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Konzentration + Kraft = Silber gewonnen


Mona Gottschämmer (Foto: Iris Hensel)

Erfolgreiche erste Versuche können so wertvoll sein. Hochspringerin Mona Gottschämmer vom TV Neu-Isenburg hat bei den 47. Deutschen Jugend-Hallenmeisterschaften die Silbermedaille gewonnen und dank einer fehlerlosen Serie bis 1,78 Meter fünf höhengleiche Konkurrentinnen hinter sich gelassen. Nur bei dem flinken Sprungfloh aus Schleswig-Holstein, Selina Schulenburg vom TSV Altenholz, ging es mit 1,81 Meter noch höher hinaus. Maike Anstett, die Dritte im Trikot der LG Region Karlsruhe, nahm wie Mona Gottschämmer die 1,78 Meter im ersten Anlauf, hatte sich aber bei 1,72 Meter einen Fehlversuch geleistet.


Als Zugabe zur Silbermedaille steht für die 16 Jahre alte Hessin der erste Einsatz im deutschen Nationaltrikot bevor. Für den U20-Hallen-Länderkampf zwischen Frankreich, Italien und Deutschland am 28. Februar im französischen Lyon sind Selina Schulenburg und Mona Gottschämmer zur Nominierung vorgeschlagen worden. "Das wird etwas ganz Besonderes. Es macht mich stolz daran teilnehmen zu dürfen. Und das könnte alles leichter machen", vermutet Mona Gottschämmer.

Im Jahnsportforum in Neubrandenburg lief nicht alles von Beginn an rund. Mona Gottschämmer fühlte sich etwas träge, klagte über fehlende Spritzigkeit. Alles Nachwirkungen einer Erkältung, die aber seit Anfang der Woche überwunden ist. "Ab 1,72 Meter lief es dann viel besser und beim Sprung über 1,78 Meter hat einfach alles gepasst." Fokussiert in der Vorbereitung, schnell im Anlauf, kraftvoll im Absprung, technisch sauber bei der Lattenüberquerung. Für die Hochsprung-Landestrainerin im Hessischen Leichtathletik-Verband (HLV), Sophia Sagonas, das Ergebnis von Fleiß, Selbständigkeit und harter Arbeit. "Auf Mona ist Verlass. Sie hat immer an sich gearbeitet und ist jetzt für ihre Mühen belohnt worden."


Mona Gottschämmer und Wolfgang Brandt (Foto: Benjamin Heller)

Trotz stabiler Leistungen auf hohem Niveau – im letzten Sommer lag ihre Bestleistung noch bei 1,73 Meter, gleich in ihrem Hallen-Wettkampf im Dezember steigerte sie sich auf 1,76 Meter und im Januar schließlich auf 1,80 Meter – muss sich Mona Gottschämmer ihr Selbstbewusstsein immer wieder neu erarbeiten. "Wenn ich weiß, wie hoch die anderen schon gesprungen sind, schüchtert mich das erst einmal ein." So zum Beispiel die 1,82 Meter, mit denen die ebenfalls noch zur U18 zählenden Lisa Maihöfer und Leonie Reuter eine Woche zuvor bei den Süddeutschen Meisterschaften an die Spitze der nationalen Nachwuchs-Bestenliste gesprungen waren. Der Blick danach ging nur nach vorn. Sophia Sagonas ermunterte ihren Schützling an sich zu glauben und den unnötigen Bruch bei 1,78 Meter in Karlsruhe hinter sich zu lassen. Besondere Konzentration lag auf den ersten Versuchen. "Im direkten Vergleich mit gleichstarken Springerinnen sind erfolgreiche erste Versuche besonders wertvoll", so Sophia Sagonas. Mit dem Ergebnis, dass Mona Gottschämmer beide Kontrahentinnen in Neubrandenburg hinter sich ließ, wenn auch nur durch die unterschiedliche Anzahl von Fehlversuchen über 1,78 Meter getrennt.

Einen ähnlich knappen Ausgang erwartet Sophia Sagonas im Hinblick auf die Nominierung für die U18-Weltmeisterschaften im kolumbianischen Cali (15. bis 19. Juli). Die vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) geforderten 1,78 Meter werden ihrer Einschätzung zufolge kaum reichen. "Ich kann mir sogar gut vorstellen, dass man höher als 1,80 Meter springen muss, um dabei zu sein", so Sophia Sagonas. In diesem Winter sind bereits vier U18-Springerinnen 1,78 Meter oder höher gesprungen. Allerdings sind nur zwei Plätze zu vergeben. "Die Tagesform kann entscheidend sein", glaubt Sophia Sagonas, die schon jetzt sagt, dass man den Nicht-Qualifizierten keinen Vorwurf machen darf. "1998 ist einfach ein starker Jahrgang im Hochsprung der weiblichen Jugend."


Sprunganalyse mit Sophia Sagonas und Günter Eisinger (Foto: Benjamin Heller)

Ginge es nach Wolfgang Brandt, dem Vereinstrainer von Mona Gottschämmer, sollte sich die 1,80 Meter große gebürtige Frankfurterin sowieso auf den Siebenkampf konzentrieren. Der sportliche wie berufliche Globetrotter, der als Banker und Soldat auf eine langjährige Auslandserfahrung in der Schweiz, England, den USA und Russland zurückblickt, schätzt Mona Gottschämmers Potenzial für den Mehrkampf als hoch ein. "Sie ist eine gute Hürdenläuferin, kann passabel Speerwerfen und weitspringen und hat Kraft. Sie könnte, wenn sie vielseitiger trainieren würde, im Siebenkampf erhebliche Fortschritte machen." Seit der Nominierung in den HLV-Hochsprungkader und zweimal in der Woche Training bei Sophia Sagonas und Günter Eisinger fehlt für das Siebenkampf-Training jedoch schlichtweg die Zeit.

Außerdem tendiert Mona Gottschämmers Herz zum Hochsprung. So sehr, dass sie sich selbständig mit so sensiblen Themen wie Körpergewicht und Ernährung beschäftigt. Zwei Kilo habe sie seit ihrer Bestleistung im Januar verloren, sagt sie selbst. Und dabei erfahren, dass die Umstellung zuweilen schwierig ist. Müde und kraftlos habe sie sich im Training gefühlt, in den Tagen vor Neubrandenburg aber wieder Energie getankt. Wolfgang Brandt meint dazu nur: "Jetzt ist aber Schluss!" und mahnt: "Weniger Energie im Körper geht auf Kosten der Dynamik. Das hat man heute gesehen. Nur mit Kraft hat sie die fehlende Dynamik wettgemacht."

Zu den Ergebnissen

Tammo Lotz

 


15.02.2015