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„Es geht um eine Wiederbelebung“


Betty Heidler (Foto: Christiane Mader)

Am Pfingstsonntag fliegen im südhessischen Fränkisch-Crumbach wieder die Hämmer. Topstar der Veranstaltung ist die 30-jährige Betty Heidler von der LG Eintracht Frankfurt. Aber mit der Rhein-Main-Region hat sie seit geraumer Zeit nicht mehr allzu viel zu tun. Betty Heidler hat Ende September vergangenen Jahres ihre Koffer gepackt und ist aus privaten Gründen in ihre Heimatstadt Berlin zurückgezogen. In Frankfurt, auf dem Sportplatz Hahnstraße, wurde vor acht Jahren das 580.000 Euro teure Werfer-Leistungszentrum eingeweiht. In der Szene heißt es nur Wurfhaus, und im vergangenen Jahr kam noch ein mit Bundesmitteln geförderter Hammerwurfkäfig im Freien hinzu. Wenig später verkündete Betty Heidler ihren Umzug nach Berlin. Seitdem wird die Kritik, dass sich am Bundesstützpunkt Frankfurt am Main nicht mehr viel tut, lauter. „Wenn wir ehrlich sind, ist Frankfurt ja nicht der Hauptstandort von Betty“, sagt HLV-Präsidentin Anja Wolf-Blanke.

An der Weltrekordhalterin (79,42 Meter) lässt sich der aktuelle Misere gut aufzeigen. Denn das Projekt, in Frankfurt (und im Klub Eintracht Frankfurt) die meisten oder zumindest viele deutsche Top-Hammerwerfer zu bündeln, darf als gescheitert gelten. Heim- und Bundestrainer Michael Deyhle betreut Betty Heidler mittlerweile monatlich drei Wochen vor Ort in Berlin, nur eine Woche steht er in Frankfurt zur Verfügung. Was den Dominoeffekt hatte, dass ihm die ambitionierte Carolin Paesler nach Berlin folgte, ansonsten hätte sie sich einen anderen Trainer suchen müssen. Aber ebenfalls weiterhin das Eintracht-Trikot trägt. Die aktuelle Situation konterkariert zudem das Leitbild des Traditionsklubs, wonach möglichst viele Topathleten vor Ort trainieren sollen. Als Vorbilder „zum Anfassen“ für den Nachwuchs.

Drei erfolgreiche Protagonisten ausgenommen - Betty Heidler, die Olympiafünfte Kathrin Klaas (LG Eintracht Frankfurt) und den 34.jährigen Routinier Markus Esser (Leverkusen, 81,10 Meter, beide haben Helge Zöllkau als Trainer) - durchlebt der deutsche Hammerwurf ohnehin eine Schwächephase. Doch zumindest in Frankfurt hat man die Zeichen der Zeit erkannt. „Es geht um eine Wiederbelebung“, sagt Anja Wolf-Blanke. Und dies in Person von Regine Isele, die zum 15. Juni oder spätestens zum 1. Juli neue Landestrainerin Wurf und Nachfolgerin von Jan Müller werden wird. Es ist eine halbe Stelle mit den speziellen Aufgabengebieten hessische Kadertrainerin Hammerwurf sowie Talentsichtung- und -entwicklung. Denn hinter Betty Heidler, Kathrin Klaas und Carolin Paesler sind hessische Hammerwerferinnen und -werfer mit einer absehbaren internationalen Perspektive schwer zu finden.

Bei den Frauen wird Svenja Kern derzeit mit 60,87 Meter gelistet, in der U20 Marco Laubach als siebtbester DLV-Hammerwerfer (56,12 Meter), Tina Tilger (alle LG Eintracht Frankfurt) als Neuntbeste (48,04 Meter). In der U18 ruhen die Hoffnungen auf Konstantin Steinfurth (LG Eppstein/Hornau/63,69 Meter) und auf Isabel Weitzel (ESV Jahn Treysa/55,34 Meter). Bei der Eintracht sind im Männerbereich noch Sebastian Lenz (64,80 Meter) und Stefan Dietl (55,58), beide Jahrgang 1993, in der deutschen Bestenliste zu finden. Eine zufriedenstellende Bilanz scheint dies für die hessische Verbandspräsidentin in der Summe jedoch nicht zu sein. „Im Hammerwurf muss etwas gemacht werden“, sagt Anja Wolf-Blanke.

Uwe Martin

 


07.06.2014