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Vier Männer, drei Vereine, ein Titel über 4x400 Meter


Die DM-Meisterstaffel mit Eric Herbert, Constantin Schmidt, Jaakkima und Aleksi Rösler (Foto: IRIS)

Es war nicht unbedingt so, dass das Beste zum Schluss kam, denn deutsche Titel hatte es für den Hessischen Leichtathletik-Verband in Erfurt schon zuvor gegeben. Doch im letzten Wettkampf ganz vorne zu sein und den abschließenden Applaus des Publikums zu spüren und mitzunehmen, ist sicher ein besonderes Gefühl. Insbesondere dann, wenn alle Läufer noch der U23-Juniorenklasse angehören. Wovon die Rede ist? Von der 4x400-Meter-Staffel der StG Schlüchtern-Flieden-Obertshausen in der Besetzung Eric Herbert, Aleksi und Jaakkima Rösler sowie Constantin Schmidt. Die Zeit der vier Hessen: 3:09,08 Minuten, dahinter lief eine weitere Startgemeinschaft (Chemnitz-Erzgebirge/3:09,60) auf den zweiten Platz. Heruntergebrochen auf Hessen bedeutet das: Herbert, die Rösler-Zwillinge und Schmidt verpassten den U23-Landesrekord aus dem Jahr 2011 (3:08,96/LG Eintracht Frankfurt mit Benjamin Jonas, Niklas Zender, Marius Horbank und Clemens Höfer) nur um einen Wimpernschlag.

Im Männer-Ranking ist das Meisterquartett nun die Nummer vier. Der Landesrekord hat seit 27 Jahren Bestand und wird gehalten von der Frankfurter Eintracht (Lars Klingenberg, Uwe Schmitt, Mark Henrich, Bodo Kuhn/3:07,15). Und noch ein Vergleich: Im vergangenen Jahr lief dieselbe Drei-Vereine-Startgemeinschaft als DM-Dritter in Kassel 3:13,02 Minuten. Der Erfolg zwölf Monate später wurde von ihrem Trainer minutiös geplant.

Denn Jaakkima Rösler (47,68), Aleksi Rösler (47,86 Sekunden in diesem Jahr) und Constantin Schmidt (46,63/2017) hätten auch im Einzelwettbewerb an den Start gehen können, verzichteten aber zugunsten der Staffel. Schmidt natürlich auch, weil er sich vor den U23-Europameisterschaften (13. bis 16. Juli) nicht komplett verausgaben wollte; für die Röslers war der alleinige Staffeleinsatz die große Chance, den Titel zu holen. Der 400-Meter-Hürdenspezialist Herbert gehört als 1998er Jahrgang sogar noch der U20-Jugendklasse an. Bestzeit über 400 Meter flach: 49,28 Sekunden, in Erfurt wurden aus dem Block 48,6 Sekunden gestoppt. Bei den persönlichen Bestzeiten wird deutlich, wie groß die Unterschiede zu der HLV-Rekordstaffel von 1990 noch sind: Klingenberg (47,13), Schmitt (45,9), Henrich (45,42) und Kuhn (45,5) hatten die weitaus schnelleren Einzelzeiten.

Doch die Startgemeinschaft Schlüchtern-Flieden-Obertshausen wächst. Und sie ist eigentlich ein Projekt. Denn die vier jungen Männer tun sich nicht nur für Wettkämpfe zusammen, sie trainieren auch gemeinsam beim HLV-Cheftrainer Sprint/Hürden, Robert Schieferer. Und stehen damit exemplarisch für den HLV-Strukturplan, der im November vergangenen Jahres vorgestellt wurde und zuvor von Schieferer maßgeblich mit ausgearbeitet wurde. Ein wesentlicher Kernpunkt dabei ist, dass leistungsstarke Athleten ab der Altersklasse U20 gemeinsam in der Gruppe trainieren sollten. „Das Staffelergebnis ist ein Ergebnis dieser Zentralisierung“, sagt Schieferer. „Und ein Beispiel, dass man in trainingsintensiven Disziplinen nur erfolgreich sein kann, wenn man in der Gruppe trainiert.“


Und noch einmal die schnellen Viertelmeiler aus Hessen (Foto: IRIS)

Die Röslers (SG Schlüchtern), Herbert (TV Flieden) und Schmidt (TG Obertshausen) gehören weiterhin kleinen Vereinen an, diese profitieren also von den Vorzeigeathleten. Die Läufer machen aber jeden Tag vor Ort gemeinsame Sache. Montags im Kraftraum des Olympiastützpunkts Hessen in Frankfurt, dienstags bis samstags in Neu-Isenburg, nur sonntags ist eine eigenständige Dauerbelastungseinheit angesetzt. Auch beim Stichwort Duale Karriere setzt das Projekt Akzente: Schmidt studiert an der European Business School in Oestrich-Winkel (General Management), Herbert an der TU Darmstadt (Wirtschaftswissenschaften), Jaakkima und Aleksi Rösler an der Uni Frankfurt Wirtschaftswissenschaften/Wirtschaftspädagogik). Die räumliche Nähe zur Trainingsstätte spart Zeit, Kraft und Energie(kosten).

Schieferer räumt ein, dass der Staffelsieg von Erfurt auch „ein bisschen Wiedergutmachung“ ist. Zum einen, weil Schmidt für die anstehende U23-EM die Einzelnorm (46,50) knapp verpasst hat und „nur“ in der Staffel laufen wird. Jaakkima Rösler verpasste die Teilnahme als sechstbester deutscher U23-Viertelmeiler ganz, Aleksi machte 2017 bislang gar keine Fortschritte. „Wir müssen ehrlich sein und sagen, dass wir in diesem Jahr ganz andere Ziele hatten“, sagt Schieferer. Es sollte ähnlich werden wie im Sommer 2015, als Schmidt und die Röslers bei der U20-EM 75 Prozent der DLV-Staffel gebildet haben und die Bronzemedaille gewannen.

Erschwerend kommt hinzu, dass in Eileen Demes vom TV Neu-Isenburg die erfolgreichste hessische U20-Athletin des Vorjahres (400 Meter Hürden) wegen einer langwierigen Erkrankung (Pfeiffersches Drüsenfieber) auf unbestimmte Zeit nicht wettkampffähig ist. Insofern war die Staffelmeisterschaft auch ein wenig Balsam für einen zuletzt nicht gerade mit Erfolgsmeldungen überhäuften Coach.

Uwe Martin

 


10.07.2017