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Die HLV-Gala 2017 - auch ein Abend für die Trainer


HLV-Präsidentin Anja Wolf-Blanke mit Lara Matheis, Lisa Mayer und Claudia Salman-Rath (Foto: Christiane Mader)

Der Hessische Leichtathletik-Verband (HLV) und der Leichtathletik-Förderverein Hessen (LFH) haben mit einer großen Gala die Saison 2017 Revue passieren lassen und dabei in der Sportschule des Landessportbundes Hessen (lsb h) international und national erfolgreiche Athleten sowie Trainer geehrt. Wie immer in den vergangenen Jahren herrschte eine entspannte Stimmung, zum Jahresabschluss nutzten Sportler, Trainer, Eltern, Lebens- und Ehepartner und Funktionäre die festliche Gelegenheit auch zum Plausch unter Leichtathletik-Freunden. Das Wichtigste gleich vorneweg: Als Trainer des Jahres wurde Jürgen Sammert von der LG Eintracht Frankfurt ausgezeichnet, wie im Vorjahr stand Sascha Arndt (SSC Hanau-Rodenbach) als Nachwuchstrainer des Jahres auf der Bühne, für sein Lebenswerk als Trainer bekam Wolfgang Bernhardt (LG Seligenstadt) die verdiente Anerkennung. Die wohltemperierte Moderation für die etwa 150 Gäste oblag Chantal Buschung und Olaf Wagner. Und nach einem Abend mit vielen Eindrücken stellt sich die Frage: Was bleibt hängen, worüber muss geschrieben werden?

Zunächst aus gutem Grund darüber, dass die deutsche Marathonmeisterin Katharina Heinig leicht verspätet eintraf. Wie gesagt, aus gutem Grund. Denn die 28-Jährige wurde fünf Tage nach ihrem Triumph beim Frankfurt-Marathon vor dem Anpfiff des Fußball-Bundesligaspiels Eintracht Frankfurt gegen Werder Bremen in der direkt benachbarten Commerzbank-Arena interviewt. Ein völlig neues Erlebnis für Katharina Heinig, und nun dürfte zumindest jeder der 51.500 anwesenden Zuschauer wissen, dass die Welt des Sports (auch bei der Frankfurter Eintracht) mehr zu bieten hat als Fußball. Denn nicht nur die Leichtathletik kämpft um mediale Darstellung und Sponsoren. „Der Fußball überlagert alles, nicht nur an diesem Abend“, sagte HLV-Präsidentin Anja Wolf-Blanke in ihrer Begrüßungsrede. Um aus dem überlangen Schatten zumindest zeitweise herauszutreten, bietet sich im Jahr 2018 ein großes Event an: die EM in Berlin. „Vor uns steht ein großes Ereignis“, so die HLV-Präsidentin.


Wolfgang Bernhardt, links, mit Paul Gast und Franz-Josef Kemper (Foto: Christiane Mader)

Wie schwer es ist, „an das Geld anderer Menschen zu kommen, wenn es um die Jugend und die Leichtathletik geht“, betonte der LFH-Vorsitzende Franz-Josef Kemper in seinem Grußwort und warb direkt um neue Mitglieder. Später sagte der ehemalige Weltklasse-Mittelstreckenläufer: „Die Trainer leisten Unbezahlbares für die Leichtathletik und die Jugend in Hessen.“ So wie der 69-jährige Wolfgang Bernhardt, der seine Trainertätigkeit im Jahr 1969 begann. Laudator Paul Gast, Vorsitzender der LG Seligenstadt und HLV-Ehrenmitglied, kennt Bernhardt noch länger, seit Anfang der 60er Jahre. „Wolfgang Bernhardt steht für Menschenführung, Verlässlichkeit und Herzlichkeit“, so Gast. Zudem habe Bernhard den Ruf der LG Seligenstadt als Talentschmiede begründet. Stellvertretend erwähnte Gast in diesem Kontext Otto Hödl, Mitte der 70er Jahre einer der schnellsten hessischen Sprinter, und Hürdensprinterin Katja Hödl, die Anfang der 2000er Jahre nationale Ausrufezeichen setzte.

Bernhardt wirkte eher im Verborgenen, bei Jürgen Sammert ist dies seit einigen Jahren völlig anders. Die Leistungen von Siebenkampf-Vizeweltmeisterin Carolin Schäfer, die eine Video-Grußbotschaft in die Frankfurter Sportschule sendete, Claudia Salman-Rath (bis zum Wechsel zu Ulli Knapp), Pascal Behrenbruch, Jan Felix Knobel und Maryse Luzolo sind in der öffentlichen Wahrnehmung untrennbar mit seinem Namen verbunden. „Ihn zeichnet eine ausgeprägte Zielstrebigkeit aus, wenn es um das Wohl seiner Athleten geht“, sagte Laudator Lutz Arndt, lsb h-Vizepräsident Leistungssport.


Sascha Arndt, links, und Carsten Arndt (Foto: Christiane Mader)

Dass der 50-jährige Sascha Arndt nach 2016 wiederum als Nachwuchstrainer des Jahres proklamiert wurde, hatte seinen Grund vornehmlich darin, dass seine ehemalige Athletin Lisa Oed in den zurückliegenden Monaten überragende Leistungen gezeigt hat. Erwähnt seien die deutschen U20-Titel über 3.000 Meter und die Hindernisdistanz, die europäischen U20-Titel im Berglauf und über die Hindernisstrecke. Aber ehemalig? Ja, denn die Hochtalentierte studiert seit diesem Semester an der Mississippi State University in den Vereinigten Staaten. Biochemie, wie sie es zuvor bereits ein Jahr in Frankfurt getan hat. „Aber es war sehr schwierig, Studium und Leistungssport unter einen Hut zu bekommen“, sagte Sascha Arndt. An der Mississippi-Universität steht der Sport ganz klar im Vordergrund. Eine Rückmeldung von dem Uni-Coach hat er noch nicht bekommen, lediglich die Zielbestimmung für das nächste Jahr steht: Teilnahme an der U20-WM im Hindernislauf. Der USA-Aufenthalt von Lisa Oed ist mit einem Stipendium über einen Zeitraum von drei, vier Jahren durchfinanziert; wie sie die höheren Trainingsbelastungen wegsteckt, ist eine offene Frage.

Die Laudatio für Sascha Arndt hielt sein drei Jahre jüngerer Bruder Carsten. Die Älteren werden sich erinnern: Er war bereits in der Juniorenklasse ein herausragender Athlet, gewann im Crosslauf eine Vielzahl deutscher Meistertitel, nahm an drei Weltmeisterschaften teil. Und, kaum glaubt man es, Carsten Arndt wurde seinerzeit von seinem „kleinen“ Bruder trainiert. Genauer, seit er in den C-Kader Hindernis aufgenommen wurde, damals war Sascha Arndt 19 Jahre alt. „Es gab einen groben Rahmen, dann wurde überlegt, wie in jeweiligen Wochen und Monaten trainiert wird“, sagte Carsten Arndt. „Und wichtiger als die Wissenschaft ist sein Gespür für die Leistungsfähigkeit der Athleten.“

Uwe Martin

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04.11.2017