1. Tag, DM Berlin: Pohl und Kranz landen Doppelsieg – Ader springt auf Platz sieben, Steinfurth Achter mit dem Hammer
  03.08.2019 •     Leistungssport , Wettkampfsport


Die Sprinter aus Wetzlar haben es wieder rausgerissen. Mit „mentaler Stärke“ und „positiver Aufregung“ gelang Michael Pohl der Sieg-Coup über 100 Meter während sich Kevin Kranz noch auf den zweiten Platz vorschob. Dazu kamen für den Hessischen Leichtathletik-Verbandes (HLV) am ersten Tag der 119. Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Berlin noch zwei weitere Endkampfergebnisse. Hochspringerin Nicola Ader wurde Siebte, Konstantin Steinfurth warf den Hammer auf Rang acht. Hier der Spielfilm von Disziplin zu Disziplin:

Männer

100 Meter

Eine emotionale Achterbahnfahrt fand ein optimales Ende für das Sprintteam Wetzlar. Michael Pohl stürmte in 10,27 Sekunden zu seinem ersten deutschen Meistertitel bei den Aktiven, Kevin Kranz wurde Zweiter (10,29). „Die Zeiten im Finale waren sekundär, es zählte nur der Titel“, erzählte Pohl wenige Minuten nach dem Rennen. Platitüden, die Pohl mit dem Verlauf des Wettkampfes relativierte. Nach zwei Fehlstarts in seinem Vorlauf stand Pohl kurz vor dem Aus. Doch am Ende sah die Jury von Disqualifikationen ab. „Dass ich aber dreimal in den Startblock musste, war nicht gerade optimal.“ Trotzdem lief Pohl nach 10,24 Sekunden ins Ziel. Keiner war schneller. Spätestens dann wusste der Hesse: „Ich kann um den Titel laufen.“ Der Schlüssel zum Sieg im Olympiastadion sei seine „mentale Stärke“ gewesen“, so Pohl. „Bei deutschen Meisterschaften bin ich aufgeregt, verkrampfe aber nicht. Und dieses spezielle Gefühl kommt eben nur bei deutschen Titelkämpfen auf“, verriet Pohl.

Auch Kevin Kranz hatte seinen Kampf mit Fehlstarts. Er wurde im Finale zurückgeschossen, beim zweiten Versuch musste er sich zurückhalten. Anders als geplant war er das gesamte Rennen über im Hintertreffen, seine Stärke aus dem Block konnte er nicht ausspielen. „Immerhin habe ich es am Ende noch geschafft Julian Reus zu überholen, das hat mich überrascht“, so Kranz. Alles in allem habe er das Beste aus einem schwierigen Rennen gemacht, meinte Kranz. „Aber Michael war heute einfach der Beste und hat verdient gewonnen.“

Hammerwurf

Konstantin Steinfurth von der LG Eppstein-Kelkheim erreichte mit 61,51 Metern aus dem zweiten Versuch den Endkampf der besten acht Werfer. Das ergab in der Endabrechnung Platz acht, wobei der Sechste Tom Brack (TSV Bayer 04 Leverkusen/61,70) und der Mannheimer Yosef Alqawati (61,64) auf Rang sieben in Schlagdistanz lagen.

Vorkämpfe

Marc Reuther lief sich für das morgige Finale über 800 Meter warm. Im ersten Vorlauf setzte sich der Frankfurter nach 600 Metern schnell ab und ging auf den letzten 25 Metern vom Gas. Reuthers Zeit im Ziel: 1:51,02 Minuten. Niklas Harsy vom LAZ Gießen kam im zweiten und schnelleren Vorlauf als Achter ins Ziel (1:51,80).

Zu dritt wird der HLV in den Finalläufen über 1.500 Meter und 400 Meter Hürden vertreten sein. Marc Tortell (TV Rendel/3:49,37) und Amos Bartelsmeyer (LG Eintracht Frankfurt/3:51,02) gewannen jeweils ihren Vorlauf, dazu kommt Lukas Abele vom SSC Hanau-Rodenbach (3:49,48) als Dritter des ersten Halbfinales.

Über 400 Meter Hürden tragen die drei hessischen Finallteilnehmer alle das Trikot der LG Eintracht Frankfurt, und zwar Joshua Abuaku (50,60 Sekunden), Janis-Elias Pohl (51,57) und Titelverteidiger Luke Campbell (51,93). Keinen zweiten Läufe wird es für den Hanauer Marius Abele über die Mittelstrecke (4:05,51) und den Frankfurter Georg Fleischhauer (52,66) auf der Langhürdendistanz geben.

Ebenfalls vier Hessen nahmen die Stadionrunde auf sich, allerdings ohne Hürden und ohne Chancen auf das Finale. Der Schnellste des Quartetts war Lars Hieronymi von der LG Friedberg-Fauerbach in 47,98 Sekunden. Dazu kamen noch Kai Strauch im Trikot der LG Bad Sooden/Sulzbach/Neuenhain (48,29), Constantin Schmidt (Sprintteam Wetzlar/48,39) und Aleksi Rösler (SG Schlüchtern/49,94).

 

Frauen

Hochsprung

Einen „soliden Wettkampf“ habe sie gezeigt, sagte Nicola Ader von der TG Rimbach nach ihrem siebten Platz und übersprungenen 1,80 Meter, die sie im zweiten Anlauf meisterte. Auch bei ihrer Anfangshöhe (1,70) musste sie zweimal ran, während sie die 1,75 Meter im ersten Sprung überfloppte. Viel habe auch bei den 1,84 Meter nicht gefehlt. „Der erste Sprung war mein bester, danach bin ich etwas nervös geworden“, sagte Ader, die seit zwei Jahren an der Universität in Reno/Nevada Criminal Justice studiert. „Zwei weitere Jahre werde ich noch in den USA bleiben und mein Studium beenden. Dann wird man sehen.“ Konkret heißt das: entweder nach Deutschland zurückkehren um bei der Polizei einzusteigen. Oder aber ihren Aufenthalt in Nordamerika verlängern, gerne auch als Coach an der Uni. „Das Trainieren mit Kindern und Jugendlichen hat mir schon immer Spaß gemacht. Dazu kommen die deutlich besseren Karrieremöglichkeiten in den USA. Es bleibt also spannend“, sagte Ader, die im Olympiastadion sogar von ihrem US-Coach Scott Williamson betreut wurde.

Höhen von 1,84 Meter und darüber hinaus sind Nicola Aders Nahziel für die nächste Saison. Bis 2021 peilt sie auch 6.000 Punkte im Siebenkampf an. Bisher steht ihre Bestleistung bei 5.590 Zählern. "Irgendwann kommt man an den Punkt, an dem man abwägen sollte, ob man in der Lage ist im Leistungssport den nächsten Schritt zu gehen." Heißt konkret, ob man international starten kann. Oder ob es sinnvoller ist andere Schwerpunkte zu setzen. Nicola Ader ist davon überzeugt, dass sie ihren Zenit noch nicht erreicht hat und ihre Reise im Sport weitergeht.

Nicht verschweigen sollte man auch, dass der Hochsprungtitel dieses Jahr bereits mit übersprungenen 1,90 Meter weg ging, nämlich an Marie-Laurence Jungfleisch vom VfB Stuttgart.

Vorkämpfe

Das 800-Meter-Finale findet ohne Lara Tortell (TV Rendel/2:09,67 Minuten) und Julia Merbach (TSV Kirchhain/2:11,77) statt, die in ihren Vorläufen auf die Plätze sieben (Tortell) und neun (Merbach) liefen.