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Neun Hessen für WM nominiert - Michael Pohl nicht


Claudia Salman-Rath steht vor einem WM-Doppelstart (Foto: Jens Priedemuth)

Am Mittwochmittag hat der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) sein Aufgebot für die WM in London (4. bis 13. August) bekanntgegeben. Und aus Sicht des Hessischen Leichtathletik-Verbandes sind Überraschungen - leider - ausgeblieben. Dazu später mehr. Insgesamt umfasst die DLV-Mannschaft 71 Athleten, 32 Männer und 39 Frauen. In Hessen geförderte Athleten sind: Marc Reuther (Wiesbadener LV/800 Meter), Homiyu Tesfaye (LG Eintracht Frankfurt/1.500 Meter), Matthias Bühler (LG Eintracht Frankfurt/110 Meter Hürden), Lisa Mayer (Sprintteam Wetzlar/200 Meter), Katharina Heinig (LG Eintracht Frankfurt/Marathon), Lara Matheis (TSG Gießen-Wieseck/4x100 Meter), Claudia Salman-Rath (LG Eintracht Frankfurt/Siebenkampf, Weitsprung) Kathrin Klaas (LG Eintracht Frankfurt/Hammerwurf), Carolin Schäfer (LG Eintracht Frankfurt/Siebenkampf). Wenn bei den erwähnten Namen etwas auffällt, dann folgendes: Lisa Mayer, bei den Olympischen Spielen in Rio Vierte mit der Staffel, ist „nur“ über 200 Meter nominiert. Und in der DLV-Pressemitteilung ist nicht die Rede davon, dass vor der WM ein sogenannter Gesundheitsnachweis erbracht werden muss. Die deutsche Jahresbeste über die halbe Stadionrunde (22,64) war zuletzt gesundheitlich ebenso angeschlagen wie Hammerwerferin Kathrin Klaas, die sich nach einer knappen Normerfüllung im Mai (71,06) durch die Saison quält. Wer im Aufgebot fehlt? Michael Pohl. Und jetzt wird es spannend.


Das 100-Meter-Finale bei der DM in Erfurt (Foto: Helmut Schaake)

Denn der 28-Jährige vom Wiesbadener LV hatte sich zuletzt bei der DM in Erfurt über 100 Meter auf 10,26 Sekunden verbessert und sich hinter Julian Reus (TV Wattenscheid/10,10) auf den zweiten Platz gekämpft. In der DLV-Jahresbestenliste ist Pohl Dritter, hinter Reus und Aleixo Platini Menga (Bayer Leverkusen/10,23) und vor Roy Schmidt (SC DHfK Leipzig/10,28), Michael Bryan (TSG Weinheim/10,30) und Sven Knipphals (VfL Wolfsburg/10,33). Das halbe Dutzend Staffelsprinter für London umfasst Reus, Knipphals, Schmidt, Bryan, Robert Hering (TV Wattenscheid/DLV-11. mit 10,37) und Robin Erewa (TV Wattenscheid/DLV-14. mit 10,38). Man muss Pohl nicht anrufen, um zu fragen, wie er sich fühlt - bescheiden, sehr, sehr bescheiden. Externe Kritiker würden sagen: Der Mann wurde ausgebootet und trotz deutlicher Verbesserungen in den Jahren 2016/2017 um die Teilnahme an seiner ersten internationalen Meisterschaft gebracht. Und da ist viel Wahres dran.

Idriss Gonschinska, Leitender Direktor Sport im DLV, hat mit dem HLV-Vizepräsidenten Leistungssport Martin Rumpf telefoniert und ihm seine Sicht dargelegt. Die Argumentation, stichwortartig: Die Staffel habe eine besondere Bedeutung, Sprint-Bundestrainer Jörg Möckel setzte deshalb auf den sogenannten Staffelpool, weil es die Mitglieder gewohnt seien, auch vor 80.000 Zuschauern und neben beziehungsweise hinter Usain Bolt zu laufen, anders gesagt: Es wurde internationale Erfahrung eingefordert. Zudem gebe es Daten von fliegend gemessenen Zeiten, die für die Nominierten sprächen. Was Gonschinska zusagte: Pohl werde in die Staffel-Maßnahmen integriert - nach der WM. „Die Botschaft, die bei Michael ankommt, lautet leider: Leistung lohnt sich nicht“, sagt Rumpf. Er ist genauso enttäuscht wie HLV-Landestrainer David Corell, der Pohl als Ratgeber bei der Starttechnik zur Seite steht.


WM-Nominierte unter sich - Homiyu Tesfaye und Marc Reuther (Foto: privat)

Denn es wäre auch anders gegangen und durchaus vermittelbar gewesen. Nämlich einfach den formschwachen Knipphals zu Hause lassen, zumal der Wolfsburger noch vier Jahre älter ist als Pohl. Oder Bryan. Zumal beide in den bisherigen internationalen Wettkämpfen der 4x100-Meter-Staffel im Sommer 2017 keine Rolle gespielt haben. Sie gehören aber zum Staffelpool und sind „eingewechselt“, wie es in der Trainerfachsprache heißt. Bei der völlig überhöhten sogenannten Staffel-WM am 22. April in Nassau (Bahamas) liefen Schmidt, Erewa, Reus und Menga (39,15); bei der Team-Europameisterschaft in Lille (Frankreich/24. Juni) kamen Reus, Hering, Schmidt und Menga zum Einsatz und liefen 38,30 Sekunden. Der DLV-Rekord steht 2012 bei 38,02.

Verpasst hat es der DLV, ein pädagogisch wertvolles, kurzfristig wegweisendes WM-Signal für die weitere Karriere von Pohl zu geben: Hey, Du bist dabei, einer unserer Besten, das erkennen wir an, Du bist Ersatzläufer und Mitglied des Teams! Dass er zum Einsatz gekommen wäre im Olympiastadion, diesen kühnen Gedanken hatte der Wahl-Wiesbadener ohnehin nicht.

Uwe Martin

 


12.07.2017