ich zu viel Party gemacht“, gibt er zu. Die meiste Zeit des Jahres trainiert er in Boulder/Colorado bei Tom Schwartz. In Deutschland pendelt er zwischen seiner Familie in Diez und Frankfurt. „Ich will junge Menschen inspirieren und zeigen, wie toll das Laufen ist.“

Eine starke Entrwicklung hat zuletzt auch Kilian Schreiner vom ASC Breidenbach hingelegt und seine Bestzeit unter 14 Minuten gedrückt. In Berlin wurde er Achter in 14:08,92 Minuten. „Ich habe mich am Anfang um das Tempo bemüht und viel investiert. Vielleicht hätte ich noch ein bisschen konsequenter sein sollen.“ Hier noch die Resultate der anderen beiden Hessen im Feld. Davor Aaron Bienenfeld (SSC Hanau-Rodenbach) lief in 14:12,06 Minuten Bestzeit und wurde Zehnter. Auf Platz 20 lief Jonas Götte (LG Eintracht Frankfurt/14:49,81).

400 Meter Hürden

Drei Frankfurter im Finale, drei Gefühlslagen. Luke Campbell gingen am Ende die Kräfte aus, gegen das Finish des wie entfesselt laufenden Constantin Preis (VfL Sindelfingen/49,32 Sekunden) war er machtlos. Über seinen zweiten Platz in 46,56 Sekunden war der Titelverteidiger „schon etwas enttäuscht“. Bei der Team-EM am nächsten Wochenende will er sich die Kräfte besser einteilen. „Die 400 Meter Hürden kann man nicht in einem Tempo durchsprinten.“ Das Thema WM-Norm (49,30) hat Campbell genauso wenig abgehakt wie sein Trainingspartner Joshua Abuaku. Der blieb zum zweiten Mal in seiner Karriere unter 50 Sekunden und befand: „Viel schneller hätte ich heute heute nicht laufen können. Aber es kommen ja noch ein paar Wettkämpfe.“ So zum Beispiel nächste Woche in Cork (Irland). Den Richtwert für Doha sieht er für sich immer noch „in Reichweite“. Der glücklichste der drei Hessen war Janis-Elias Pohl, der in 50,96 Sekunden Fünfter. wurde „Das war jetzt mein achtes Rennen in zwei Wochen. Zwischendurch war ich erkältet. So langsam brauche ich eine Pause.“ Sein Leistungsniveau nach einer Verletzung 2018 empfindet Pohl als Geschenk. Mit Spannung und Freude blickt er auf die kommenden Jahre. „Meine Karriere fängt jetzt erst an.“

Stabhochsprung

Gordon Porschs Wettkampf hatte kaum begonnen, dann konnte er auch schon wieder seine Sachen packen. Dreimal scheiterte der Friedberger an seiner Anfangshöhe von 5,31 Metern. Anlauf, Stabhärte, die wechselnden Winde. Nie fand Porsch die richtige Abstimmung. Dabei hatte er sich im finalen DM-Test noch auf seine Freiluftbestmarke von 5,61 Meter gesteigert. „So richtig kann ich es mir auch nicht erklären. Im Training springe ich regelmäßig über 5,50 Meter. Aber manchmal reichen drei Versuche einfach nicht aus, um die richtige Lösung zu finden. Das wirft mich jetzt nicht um und es kommen sicherlich noch viele deutsche Meisterschaften für mich. Das waren ja erst meine ersten im Freien“, fasste Porsch zusammen. Den Titel sicherte sich Raphael Holzdeppe vom LAZ Zweibrücken mit übersprungenen 5,76 Meter.

 

Frauen

4 x 100 Meter

Miriam Sinning reagierte geschockt. Der Grund waren die 45,93 Sekunden, die gerade in den Ergebnislisten aufgetaucht waren. „Das hätten wir nie gedacht. Zumal wir in dieser Besetzung noch nie gelaufen waren.“ Für Saskia Lindner, die bei der U23-DM noch auf der Zielgerade lief, sprang Nathalie Buschung ein. Der Rest blieb unverändert. Charlize Boykin lief an, dann folgte Maira Gauges, die zweite Kurve gehörte Miriam Sinning. Die Wetzlarer Zeit wurde um über eine halbe Sekunde Sekunde unterboten. In der Endabrechnung bedeutete das Platz neun. Den Titel sicherte sich die MTG Mannheim (43,92).

1.500 Meter

Mit einem Last-Minute-Ticket ausgestattet hatte Julia Altrup vom VfL Marburg einen schweren Stand. Bereits nach 200 Meter fand sie sich mit der Leverkusenerin Berit Scheid am Ende des Rennens wieder. „Gerne wäre ich unter 4:30 Minuten geblieben, aber unter diesen Umständen war nicht mehr drin.“ So blieb der siebte Platz in 4:34,38 Minuten. Aufgrund eines Meldedefizits wurde das Startfeld kurzfristig aufgefüllt. „Am 29. Juli um 11:57 Uhr wurde ich gefragt, ob ich laufen will oder nicht. Ich hatte drei Minuten Zeit mich zu entscheiden. Die Erfahrung einmal im Olympiastadion zu laufen wollte ich mir nicht nehmen lassen“, sagte die Medizinstudentin aus Marburg.

3.000 Meter Hindernis

Nach 1.000 Metern hat es bei Lisa Oed (SSC Hanau-Rodenbach) 'klick' gemacht und dann kam das Selbstvertrauen zurück. „Auf diesen Moment habe ich lange gewartet und gar nicht mehr gerechnet, dass er überhaupt noch kommt.“ Lisa Oed spricht die Probleme an, die sie die ganze Saison. Läuferisch und technisch. „Mein Trainer und ich haben bis heute keine Antworten gefunden, warum ich nicht an die Zeiten vom letzten Jahr anknüpfen konnte. Mittlerweile habe ich einen Haken unter die Saison gesetzt. Manchmal muss man einfach akzeptieren, dass es nicht so läuft.“ Unter diesen Umständen nehmen die Saisonbestzeit von 10:04,07 Minuten und der siebte Platz einen hohen Stellenwert ein. „Mein Trainer hatte nicht gedacht, dass ich unter 10:10 Minuten bleibe. Aber jetzt bin ich absolut urlaubsreif“, verriet Lisa Oed. In zehn Tagen geht es in die Karibik. Der Titel sicherte sich die Europameisterin Gesa Felicitas Krause (Silvesterlauf Trier/9:28,45).

Weitsprung

Xenia Stolz flog bei ihrer Comeback-DM nach ihrer Babypause auf 6,20 Meter und wurde Fünfte. Drei Versuche waren gültig, der weiteste war ihr letzter, in dem sie die 6,19 Meter aus dem zweiten Durchgang minimal überbot. Nathalie Buschung (LG Eintracht Frankfurt/6,02) belegte den neunten Rang. Ihre Siegesweite von 7,16 Meter hob sich Malaika Mihambo (LG Kurpfalz) für die letzte Runde aus. Weiter ist in der Welt in diesem Jahr noch keine Frau gesprungen. 

Kugelstoßen

Für ihren siebten deutschen Meistertitel reichten Christina Schwanitz (LV 90 Thum) 18,84 Meter, erzielt im sechsten und letzten Versuch. Auch Patrizia Römer vom ESV Jahn Treysa durfte sechsmal in den Ring. Das war nicht unbedingt zu erwarten. Von den zehn Starterinnen wies die Hessin die geringste Bestweite auf. Doch mit 15,67 Metern aus dem zweiten Versuch kam Römer bis auf zwei Zentimeter an ihre Bestleistung heran und ließ zwei Kontrahentinnen hinter sich.